Kryptomarkt unter Druck: Extreme Furcht, schwache ETF-Flows und Rezessionssorgen belasten Bitcoin

Raphael Lulay

17.02.2026, 11:26 Uhr

Der Kryptomarkt zeigt sich zur Wochenmitte weiter angeschlagen. Die gesamte Marktkapitalisierung aller digitalen Vermögenswerte ist innerhalb von 24 Stunden um 0,6 Prozent gesunken. Bitcoin verliert im gleichen Zeitraum 1,1 Prozent und notiert bei 68.124 US-Dollar. Damit bleibt die Leitwährung klar unterhalb jüngerer Verlaufshochs, ohne dass bislang eine stabile Gegenbewegung einsetzt.

Die Marktstimmung ist weiter angeschlagen. Der von alternative.me berechnete Fear & Greed Index ist auf 10 Punkte gefallen und signalisiert damit „Extreme Furcht“. Werte in diesem Bereich markieren historisch Phasen ausgeprägter Risikoaversion, in denen Marktteilnehmer Kapital abziehen oder an der Seitenlinie verharren.

Bildquelle: alternative.me

Zum Vergleich: Ein von CNN erhobener Aktienmarkt-Stimmungsindex liegt bei 35 Punkten und damit ebenfalls im ängstlichen Bereich, jedoch deutlich über dem Kryptosentiment. Die Diskrepanz unterstreicht, dass digitale Assets derzeit sensibler auf Unsicherheiten reagieren als die Aktienmärkte.

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Ein Blick auf die Kapitalströme in börsengehandelte Bitcoin-Produkte liefert indes ein gemischtes Bild. Am 13. Februar verzeichneten die Bitcoin-ETFs Nettozuflüsse von 15,1 Millionen US-Dollar. Diese Summe wirkt jedoch relativ gering, wenn man sie in Relation zu den massiven Abflüssen der Vortage setzt. Zwei Tage zuvor summierten sich die Mittelabzüge auf 410,2 Millionen US-Dollar sowie weitere 276,3 Millionen US-Dollar. Die jüngsten Zuflüsse erscheinen damit eher als technische Gegenbewegung denn als Trendwende. Für institutionelle Investoren ist entscheidend, ob sich eine stabile Nachfragebasis etabliert oder ob die Produkte weiter unter hohen Schwankungen der Kapitalflüsse leiden.

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Düstere Bitcoin Prognose

Zusätzlichen Druck erzeugen warnende Stimmen aus dem makroökonomischen Umfeld. Mike McGlone, Senior Commodity Strategist bei Bloomberg Intelligence, hatte am Sonntagabend darauf hingewiesen, dass Bitcoin im Extremfall auf 10.000 US-Dollar fallen könnte und damit womöglich eine kommende US-Rezession vorwegnehmen würde. Zugleich stellte er die seit 2008 dominante „Buy the Dip“-Mentalität infrage, die Risikoanlagen über Jahre hinweg gestützt hat. Sollte dieses Muster tatsächlich an Wirkung verlieren, würde dies nicht nur Kryptowährungen betreffen, sondern auch andere spekulative Anlageklassen. Über genannte Bitcoin Prognose wird aktuell kontrovers diskutiert.

Für Anleger ergibt sich daraus ein anspruchsvolles Umfeld. Einerseits signalisiert extreme Furcht historisch oft überverkaufte Marktsituationen, die mittelfristig Chancen eröffnen können. Andererseits sind schwache ETF-Zuflüsse und deutliche Kapitalabflüsse ein Indiz dafür, dass größere Marktteilnehmer derzeit Zurückhaltung üben. Solange sich weder bei den Kapitalströmen noch im Sentiment eine nachhaltige Stabilisierung zeigt, dürfte Bitcoin anfällig für weitere Rücksetzer bleiben.

Entscheidend wird sein, ob die Marke um 68.000 US-Dollar als kurzfristige Unterstützungszone verteidigt werden kann. Gelingt dies nicht, könnte sich die Risikoaversion weiter verstärken. Für strategisch orientierte Investoren bleibt damit vorerst die Abwägung zwischen antizyklischem Einstieg und konsequentem Risikomanagement im Vordergrund.

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