Hedgefonds verkaufen globale Aktien so aggressiv wie seit 13 Jahren nicht mehr. Das zeigen aktuelle Daten von Goldman Sachs. Die Kryptoszene rätselt: wird der Bitcoin mitgezogen, oder entkoppelt er sich?
Laut Goldman Sachs übertrafen Leerverkäufe die Long-Käufe zuletzt im Verhältnis 7,6 zu 1. Rund 76 Prozent der Shorts entfielen auf Index- und ETF-Produkte. Short-Positionen auf US-gelistete ETFs stiegen um 17,2 Prozent – besonders großkapitalisierte Aktien-ETFs stehen im Visier.
Der Auslöser ist eine Kombination aus Trumps Zollpolitik, wachsender Iran-Kriegsgefahr und anhaltender Unsicherheit über die US-Geldpolitik. Institutionelle Investoren sichern sich ab – und das in einem Ausmaß, das zuletzt 2013 erreicht wurde.
Das Gegenrisiko: Short Squeeze
Extreme Short-Positionen sind kein risikofreies Spiel. Je mehr Kapital auf fallende Kurse wettet, desto heftiger kann der Rückschlag ausfallen. Eine geopolitische Deeskalation, ein Fed-Signal oder überraschend starke Unternehmensdaten – jeder dieser Auslöser könnte Leerverkäufer zwingen, ihre Positionen schnell einzudecken. Die Folge wäre ein abrupter Kursanstieg, der wenig mit fundamentaler Verbesserung zu tun hat.
Für Krypto-Anleger ist das relevant: Ein Short Squeeze an US-Börsen würde die Risikobereitschaft schlagartig erhöhen – und Bitcoin historisch gesehen mitziehen.
Bitcoin: Korrelation oder Entkopplung?
Hier liegt das eigentliche Spannungsfeld. Die 30-Tage-Korrelation zwischen Bitcoin und dem S&P 500 liegt aktuell bei 0,55 – ein hoher Wert, der bedeutet: Fällt der Aktienmarkt, fällt Bitcoin tendenziell mit.
Gleichzeitig zeigen On-Chain-Daten von CryptoQuant eine andere Dynamik. Kurzfristige Trader haben den Markt verlassen. Was bleibt, sind langfristige Halter – HODLer, die bei Panikverkäufen nicht reagieren. Das macht Bitcoin strukturell widerstandsfähiger als in früheren Zyklen, auch wenn die Kursoberfläche das kurzfristig nicht immer zeigt.
Bitcoin hat seinen Höchststand von 126.198 US-Dollar im Oktober 2025 weit hinter sich gelassen. Der aktuelle Kurs von rund 68.400 US-Dollar liegt gut 45 Prozent darunter. Der Fear & Greed Index steht bei 13 – extremer Angst-Bereich.
Institutionelle trennen Aktien und Krypto
Auffällig: Während Hedgefonds Aktien-ETFs massenweise leerverkaufen, fließt Kapital in Bitcoin-Produkte. Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten zuletzt an einem einzigen Tag Zuflüsse von 471 Millionen US-Dollar – der stärkste Wert seit Ende Februar. Börsennotierte Unternehmen halten zusammen mehr als 1,1 Millionen BTC in ihren Bilanzen.
Das zeigt: Institutionelle Investoren differenzieren. Aktien absichern, Krypto aufbauen – beide Bewegungen laufen parallel.
Einschätzung von boersen-parkett.de
Das Rekord-Shortselling bei Aktien ist kein klares Bärensignal für Bitcoin. Es ist ein Zeichen für extremes Misstrauen gegenüber traditionellen Märkten – das paradoxerweise Bitcoin als alternatives Asset stärken könnte, sobald sich die Lage stabilisiert. Kurzfristig bleibt die Korrelation ein Risiko. Mittelfristig spricht die strukturelle Entkopplung für Krypto-Investoren, die Geduld mitbringen.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
