Bitcoin-Langzeitinvestoren haben den Verkaufsdruck deutlich reduziert: Die Long-Term-Holder-Supply-Veränderung ist erstmals seit Monaten wieder positiv – es werden aktuell mehr Bitcoin gehalten als abgestoßen. In früheren Zyklen ging dieses Signal häufig größeren Kursanstiegen voraus.
Distribution ist vorbei – aber es wird noch nicht aktiv gekauft
Long-Term-Holder (LTH) sind Adressen, die ihre Bitcoin mindestens 155 Tage nicht bewegt haben. Noch Ende November 2025 lag der 30-Tage-Durchschnitt der LTH-Supply-Veränderung bei minus 674.000 BTC – schwere Distribution. Inzwischen hat sich die Metrik deutlich erholt und ist wieder ins Positive gedreht.
Der Haken: Dieser Anstieg spiegelt nicht zwingend frische Käufe wider. Coins, die vor rund sechs Monaten bewegt wurden, reifen automatisch in den LTH-Status hinein – vorausgesetzt, sie werden nicht erneut verkauft. Das Signal ist also kein Kaufrausch, sondern eine Verhaltensänderung: Wer Bitcoin hält, trennt sich derzeit nicht davon – selbst bei anhaltender Seitwärtsbewegung.
29 Prozent im Verlust – weit entfernt von früheren Zyklustiefs
Aktuell befinden sich rund 29 Prozent der Long-Term-Holder-Supply im Verlust. Das klingt nach viel, ist aber historisch betrachtet moderat. Bei den Zyklustiefs 2015, 2018 und 2022 lagen die Werte zwischen 44 und 53 Prozent. Der aktuelle Stand steigt zwar noch, was weiteren Abwärtsdruck nicht ausschließt – aber die Marktstruktur zeigt zunehmende Stabilisierung.
Börsenbestände schrumpfen weiter – Whales akkumulieren
Die Bitcoin-Bestände auf zentralisierten Börsen sind auf rund 2,7 Millionen BTC gefallen – der niedrigste Stand seit 2019. Während die LTH-Supply vor allem durch passives Halten wächst, zeigt sich an anderer Stelle durchaus aktive Nachfrage: Whale-Adressen mit mindestens 1.000 BTC haben in den vergangenen 30 Tagen rund 270.000 BTC akkumuliert – eine der größten monatlichen Whale-Akkumulationen der vergangenen Jahre.
Die Coins wandern in Self-Custody-Wallets, ETF-Custodians und Unternehmensbilanzen. Selbst bei fallenden Kursen fließen keine größeren Bestände zurück an die Börsen. Das reduziert die unmittelbar verfügbare Verkaufsliquidität und verschärft die Angebotsverknappung strukturell.
Schwächster Jahresstart seit 2018 – doch der April macht Hoffnung
Das erste Quartal 2026 war für Bitcoin das schwächste seit 2018. Erst im März gelang nach fünf negativen Monaten wieder ein kleines Plus. Historisch gehört der April zu den stärksten Monaten: In 10 von 15 Jahren schloss er positiv, mit einer durchschnittlichen Rendite von rund 19 Prozent.
Ob sich dieses Muster wiederholt, hängt allerdings davon ab, ob die Nachfrageseite nachzieht. Saisonale Muster allein reichen nicht – Januar und Februar 2026 haben ihre historisch positiven Trends bereits gebrochen.
Einordnung von boersen-parkett.de
Die Kombination aus positiver LTH-Supply-Veränderung, historisch niedrigen Exchange-Reserven und massiver Whale-Akkumulation bildet ein Fundament, das in früheren Zyklen Kursanstiegen vorausging. CryptoQuant-Analyst Darkfost mahnt jedoch zur Vorsicht: In Bärenmärkten können solche Signale auftreten, ohne dass daraus ein nachhaltiger Aufwärtstrend entsteht.
Die entscheidende Frage für die kommenden Wochen: Kehren die ETF-Zuflüsse zurück und ziehen institutionelle Käufer nach – oder bleibt die Nachfrage zu schwach, um das bullische On-Chain-Fundament in Kursbewegung umzusetzen?

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Seit 2018 berichtet er über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
