WLFI fällt auf Allzeittief – World Liberty Financial verteidigt umstrittene Kreditposition auf Dolomite

Alex Merten

11.04.2026, 07:48 Uhr

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Der Governance-Token WLFI des Trump-nahen Kryptoprojekts World Liberty Financial ist am Freitag auf ein neues Allzeittief gefallen. Der Token verlor innerhalb von 24 Stunden rund 12 Prozent und notierte damit so niedrig wie nie seit dem Launch im Jahr 2025.

Auslöser war eine Reihe von Onchain-Transaktionen, die CoinDesk öffentlich gemacht hatte: World Liberty Financial hinterlegte rund 5 Milliarden WLFI-Token auf der DeFi-Lending-Plattform Dolomite als Sicherheit, um insgesamt 75 Millionen US-Dollar in Stablecoins zu leihen – darunter den projekteigenen Stablecoin USD1.

Doppelrolle sorgt für Kritik

Das Problem: Dolomite-Mitgründer Corey Caplan ist gleichzeitig Berater von World Liberty Financial. Die WLFI-Position macht mittlerweile rund 55 Prozent der gesamten auf Dolomite hinterlegten Liquidität aus. Kritiker sprechen von zirkulärer Token-Ökonomie – das Projekt nutzt seinen eigenen Governance-Token, um seinen eigenen Stablecoin von einer Plattform zu leihen, die von einem eigenen Berater mitgegründet wurde.

Onchain-Daten zeigen zudem, dass World Liberty Financial über 40 Millionen Dollar der geliehenen Stablecoins an Coinbase Prime transferiert hat – eine Plattform, die typischerweise für institutionellen OTC-Handel oder den Tausch in Fiat-Währungen genutzt wird.

World Liberty Financial versuchte, die Bedenken auf X als „FUD“ abzutun. Das Team erklärte, man sei „nowhere near liquidation“ und würde im Ernstfall einfach weitere Sicherheiten nachschießen. Zudem bezeichnete sich das Projekt als „Anchor Borrower“, der anderen Nutzern attraktive Renditen ermögliche.

Analysten sehen das anders: Durch die geringe Markttiefe des WLFI-Tokens würde eine erzwungene Liquidation den Kurs weiter abstürzen lassen und Dolomite mit uneinbringlichen Forderungen belasten. Gleichzeitig sind bestehende USD1-Einleger praktisch eingesperrt, weil der Lending-Pool fast vollständig ausgeschöpft ist.

Die Marktkapitalisierung von WLFI schrumpfte um rund 427 Millionen Dollar auf etwa 2,58 Milliarden. Die eigenen Treasury-Buybacks des Projekts – rund 435 Millionen WLFI zu einem Durchschnittspreis von 0,1507 Dollar – sind mittlerweile deutlich unter Wasser.

Zusätzlich kündigte World Liberty Financial an, in Kürze einen Governance-Vorschlag zur Freigabe bisher gesperrter WLFI-Token zu veröffentlichen. Aktuell sind rund 75 Prozent des Token-Angebots nicht handelbar. Das Team betonte, es gehe um einen langfristigen Vesting-Plan – keine sofortige Freigabe aller Token.

Einordnung von boersen-parkett.de

Was hier passiert, ist ein Lehrstück dafür, warum DeFi ohne klare Governance-Standards zum Problem wird. World Liberty Financial leiht sich mit dem eigenen Token Geld von einer Plattform, die vom eigenen Berater mitgegründet wurde – und schöpft dabei den Lending-Pool so weit aus, dass andere Nutzer nicht mehr abziehen können. In der traditionellen Finanzwelt würde ein solches Related-Party-Geschäft strenge Offenlegungspflichten und unabhängige Genehmigungen erfordern. Im DeFi-Bereich fehlen diese Leitplanken weitgehend.

Für Anleger, die über Krypto-Investments nachdenken, unterstreicht der Fall zwei Dinge: Erstens, dass ein prominenter Name allein kein Qualitätsmerkmal ist – weder bei Memecoins noch bei Governance-Token. Zweitens, dass die Risiken bei dünn gehandelten Token mit konzentriertem Besitz besonders hoch sind. Wer in diesem Markt aktiv ist, sollte vor allem auf Onchain-Transparenz, Liquidität und die Frage achten, wer tatsächlich von der Tokenstruktur profitiert.

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