Ein Beitrag von Krypto-Analyst Lark Davis geht seit einigen Tagen durch die Community. Davis – 1,4 Millionen Follower auf X – sagt darin: 99 Prozent aller Altcoins werden langfristig wertlos. Nur Bitcoin, Ethereum und Solana sieht er als dauerhaft überlebensfähig. Die Diskussion, die der Post ausgelöst hat, hält bis heute an – und die aktuellen Marktdaten geben ihm mehr Recht, als vielen Anlegern lieb sein dürfte.
„Du wirst mich vielleicht dafür hassen, dass ich das sage, aber 90 Prozent aller Altcoins werden auf null fallen. Wahrscheinlich sind es sogar eher 99 Prozent“, schrieb Davis. Etablierte Projekte wie XRP oder Chainlink hält er für potenziell relevant – aber nicht für gesichert.
Was die Daten heute zeigen
Am 12. April 2026 liegt die Bitcoin-Dominanz bei 57,1 Prozent – die Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptowährungen bei 2,52 Billionen US-Dollar. Der CMC Altcoin Season Index steht bei 34 von 100, tief im sogenannten Bitcoin-Season-Bereich. Altseason beginnt offiziell erst oberhalb von 75.
Das ist kein vorübergehendes Tief. Spot-Bitcoin-ETFs haben seit ihrem Start im Januar 2024 kumuliert rund 56,9 Milliarden US-Dollar an Nettozuflüssen angezogen – Kapital, das ausschließlich in Bitcoin fließt und sich nicht in Altcoins weiterbewegt. Ein struktureller Unterschied zu früheren Zyklen.
38 Prozent nahe Allzeittief – und das unterschätzt das Ausmaß
Laut einer CryptoQuant-Analyse notieren bereits 38 Prozent aller aktiv gehandelten Altcoins nahe ihren historischen Tiefstständen. Das übertrifft das Niveau nach dem FTX-Kollaps 2022.
Doch Preisstatistiken erfassen nur Token, die noch existieren. Von allen je gelisteten Kryptowährungen sind laut Auswertungen auf Basis von CoinGecko-Daten bereits 53,2 Prozent vollständig gescheitert – über 13 Millionen Token. Allein 2025 starben 11,6 Millionen davon, hauptsächlich ausgelöst durch Meme-Coin-Fabriken wie pump.fun auf Solana. Die vollständige Lesart: Mehr als die Hälfte aller je erschaffenen Token ist wertlos – und von den verbliebenen Projekten notieren wiederum 38 Prozent nahe dem Allzeittief.
Auch bei Bitcoin selbst ist die Lage angespannt: On-Chain-Daten von CryptoQuant zeigen, dass sich aktuell nur rund 58 Prozent aller BTC-Inhaber in der Gewinnzone befinden. Historisch markieren solche Niveaus zyklische Tiefpunkte – ein bestätigtes Umkehrsignal fehlt aber weiterhin.
Fehlende Adoption als Kernproblem
Davis benennt das strukturelle Problem direkt. „Der Coin, den du gekauft hast, weil das Logo cool ist: null. Das Projekt, das 100.000 Transaktionen pro Sekunde verspricht: Niemand nutzt es.“ Altcoins stehen vor ungelösten Problemen bei Wertakkumulationsmechanismen und On-Chain-Fundamentaldaten.
Retail-Kapital wandert derweil ab: Das Google-Suchinteresse für „Altcoins“ liegt im April 2026 nahe dem Jahrestiefstwert. Der Wettbewerb um spekulatives Kapital – gegen KI-Aktien, Rohstoffe und regulierte Krypto-ETFs – hat sich verschärft.
Wann könnte sich das Bild drehen?
Die BTC-Dominanz befindet sich aktuell an einem Entscheidungspunkt: Ein Ausbruch über 60 Prozent würde weiteren Druck auf Altcoins bedeuten. Eine Ablehnung auf diesem Niveau könnte dagegen eine Rotation einleiten. Historisch folgte auf Dominanz-Hochs eine Phase breiter Altcoin-Stärke – in den Zyklen 2017 und 2021 jeweils mit erheblichen Kurszuwächsen.
Der Unterschied zu heute: Institutionelles Kapital ist über ETFs dauerhaft in Bitcoin verankert. Es zeigt strukturell wenig Interesse daran, in den spekulativen Long-Tail des Altcoin-Markts zu rotieren. Das gibt der Davis-These mehr Substanz als früheren Altcoin-Abgesängen in vergangenen Bärenmärkten.
Ob der aktuelle Zyklus dem historischen Muster der Bodenbildung folgt, werden die kommenden Wochen zeigen. Für Anleger könnte das bedeuten: Selektivität ist heute wichtiger als Breite.
Hier geht es zum Beitrag: wie viel in Bitcoin investieren?

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Seit 2018 berichtet er über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
