Der zweitgrößte börsennotierte Bitcoin-Halter unter den US-Unternehmen geht einen ungewöhnlichen Schritt. Auf der Bitcoin Conference in Las Vegas hat MARA-Holdings-CEO Fred Thiel am Montag die MARA Foundation vorgestellt – eine Stiftung, die sich um die langfristige Widerstandsfähigkeit des Bitcoin-Netzwerks kümmern soll. Damit erweitert MARA seinen Fokus erstmals deutlich über das eigene Mining- und KI-Geschäft hinaus.
„Bitcoin ist das wichtigste dezentrale System, das je geschaffen wurde, aber seine Zukunft ist nicht garantiert“, sagte Thiel bei der Vorstellung. Er beschrieb das Netzwerk als eine Art öffentliche Infrastruktur, die zwar niemandem gehöre, von der aber alle abhängig seien. Dezentralisierung bedeute eben nicht, dass ein Netzwerk sich von selbst trage, sondern dass die Verantwortung verteilt werde.
Drei Schwerpunkte für die Stiftung
Die MARA Foundation will nach eigenen Angaben in drei Hauptbereichen aktiv werden. Erstens geht es um das sogenannte Sicherheitsbudget des Netzwerks. Hintergrund: Mit jeder Halbierung der Mining-Belohnung sinkt die Block-Rewards-Komponente, die Miner für die Absicherung des Netzwerks erhalten. Langfristig sollen Transaktionsgebühren diese Einnahmen ersetzen. Die Stiftung will Forschung zu einem nachhaltigen Gebührenmarkt finanzieren – ein Thema, das in der Bitcoin-Community seit Jahren kontrovers diskutiert wird.
Zweitens fließen Mittel in Open-Source-Entwicklung. Konkret nennt MARA Skalierungslösungen, Mining-Software und Infrastruktur für Endnutzer. Auch Self-Custody, also die eigenständige Verwahrung von Bitcoin durch Privatpersonen, soll gefördert werden.
Der dritte Bereich dürfte für viele Beobachter der spannendste sein: Forschung zu neu entstehenden Risiken, allen voran Quantencomputer.
Warum das Quantencomputer-Thema gerade jetzt aufkommt
Die Sorge ist nicht neu, hat in den vergangenen Wochen aber an Schärfe gewonnen. Anders als beim Mining selbst – das auf Hashing-Verfahren basiert, die für Quantencomputer kein einfaches Ziel sind – ist die Wallet-Kryptografie potenziell verwundbar. Schätzungen zufolge sind rund 6,9 Millionen Bitcoin betroffen, deren öffentliche Schlüssel bereits auf der Blockchain sichtbar sind. Dazu zählen die Bestände aus den frühen Jahren des Netzwerks sowie alle Coins, die seit dem Taproot-Upgrade von 2021 bewegt wurden.
Während Ethereum mit einem koordinierten Plan auf den Übergang zu quantensicherer Kryptografie hinarbeitet, fehlt Bitcoin bislang eine vergleichbare Roadmap. Es gibt Vorschläge wie BIP-360, der quantensichere Adresstypen einführen würde, oder ein Konzept von BitMEX Research, das ein Erkennungssystem für Quantenangriffe vorsieht. Einen Konsens unter den Core-Entwicklern gibt es bislang aber nicht.
Genau in diese Lücke will die MARA Foundation hineinarbeiten – nicht als zentrale Autorität, sondern als Kapitalgeber für unabhängige Forschung.
100.000 Dollar per Community-Vote
Zum Start kündigte MARA an, 100.000 US-Dollar an eine von drei gemeinnützigen Organisationen auszuschütten. Welche Organisation das Geld erhält, soll per Community-Abstimmung entschieden werden. Der Schritt passt zur Botschaft, die Thiel über die gesamte Ankündigung legt: Verantwortung für das Netzwerk müsse breit verteilt sein, nicht in einer Hand liegen.
Weitere Schwerpunkte der Stiftung sind technische Schulungen, mehrsprachige Bildungsangebote und Gespräche mit Regulierungsbehörden. Damit positioniert sich MARA auch politisch sichtbarer – ein Bereich, in dem börsennotierte Mining-Firmen bislang eher zurückhaltend agiert haben.
Einschätzung
Die Gründung der MARA Foundation ist aus mehreren Gründen bemerkenswert. Zum einen zeigt sie, dass selbst ein gewinnorientierter Mining-Konzern erkennt, dass die Stabilität des Netzwerks am Ende auch sein eigenes Geschäftsmodell trägt. Wer Bitcoin mint, hat ein direktes Interesse daran, dass das Netzwerk auch in zehn oder zwanzig Jahren noch sicher und genutzt ist.
Zum anderen ist die Initiative ein Hinweis darauf, dass das Quantencomputer-Thema in der Branche ankommt. Für Privatanleger, die Bitcoin halten, ändert sich kurzfristig nichts. Die Bedrohung ist real, aber nicht akut – aktuelle Quantencomputer sind weit davon entfernt, gängige Wallet-Kryptografie zu brechen. Trotzdem ist es sinnvoll, die Diskussion zu beobachten. Wer langfristig größere Beträge in Bitcoin hält, sollte sich mittelfristig mit Themen wie Adressmigration und Self-Custody auseinandersetzen.
Kritisch lässt sich anmerken, dass eine einzelne Stiftung – egal wie gut gemeint – die strukturellen Herausforderungen der Bitcoin-Entwicklung nicht löst. Das Netzwerk hat über Jahre bewusst auf zentrale Förderstrukturen verzichtet. Ob ein von einem börsennotierten Unternehmen finanziertes Vehikel hier neue Dynamik bringt oder eher als Marketing-Instrument wahrgenommen wird, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen.
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Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]