Justin Sun attackiert World Liberty Financial: „Eine Falle, die sich als Tür verkleidet“

Alex Merten

12.04.2026, 11:22 Uhr

,

Tron-Gründer Justin Sun hat in einem ausführlichen Statement auf X seine bislang schärfste Kritik an World Liberty Financial (WLFI) veröffentlicht. Der größte Einzelinvestor des Trump-nahen DeFi-Projekts wirft dem Team eine versteckte Blacklist-Funktion im Smart Contract vor und bezeichnet das Projekt als „Falle“.

Sun schreibt, dass im WLFI-Token-Vertrag „heimlich eine Backdoor-Blacklist-Funktion eingebaut“ worden sei. Diese verleihe dem Unternehmen die „einseitige Macht, ohne Benachrichtigung, ohne Begründung und ohne Rechtsmittel die Vermögensrechte jeglicher Token-Halter einzufrieren, einzuschränken oder sogar faktisch zu konfiszieren.“ Er bezeichnete sich selbst als „das erste und größte Opfer“ und erklärte: „Das ist das Gegenteil von Dezentralisierung.“

Der Hintergrund: Im September 2025 hatte World Liberty Financial eine mit Sun verknüpfte Wallet-Adresse auf die Blacklist gesetzt, nachdem rund 9 Millionen US-Dollar in WLFI-Token an Börsen transferiert worden waren. Betroffen sind nach Blockchain-Daten rund 545 Millionen unlocked WLFI-Token. Sun bestritt damals jeglichen Verkauf und sprach von routinemäßigen Testüberweisungen. WLFI begründete die Sperre mit dem Verdacht auf „Veruntreuung von Mitteln anderer Halter.“

Druck auf WLFI steigt

Seitdem ist die Sperre nicht aufgehoben worden. Die Verluste auf Suns eingefrorener Position belaufen sich laut Analysten auf über 70 Millionen US-Dollar, da der WLFI-Kurs seit dem Handelsstart im September 2025 massiv gefallen ist.

Suns neues Statement markiert eine deutliche Eskalation. Während er im September 2025 noch um Entsperrung bat und Kooperationsbereitschaft signalisierte, greift er das Projekt jetzt frontal an. Er delegitimiert die Governance-Abstimmungen als manipuliert: „Wichtige Informationen wurden vor den Wählern verborgen, die tatsächliche Beteiligung wurde eingeschränkt, und das Ergebnis war von vornherein festgelegt.“ Die Abstimmungen seien „nicht der Wille der Community, sondern der Wille derer, die sie gestaltet haben.“

Zudem wirft Sun dem WLFI-Team vor, die Krypto-Community als „persönlichen Geldautomaten“ zu behandeln. Er forderte: „Entsperren Sie die Tokens und wahren Sie Transparenz gegenüber der Community.“

Altcoin im Sinkflug

Das Statement fällt in eine Phase, in der World Liberty Financial ohnehin unter Druck steht. Erst am Freitag war bekannt geworden, dass das Projekt Milliarden von WLFI-Token als Sicherheit auf der Lending-Plattform Dolomite hinterlegt hat, um zweistellige Millionenbeträge in Stablecoins zu leihen – ein Vorgang, der Liquidationsängste auslöste. Dolomite-Mitgründer Corey Caplan fungiert gleichzeitig als WLFI-Berater.

Der WLFI-Token notiert aktuell bei 0,0798 US-Dollar (Stand: 12. April, 11:11 Uhr MESZ, Quelle: CoinGecko). Auf Wochensicht hat die Kryptowährung rund 17,9 Prozent verloren, auf 30-Tage-Sicht 24,5 Prozent. Gegenüber dem Ausgabepreis von 0,30 US-Dollar im Presale entspricht das einem Rückgang von über 73 Prozent.

World Liberty Financial hat sich zu Suns jüngstem Statement bislang nicht öffentlich geäußert.

Boersen-Parkett bei Google als bevorzugte Nachrichtenquelle markieren und keine Finanz- und Krypto-News mehr verpassen.