Drei Stichtage prägen die zweite Maiwoche 2026. Am 13. Mai aktiviert Base sein Azul-Upgrade auf dem Mainnet. Am 15. Mai endet Jerome Powells Amtszeit als Fed-Chef. Am 24. Mai tritt das EU-Krypto-Verbot gegen Russland in Kraft. Bitcoin notiert zum Wochenstart bei rund 80.800 US-Dollar.
Warsh übernimmt: Senate-Vote diese Woche
Kevin Warsh ist Trumps Nachfolger für Jerome Powell. Der frühere Fed-Gouverneur hat in der vergangenen Woche die Hürde im Senate Banking Committee mit 13 zu 11 Stimmen genommen. Das Plenum stimmt voraussichtlich diese Woche ab. Warsh soll vor dem 15. Mai vereidigt werden, dem Tag, an dem Powells Amtszeit als Vorsitzender endet.
Powell selbst bleibt im Amt – allerdings nur noch als Governor. Das hat er Ende April erklärt. Begründung: Er wolle die laufenden juristischen Angriffe auf die Fed nicht im Schatten zurücklassen. Die DOJ-Ermittlung gegen ihn wegen der Sanierungskosten des Fed-Hauptquartiers hat US-Anwältin Jeanine Pirro vergangene Woche fallengelassen und an den Fed-Inspector-General übergeben. Damit war der politische Pfropfen für Warshs Bestätigung gezogen.
Für den Kryptomarkt zählt die geldpolitische Linie. Warsh gilt als Verfechter aggressiverer Zinssenkungen. Die laufende Fed-Sitzung Ende April endete bereits mit einem gespaltenen 8-zu-4-Votum – ein Hinweis, dass der dovish-Flügel an Boden gewinnt. Für Bitcoin und Risikoanlagen wäre ein dovish-orientierter Chef historisch ein Rückenwind.
EU-Krypto-Verbot: 13 Tage bis zum Stichtag
Am 23. April hat der EU-Rat das 20. Sanktionspaket gegen Russland verabschiedet. Die für DACH-Anleger relevante Frist läuft am 24. Mai ab. Ab diesem Datum dürfen EU-Bürger keine Transaktionen mehr mit Krypto-Dienstleistern in Russland oder Belarus durchführen. Der rubelgebundene Stablecoin RUBx und der digitale Rubel sind im Binnenmarkt verboten.
Neu ist die Logik. Brüssel verlässt das Listing einzelner Plattformen und sanktioniert sektorweit. Erstmals greift die EU dabei auch auf einen Drittstaat durch: Die kirgisische Börse TengriCoin, mutmaßliche Drehscheibe des A7A5-Stablecoins, steht ebenfalls auf der Liste. Chainalysis nennt das Paket einen Wendepunkt der Sanktionsarchitektur. Allein das A7-Ökosystem soll laut der Blockchain-Analysefirma binnen weniger als einem Jahr 93,3 Milliarden US-Dollar abgewickelt haben.
Für deutsche und österreichische Anleger heißt das praktisch: MiCA-lizenzierte Plattformen müssen ihre Listings vor dem 24. Mai bereinigen. Wer rubelgekoppelte Assets hält, hat noch knapp zwei Wochen, um Positionen zu schließen.
Base aktiviert Azul am 13. Mai
Die Ethereum-Layer-2 Base, betrieben von Coinbase, schaltet am 13. Mai ihr Azul-Upgrade auf dem Mainnet scharf. Es ist das erste eigenständige Upgrade, seit Base seinen Tech-Stack aus dem OP-Verbund herausgelöst hat. Kern der Änderung ist ein Multiproof-System aus TEE- und Zero-Knowledge-Proofs, das die Withdrawal-Finalität von Base nach Ethereum auf rund einen Tag verkürzt. Im Testnet sank die Quote leerer Blöcke um 99 Prozent, bei Spitzen-Durchsätzen von 5.000 Transaktionen pro Sekunde.
Base ist gemessen am Total Value Locked mit 4,4 Milliarden US-Dollar eine der größten L2-Lösungen. Das Upgrade ist damit weniger Hype als Infrastrukturarbeit – aber ein relevanter Marker für die Wettbewerbsfähigkeit der Coinbase-Kette im L2-Rennen mit Arbitrum und Optimism.
ETF-Woche: Plus, aber das Sentiment dreht
Die US-Spot-Bitcoin-ETFs schlossen die Handelswoche vom 4. bis 8. Mai mit einem Nettozufluss von rund 631,6 Millionen US-Dollar ab. Das ist auf den ersten Blick stark – auf den zweiten Blick weniger.
Die ersten drei Handelstage waren grün, mit zwei Plus-Tagen über 460 Millionen Dollar und IBIT von BlackRock sowie FBTC von Fidelity als Treibern. Donnerstag und Freitag drehte das Bild: Beide Tage rot, in Summe rund 414 Millionen Dollar Abflüsse. Verkauft wurde dabei vor allem dort, wo zuvor gekauft worden war – BlackRock und Fidelity standen am Wochenende auf der Verkäuferseite, GBTC von Grayscale steuerte den strukturellen Wochenabfluss bei.
Das Muster ist ein Sentiment-Indikator. Wer Anfang Mai noch Risiko aufnehmen wollte, hatte Donnerstag offensichtlich genug. Plausible Trigger: die offene Fed-Personalie und die EU-Frist. Zum Vergleich: Im April flossen netto noch knapp 2 Milliarden Dollar in die Produkte. Die Bremsspur zum Wochenschluss steht dazu im Kontrast.
Was Anleger im Blick behalten sollten
Drei Termine, drei Wirkungen. Base Azul am 13. Mai ist die technische Story – Ethereum-Ökosystem-Token könnten reagieren. Der Warsh-Wechsel am 15. Mai entscheidet das makroökonomische Narrativ für das Halbjahr. Die EU-Frist am 24. Mai zwingt MiCA-Plattformen zu Compliance-Schritten und beseitigt die Liquidität für rubelgekoppelte Assets im Binnenmarkt.
Saisonal spricht der Mai historisch eher für Bitcoin – die Median-Rendite liegt im positiven Bereich. Ob das Muster diesmal trägt, hängt nach Lage der ETF-Flows wesentlich an der Fed-Personalie und der Reaktion des Marktes auf Warshs erste Auftritte.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]