Die US-Spot-Bitcoin-ETFs kommen nicht aus der Defensive: Am 21. Mai 2026 verzeichneten die zwölf Fonds nach Daten des Anbieters SoSoValue Nettoabflüsse von rund 100,9 Millionen US-Dollar – der fünfte Handelstag in Folge mit roten Zahlen. Seit dem 15. Mai haben Anleger an jedem einzelnen Handelstag mehr Kapital abgezogen als zugeführt. Bitcoin notierte am Freitagvormittag bei 77.195,78 US-Dollar und damit deutlich unter der psychologisch wichtigen Marke von 80.000 US-Dollar, die zuvor wochenlang als Unterstützung gegolten hatte.
Die Abfluss-Serie summiert sich über die fünf Tage auf gut 1,4 Milliarden US-Dollar. Den Auftakt machte der 15. Mai mit minus 290,4 Millionen, gefolgt vom 18. Mai mit minus 648,6 Millionen – dem größten Einzeltagesabfluss des laufenden Monats und einem der heftigsten des gesamten Jahres 2026. Am 19. Mai folgten minus 331,1 Millionen, am 20. Mai minus 70,5 Millionen und schließlich am 21. Mai die genannten minus 100,9 Millionen. BlackRocks IBIT trug mit Abflüssen an jedem der fünf Tage die Hauptlast, am 18. Mai allein mit rund 448 Millionen US-Dollar.
CPI-Daten entfachen Inflationssorgen neu
Auslöser der Trendwende sind die Makrodaten: Heißer als erwartete April-CPI-Daten mit 3,8 Prozent im Jahresvergleich und 0,6 Prozent im Monatsvergleich haben Inflationssorgen neu entfacht und die Erwartungen an baldige Zinssenkungen der Federal Reserve gedämpft. Steigende Anleiherenditen und die schwindende Aussicht auf eine geldpolitische Lockerung haben Anleger zu einer breiten Risikoreduktion bewegt, die auch andere Risikoanlagen erfasst. Bei den Ether-ETFs hielt parallel eine eigene mehrtägige Abfluss-Serie an.
Der Rückzug beendet eine vorangegangene Erholungsphase. Die Woche bis zum 15. Mai brachte mit rund einer Milliarde US-Dollar den größten Wochenabfluss seit Ende Januar und beendete eine sechswöchige Zuflussserie. Der April war mit etwa 2 Milliarden US-Dollar Nettozufluss noch der stärkste Monat des Jahres 2026 gewesen.
Einschätzung
Ob die aktuelle Serie der Krypto-ETFs eine kurzfristige Risikoabsicherung oder eine grundlegendere Neubewertung der institutionellen Nachfrage markiert, bleibt offen. Entscheidend dürften die kommenden Inflationsdaten und die Signale der Fed sein. Solange Bitcoin die Marke von 80.000 US-Dollar nicht zurückerobert, dürfte der Druck auf die Flow-Daten anhalten.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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