Krypto-Privatanleger ohne Zuversicht: Suchinteresse auf 5-Jahres-Tief, nur 3 % erwarten neues Bitcoin-Allzeithoch – alarmierendes Handelsverhalten von Retails (Infografik)

Raphael Lulay

27.04.2026, 11:21 Uhr

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Die aktuelle Datenlage zeichnet ein ungewohnt klares Bild: Während sich der Kryptomarkt strukturell weiterentwickelt, bleibt das Interesse vieler Privatanleger auffällig schwach. Wie eine neue Infografik von boersen-parkett.de zeigt, fällt das Suchverhalten in Deutschland auf ein Niveau zurück, das zuletzt vor Jahren beobachtet wurde – ein Signal, das historisch oft mit Wendepunkten korreliert hat.

Das relative Google-Suchvolumen für zentrale Einstiegsbegriffe ist zuletzt deutlich eingebrochen. Der Trend-Score für „Bitcoin kaufen“ liegt aktuell nur noch bei 19 von 100 und markiert damit ein 5-Jahres-Tief. Noch extremer fällt der Rückgang bei „Ripple kaufen“ aus, wo der Wert bei lediglich 2 von 100 liegt – ebenfalls ein Tiefpunkt über den gesamten Betrachtungszeitraum. Auch Suchanfragen zeigen eine klare Abschwächung.

Die Grafik zeigt das Google-Suchvolumen für "Bitcoin kaufen", "Krypto kaufen", "Ripple kaufen" und "Ethereum kaufen" in Deutschland im 5-Jahres-Rückblick.
Google-Suchvolumen (Trend-Score) für die genannten Suchbegriffe. 5-Jahres-Auswertung. Quelle: trends.google.de. Darstellung von boersen-parkett.de. Nutzung frei bei Quellenangabe und Verlinkung.

Parallel dazu offenbart eine internationale Verbraucherumfrage der Deutschen Bank eine ausgeprägte Skepsis unter Privatanlegern. 13 % der Befragten erwarten, dass der Bitcoin-Kurs bis Ende 2026 unter 20.000 US-Dollar fällt. Noch bemerkenswerter: Nur 3 % rechnen überhaupt mit einer Rückkehr zum Allzeithoch, das erst im vergangenen Jahr erreicht wurde. Selten fiel die Krypto Prognose der Privatanleger düsterer aus.

Bitcoin Prognose von Verbrauchern – Mehrheit erwartet düsteres Szenario 2026.
Krypto-Verbraucherumfrage: Bitcoin-Prognose für Ende 2026. Quelle: Coindesk; Deutsche Bank. Darstellung von boersen-parkett.de. Nutzung frei bei Quellenangabe und Verlinkung.

Gerade in dieser Kombination aus schwachem Interesse und pessimistischen Erwartungen liegt aus Marktsicht eine potenziell bullishe Konstellation. Wie aus den zugrunde liegenden Daten hervorgeht, agieren viele Privatanleger prozyklisch: 64 % geben an, erst nach starken Kursanstiegen zu kaufen. Lediglich 23 % nutzen gezielt Rücksetzer für Einstiege, während der Rest kein klares Muster erkennen lässt. Dieses Verhalten deutet darauf hin, dass steigende Märkte oft zusätzliche Nachfrage auslösen – allerdings mit Verzögerung.

Krypto-Privatanleger häufig mit katastrophalem Timing: 64 % kaufen Kryptowährungen erst nach starken Kursanstiegen
Mehrheit der Krypto-Privatanleger mit ungünstigem Timing. Quelle: Traders Union. Darstellung von boersen-parkett.de. Nutzung frei bei Quellenangabe und Verlinkung.

Ein weiterer zentraler Punkt betrifft die Entscheidungsgrundlage vieler Retail-Investoren. Soziale Medien stellen mit Abstand den wichtigsten Einflussfaktor dar, während lediglich 14 % der Befragten fundamentale Analysen als primäre Entscheidungsbasis nutzen. Die Informationsverarbeitung erfolgt damit häufig nicht datengetrieben, sondern stimmungsgetrieben – ein Muster, das die Volatilität zusätzlich verstärken kann.

Krypto-Privatanleger handeln vor allem auf Signale von Social Media – das kann sich als teuer erweisen. Studie.
Die Mehrheit der Krypto-Privatanleger folgen Empfehlungen auf Social Media. Quelle: Traders Union. Darstellung von boersen-parkett.de. Nutzung frei bei Quellenangabe und Verlinkung.

Besonders deutlich wird dieses Verhalten bei Marktrückgängen. 49 % der Privatanleger geben an, in solchen Phasen zu verkaufen. In Kombination mit den zuvor genannten Einstiegsmustern ergibt sich ein wiederkehrendes Bild: Käufe erfolgen oft nach Kursanstiegen, Verkäufe hingegen während Rücksetzern.