Solana notiert am Donnerstagmorgen bei 91,25 US-Dollar und versucht damit, sich nach einem schwachen Vortag zu stabilisieren. Auf Stundensicht liegt das Plus bei 0,9 Prozent. Die fundamentale Datenlage bleibt allerdings angespannt: Das monatliche DEX-Volumen der Yakovenko-Chain ist im Verhältnis zu Ethereum auf den niedrigsten Stand seit zwölf Monaten gefallen. Aktuell verarbeitet Solana rund 94 Prozent des Ethereum-DEX-Volumens. Im Januar 2026 lag der Wert noch bei 218 Prozent. Beide Netzwerke kommen laut DeFiLlama derzeit auf etwa 45 Milliarden US-Dollar Monatsvolumen.
Der Einbruch ist Teil einer breiteren Abwärtsbewegung. Bereits im Februar 2026 war Solanas wöchentliches DEX-Volumen innerhalb von drei Wochen von 118,2 auf 44,5 Milliarden US-Dollar eingebrochen – ein Minus von 62 Prozent. Pump.fun verlor rund die Hälfte seines Volumens, Meteora 83 Prozent. Die Tagesumsätze fielen am 9. Februar zeitweise auf 112 Millionen US-Dollar – ein Niveau, das zuletzt zu Beginn des Bullenmarkts 2024 gesehen wurde.
Der Kurseinfluss ist messbar. Von 116 US-Dollar im Februar ging es zeitweise unter 85 US-Dollar, aktuell pendelt SOL um die 91-Dollar-Marke. Die täglichen aktiven Adressen sind laut Glassnode von über 9 Millionen auf 3,3 Millionen gefallen – ein 12-Monats-Tief, das spiegelbildlich zur abkühlenden Memecoin-Spekulation verläuft. Die Netzwerkeinnahmen brachen Anfang März auf 314.700 US-Dollar pro Tag ein, ein Minus von 79 Prozent.
Momentum schwächt sich ab
Auch die institutionelle Seite verliert an Schub. Die monatlichen Zuflüsse in Solana-Spot-ETFs sind sechs Monate in Folge rückläufig: von 419 Millionen US-Dollar im November 2025 über 148 (Dezember), 105 (Januar), 63 (Februar), 45 (März) bis zu rund 40 Millionen US-Dollar im April. April war damit der schwächste Monat seit Produktstart im Oktober 2025.
Strukturell bleibt Ethereum ruhiger. Höherer TVL, stärkere institutionelle Basis und ein größerer Anteil an klassischem DeFi- und Stablecoin-Handel machen das Volumen weniger anfällig für Retail-Stimmungswechsel. Solana ist umgekehrt stärker an spekulative Zyklen gekoppelt – das wirkt im Bull Market als Hebel und im Abkühl-Modus als Bremse.
Im Hintergrund laufen technische Updates weiter. Das Alpenglow-Upgrade soll die Finalität von rund 12,8 Sekunden auf etwa 150 Millisekunden senken. Der ursprünglich für H1 2026 anvisierte Mainnet-Termin wurde inzwischen auf Ende 2026 verschoben. Das nimmt einen kurzfristigen Kurskatalysator vom Tisch, ändert die langfristige Positionierung aber nicht.
Entscheidend wird in den kommenden Wochen zweierlei: Stabilisiert sich Solanas DEX-Volumen auf dem aktuellen Niveau und kommen die ETF-Zuflüsse über die April-Marke, ist eine Bodenbildung möglich. Bricht die Bitcoin-Dominanz zudem nach unten, dürfte Solana wegen seiner Retail-Basis zu den ersten Profiteuren einer Risk-on-Rotation zählen. Bis dahin bleibt die Datenlage zweischneidig: technisch schwach, fundamental aber nicht im freien Fall.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.