ARMA-Gesetz: USA wollen Bitcoin-Reserve für mindestens 20 Jahre festschreiben

Raphael Lulay

22.05.2026, 10:00 Uhr

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Die Vereinigten Staaten könnten Bitcoin schon bald per Gesetz zur dauerhaften Staatsreserve machen – vergleichbar mit den klassischen Goldbeständen. Möglich machen soll das ein neuer Gesetzentwurf mit dem Kürzel ARMA. Eingebracht wurde er am 21. Mai 2026 im US-Repräsentantenhaus, getragen von einem Republikaner und einem Demokraten gemeinsam. Der Kern: Der amerikanische Staat soll seine digitalen Münzen künftig behalten und langfristig sichern, statt sie nach und nach zu verkaufen.

Um die Tragweite zu verstehen, hilft ein Blick auf die heutige Lage. Washington sitzt bereits jetzt auf erheblichen Bitcoin-Beständen. Eingesammelt wurden diese überwiegend bei Ermittlungen gegen Kriminelle, etwa durch Beschlagnahmungen und Strafzahlungen. In der Vergangenheit landeten solche Coins oft zügig wieder auf dem Markt. Genau diese Praxis würde ARMA stoppen.

Das steckt im ARMA-Gesetz

ARMA steht für „American Reserve Modernization Act“. Vereinfacht gesagt geht es um eine Modernisierung dessen, was die USA überhaupt als Reservevermögen betrachten. Der Entwurf schafft dafür zwei getrennte Töpfe im US-Finanzministerium: eine eigene Reserve allein für Bitcoin sowie einen separaten Sammelspeicher für alle anderen Kryptowährungen in Staatsbesitz. Heute liegen diese Werte verstreut bei zahlreichen Behörden. Künftig zieht das Finanzministerium die Verwaltung an einer Stelle zusammen.

Besonders wichtig ist die Haltefrist: Einmal in die Reserve eingebuchte Bitcoin dürfen über zwei Jahrzehnte nicht angetastet werden. Damit will der Gesetzgeber sicherstellen, dass nicht schon die nächste Regierung alles wieder verkauft. Für Nachvollziehbarkeit sorgen geplante Pflichten zur Offenlegung: Alle drei Monate soll es einen öffentlichen Bestandsnachweis geben, dazu kommen externe Prüfungen und eine laufende Kontrolle durch den Kongress.

Ein weiterer Punkt richtet sich direkt an private Krypto-Nutzer. Der Entwurf hält ausdrücklich fest, dass der Staat niemandem verbieten darf, digitale Vermögenswerte zu besitzen, weiterzugeben oder selbst zu verwahren. Und für den möglichen Aufbau zusätzlicher Bestände soll zunächst untersucht werden, wie das ohne neue Steuern, ohne höhere Schulden und ohne Belastung des Haushalts gelingen kann.

Warum ein Gesetz und nicht einfach ein Erlass

Eine staatliche Bitcoin-Reserve existiert dem Grundsatz nach schon. Sie geht auf eine Anordnung des US-Präsidenten aus dem Frühjahr 2025 zurück. Ein solcher Präsidentenerlass hat allerdings eine Schwachstelle: Die nächste Regierung kann ihn mit einem Federstrich kassieren. Ein vom Kongress verabschiedetes Gesetz ist deutlich schwerer rückgängig zu machen – und genau diese Beständigkeit ist das eigentliche Ziel der Initiatoren.

Neu erfunden wurde ARMA dabei nicht. Der Entwurf ist die überarbeitete Fassung eines früheren Vorstoßes, der unter der Bezeichnung „BITCOIN Act“ lief. Die Umbenennung wurde auf einer großen Branchenkonferenz in Las Vegas angekündigt, nachdem es Gespräche mit dem zuständigen Ausschuss gegeben hatte. Hintergrund war der Wunsch, mehr Abgeordnete ins Boot zu holen. Inhaltlich kreiste schon der ursprüngliche Plan um eine markante Zahl: rund eine Million Bitcoin sollten die USA über fünf Jahre erwerben – grob fünf Prozent aller Coins, die es jemals geben wird.

Vorsicht: Das Gesetz ist nicht der gleichnamige Token

Ein Punkt, der für Anleger schnell zur Falle wird: Im Krypto-Markt gibt es einen Token, der ebenfalls „ARMA“ heißt. Mit dem Gesetzentwurf hat dieser nichts zu tun. Es handelt sich um ein von einer Online-Community gestartetes Projekt ohne jede offizielle Verbindung zur US-Regierung. Solche Token reiten gezielt auf der Aufmerksamkeit echter politischer Ereignisse mit. Wer auf eine Schlagzeile reagiert, sollte deshalb genau prüfen, was er da eigentlich kauft.

Wie es jetzt weitergeht

Entscheidend für die richtige Einordnung: ARMA ist bislang lediglich eingebracht, also noch lange kein geltendes Recht. Bis zu einer möglichen Verabschiedung müssen sowohl Repräsentantenhaus als auch Senat zustimmen. Im Senat gibt es bereits Druck, noch vor der parlamentarischen Sommerpause abzustimmen, weil danach der Wahlkampf zu den Zwischenwahlen viel Raum einnehmen wird.

Für den Bitcoin-Kurs bleibt das Vorhaben trotzdem ein Faktor. Aktuell pendelt Bitcoin um die Marke von 77.000 US-Dollar. Käme tatsächlich ein dauerhafter staatlicher Großkäufer hinzu, der jährlich sechsstellige Mengen aufnimmt, würde das frei handelbare Angebot deutlich knapper. Viele Marktbeobachter werten eine solche Verknappung langfristig als kurstreibend.

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