Die Ethereum-Treasury Bitmine Immersion Technologies (NYSE: BMNR) hat mit ihrem jüngsten Kauf eine symbolische Schwelle durchbrochen, die in der Krypto-Branche bislang keinem Unternehmen gelang: Mit 5.078.386 ETH hält der Konzern unter Vorsitz von Fundstrat-Chefstratege Tom Lee nun 4,21 Prozent des gesamten Ethereum-Umlaufangebots von 120,7 Millionen Coins. Lee hat dieses Ziel mit dem Slogan „Alchemy of 5%“ zur strategischen Marschroute erhoben – zur angepeilten Marke fehlen Bitmine nach eigener Rechnung nur noch 16 Prozent.
Allein in der Berichtswoche stockte das Unternehmen seine Reserve um 101.901 Coins auf, was einem Volumen von rund 236 Millionen US-Dollar entspricht. Es ist die größte Wochenakkumulation seit Mitte Dezember 2025. Bitmine hat damit über vier Wochen in Folge das Tempo erhöht, während die Mehrzahl anderer Krypto-Treasuries in der laufenden Marktschwäche zurückhaltend agiert. Insgesamt verfügt der Konzern über Krypto-, Cash- und Beteiligungspositionen im Wert von 13,3 Milliarden US-Dollar – darunter 940 Millionen US-Dollar Liquidität, 200 Bitcoin sowie strategische Stakes an Beast Industries (200 Millionen US-Dollar) und Eightco Holdings (91 Millionen US-Dollar). Den 5-Millionen-Meilenstein erreichte Bitmine in nur zehn Monaten, nachdem sich der Konzern im Juni 2025 vom reinen Bitcoin-Miner zur digitalen Asset-Treasury umgebaut hatte.
Lees ungewöhnliche ETH-These
Die Begründung für die aggressive Akkumulation lieferte Lee in einem Statement, das in der Branche für Diskussionen sorgt. Seit Beginn der US-israelischen Militärschläge gegen den Iran am 28. Februar 2026 habe Ethereum den S&P 500 deutlich hinter sich gelassen – ein Verhalten, das Lee als Beleg dafür anführt, dass sich der traditionell als hochvolatiler Risiko-Asset wahrgenommene Coin in Krisenzeiten besser schlage als der breite Aktienmarkt. Auch gegenüber Gold, Real Estate und großen Tech-Werten habe ETH seit Konfliktbeginn outperformt, so der Fundstrat-Chef unter Verweis auf eine aktuelle Etherealize-Studie. „Es hat eine erhebliche Bedeutung, dass ETH der beste ‚Kriegszeit-Wertspeicher‘ ist“, sagte Lee.
Dass diese These auf den ersten Blick überrascht, liegt am Gesamtkontext: Ethereum hat seit dem zyklischen Hoch im Januar 2026 deutlich an Wert eingebüßt. Die Outperformance bezieht sich also nicht auf absolute Kursgewinne, sondern auf den relativen Vergleich zu einem zwischenzeitlich ebenfalls schwächelnden Aktienmarkt. Lee selbst spricht denn auch davon, dass sich der Krypto-Markt in den „letzten Phasen eines Mini-Krypto-Winters“ befinde.
Staking als Renditemotor: 264 Millionen US-Dollar pro Jahr
Bitmine lässt seine ETH-Bestände nicht passiv liegen. Rund 3,7 Millionen Coins – etwa 73 Prozent der Holdings – sind über die im März 2026 gestartete Staking-Plattform MAVAN (Made in America Validator Network) im Einsatz und generieren beim aktuellen 7-Tage-Yield von 3,033 Prozent annualisierte Staking-Erträge von 264 Millionen US-Dollar. Bei vollständiger Verstakung der gesamten Bestände prognostiziert das Unternehmen Einnahmen von bis zu 363 Millionen US-Dollar jährlich. MAVAN soll perspektivisch auch institutionellen Drittkunden zur Verfügung stehen. Anfang April hatte Bitmine sein Listing zudem von der NYSE American auf die Hauptplattform NYSE hochgezogen.
Was das für ETH-Investoren bedeutet
Für Anleger relevant ist weniger Lees rhetorische Kriegszeit-Metapher als das strukturelle Bild dahinter: Mit Bitmine, BlackRocks Staked-Ethereum-ETF und der wachsenden Tokenisierungs-Pipeline auf Ethereum entsteht eine institutionelle Nachfrageschicht, die in der Form vor zwei Jahren noch nicht existierte. Wer jetzt einsteigt, sollte aber im Hinterkopf behalten, dass der laufende Mini-Bear-Markt noch nicht offiziell beendet ist – und dass eine Trendwende stark vom Verlauf der geopolitischen Lage und der Fed-Politik abhängt.
Einschätzung
Tom Lees Wartime-Store-of-Value-These ist marketingstark, aber empirisch dünn: Wenige Wochen relative Outperformance gegenüber dem S&P 500 reichen nicht aus, um eine neue Asset-Klassifizierung zu rechtfertigen – zumal ETH im Gesamtjahr deutlich im Minus liegt. Was die Geschichte trotzdem interessant macht, ist die institutionelle Akkumulationsdynamik dahinter. Bitmine kauft konsequent in der Schwächephase, was für langfristig orientierte Investoren ein bemerkenswertes Signal sein kann. Die Zielgruppe für ETH-Investments bleibt: risikobereite Anleger mit mehrjährigem Horizont, die bereit sind, zwischenzeitliche Drawdowns auszuhalten. Wer kurzfristig auf einen geopolitisch getriebenen Safe-Haven-Trade setzen will, ist mit klassischen Werten wie Gold oder kurzlaufenden Staatsanleihen besser bedient.
Hier geht es zu unserer Ethereum Prognose.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]