Bitcoin hat am Montag rund drei Prozent zugelegt und die Marke von 69.000 Dollar zurückerobert. Auslöser war ein Axios-Bericht über laufende Verhandlungen zwischen den USA, dem Iran und regionalen Vermittlern über einen möglichen 45-tägigen Waffenstillstand.
Der Kurs stieg von einem Tagestief bei 66.634 Dollar auf ein Hoch von 69.350 Dollar. Das entspricht einer Schwankungsbreite von rund 2.700 Dollar innerhalb von 24 Stunden.
Short-Squeeze trifft überpositionierte Trader
Besonders hart traf die Bewegung Leerverkäufer. Laut Daten von CoinGlass wurden innerhalb von 24 Stunden insgesamt 273,8 Millionen Dollar an Positionen liquidiert – davon entfielen 196,7 Millionen Dollar auf Short-Positionen, nur 77,1 Millionen Dollar auf Longs. Das Verhältnis von fast 3:1 zeigt, wie stark Trader vor dem Osterstart auf weitere Kursverluste gewettet hatten.

Die größte Einzelliquidation: ein ETH/USDT-Short über 10,17 Millionen Dollar auf Binance.
Gesamtmarkt klettert über 2,5 Billionen Dollar
Der Kursanstieg bei Bitcoin zog den breiteren Kryptomarkt mit. Die Gesamtmarktkapitalisierung überschritt wieder die Marke von 2,5 Billionen Dollar. Die Bitcoin-Dominanz stieg auf 58,38 Prozent – ein Zeichen, dass Kapital aus Altcoins in BTC rotierte.
Die Waffenstillstandssignale wirkten auch an traditionellen Märkten. Brent-Rohöl fiel von rund 104 Dollar auf unter 100 Dollar je Barrel. Der Nasdaq gewann etwa 3,1 Prozent. Südkoreas Kospi legte 8,4 Prozent zu, der DAX stieg um 2,6 Prozent.
Seit dem Beginn des Iran-Konflikts Ende Februar lagen die Ölpreise rund 30 Prozent über dem Vorkrisenniveau. Die Entlastung an den Energiemärkten stützte risikobehaftete Anlagen – und damit auch Bitcoin.
Widerstand bei 71.500 und 81.200 Dollar
Trotz des Sprungs bleibt Bitcoin in seiner jüngsten Handelsspanne zwischen 65.000 und 73.000 Dollar gefangen. Die nächsten relevanten Widerstände liegen laut On-Chain-Analysten bei 71.500 Dollar (Lower Band) und 81.200 Dollar (Trader On-chain Realized Price).
Ob die Erholung trägt, hängt davon ab, ob der 45-tägige Waffenstillstand konkret wird. Mehrere Analysten warnen, dass die geopolitische Lage weiterhin fragil ist – Trump drohte zuletzt, iranische Kraftwerke anzugreifen.
Bearishe Stimmen bleiben laut
Bloomberg-Intelligence-Stratege Mike McGlone bekräftigte unterdessen seinen Bärenfall: Ohne nachhaltiges Halten über 75.000 Dollar sieht er Bitcoin auf dem Weg zurück zu 10.000 Dollar. Die 75.000-Dollar-Marke entspricht laut McGlone wichtigen Fibonacci-Retracements und hatte den Marsch im März/April 2025 bereits gestoppt.
Auf der anderen Seite verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs in den vergangenen vier Wochen Nettozuflüsse von rund 2,2 Milliarden Dollar – ein Indikator, dass institutionelles Interesse strukturell intakt bleibt.
Bitcoin hat sich erholt – getrieben von geopolitischer Hoffnung und erzwungenen Short-Eindeckungen. Der Markt testet gerade, ob der Impuls nachhaltig ist. Entscheidend wird sein, ob der Waffenstillstand Realität wird oder als weitere Schlagzeile verpufft.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Seit 2018 berichtet er über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
