Die großen Krypto-Hacks, Pleiten und Betrugsfälle seit 2011 – chronologisch dokumentiert, mit Schadenssummen, Tätern, Urteilen und dem aktuellen Stand der Gläubiger-Rückzahlungen. Von Mt. Gox über FTX und Terra bis zum Bybit-Rekordraub und den Fällen des laufenden Jahres. Als dauerhafte Referenz angelegt und nach jedem größeren Vorfall ergänzt.
Stand: 24. Juli 2026 · Schadenssummen zum jeweiligen Tatzeitpunkt, gerundet · Aktualisierung nach jedem größeren Vorfall
- Die größten Krypto-Hacks aller Zeiten
- Bybit 2025: Der Rekordraub im Detail
- Krypto-Hacks 2026: Zwischenbilanz zur Jahresmitte
- Chronik der großen Pleiten & Betrugsfälle
- Was wurde aus dem Geld? Urteile & Rückzahlungen
- Nordkorea: Der staatliche Großtäter
- Die Fälle mit Deutschland-Bezug
- Muster & Lehren aus 15 Jahren
- Methodik, Quellen & Aktualisierung
- Häufige Fragen (FAQ)
- Der Bybit-Hack vom Februar 2025 (rund 1,5 Milliarden US-Dollar) ist der größte Krypto-Diebstahl der Geschichte – verübt von Nordkoreas Lazarus-Gruppe.
- 2025 war das schlimmste Hack-Jahr aller Zeiten: rund 3,4 Milliarden US-Dollar gestohlen, wobei allein die drei größten Angriffe 69 Prozent der Verluste ausmachten.
- 2026 verläuft anders: Im ersten Halbjahr wurden zwar mehr Angriffe gezählt als im Vorjahreszeitraum, aber deutlich geringere Summen erbeutet – dominiert von den beiden April-Hacks bei Kelp DAO (ca. 293 Mio. $) und Drift Protocol (ca. 285 Mio. $).
- Nordkoreanische Staatshacker haben kumuliert rund 6,75 Milliarden US-Dollar erbeutet – und stehen auch 2026 hinter dem Großteil der Beute.
- Die größten Verluste entstanden allerdings nicht durch Hacks, sondern durch Pleiten und Betrug: Der Terra-Kollaps vernichtete rund 40 Milliarden US-Dollar, bei FTX fehlten rund 8 Milliarden an Kundengeldern.
- Es gibt auch die andere Seite: FTX-Gläubiger haben inzwischen rund 10,9 Milliarden US-Dollar zurückerhalten – je nach Forderungsklasse bis zu 120 Prozent des Nominalwerts, allerdings auf Basis der Kurse von 2022.
Die größten Krypto-Hacks aller Zeiten
Seit dem ersten großen Einbruch bei Mt. Gox hat sich die Anatomie von Krypto-Hacks mehrfach gewandelt: von gestohlenen Börsen-Wallets (2011 bis 2018) über die Bridge-Exploits der DeFi-Ära (2021/2022) bis zu den heutigen Angriffen, die kaum noch Code knacken, sondern Menschen – über kompromittierte Zugänge, Social Engineering und manipulierte Signier-Prozesse. Die Tabelle führt die größten dokumentierten Diebstähle, bewertet zum jeweiligen Tatzeitpunkt:
| Ziel | Zeitpunkt | Schaden (zum Tatzeitpunkt) | Täter / Methode | Status |
|---|---|---|---|---|
| Bybit (Börse) | Feb. 2025 | ca. 1,5 Mrd. $ | Lazarus (Nordkorea); manipulierter Signier-Prozess | Größter Krypto-Raub aller Zeiten; Beute größtenteils gewaschen |
| Ronin Network (Axie Infinity) | März 2022 | ca. 625 Mio. $ | Lazarus; kompromittierte Validator-Schlüssel | Teil der Beute durch US-Behörden eingefroren |
| Poly Network (DeFi) | Aug. 2021 | ca. 611 Mio. $ | Einzeltäter; Smart-Contract-Exploit | Kurios: Beute fast vollständig zurückgegeben |
| Binance (BNB Bridge) | Okt. 2022 | ca. 570 Mio. $ | Bridge-Exploit | Großteil durch Chain-Stopp eingefroren |
| Coincheck (Börse, Japan) | Jan. 2018 | ca. 534 Mio. $ | Hot-Wallet-Kompromittierung (NEM) | Kunden von Coincheck entschädigt |
| FTX (während des Kollapses) | Nov. 2022 | ca. 477 Mio. $ | Unautorisierte Abflüsse in der Insolvenznacht | Teilweise zurückverfolgt |
| Wormhole (Bridge) | Feb. 2022 | ca. 326 Mio. $ | Signatur-Exploit | Verlust vom Investor Jump Crypto gedeckt |
| DMM Bitcoin (Börse, Japan) | Mai 2024 | ca. 305 Mio. $ | Lazarus | Börse stellte Betrieb ein |
| Kelp DAO (DeFi, Restaking) | April 2026 | ca. 293 Mio. $ (116.500 rsETH) | Supply-Chain-Angriff auf LayerZero-Bridge | Größter DeFi-Hack 2026; Folgeprobleme bei Aave-Bad-Debt |
| Drift Protocol (DeFi, Solana) | April 2026 | ca. 285 Mio. $ | Nordkorea-Verdacht; kompromittierter Admin-Key + Oracle-Manipulation | Zweitgrößter Solana-Vorfall; Recovery-Plan mit Kompensationstoken |
| KuCoin (Börse) | Sept. 2020 | ca. 281 Mio. $ | Lazarus; gestohlene Private Keys | Großteil zurückgeholt, Kunden entschädigt |
| WazirX (Börse, Indien) | Juli 2024 | ca. 235 Mio. $ | Lazarus; Multisig-Kompromittierung | Gläubigerverfahren läuft |
| Cetus (DeFi, Sui) | Mai 2025 | ca. 223 Mio. $ | Smart-Contract-Exploit | Teil der Beute eingefroren |
| Euler Finance (DeFi) | März 2023 | ca. 197 Mio. $ | Flashloan-Exploit | Beute größtenteils zurückgegeben |
| Nomad (Bridge) | Aug. 2022 | ca. 190 Mio. $ | Bug, ausgenutzt von hunderten Adressen | Nur kleiner Teil zurückgegeben |
| Balancer (DeFi) | Nov. 2025 | ca. 128 Mio. $ | Protokoll-Exploit | Untersuchung läuft |
| Bitfinex (Börse) | Aug. 2016 | 119.756 BTC (damals ca. 72 Mio. $) | Wallet-Kompromittierung | 2022 aufgeklärt: Rekord-Beschlagnahmung von 3,6 Mrd. $ |
| The DAO (Ethereum) | Juni 2016 | 3,6 Mio. ETH (damals ca. 60 Mio. $) | Smart-Contract-Exploit | Führte zum Ethereum-Hard-Fork (Entstehung von ETC) |
| Mt. Gox (Börse, Japan) | 2011–2014 | ca. 850.000 BTC (damals ca. 460 Mio. $) | Jahrelange Wallet-Kompromittierung | Insolvenz 2014; Rückzahlungen seit 2024 |
Schadenssummen zum Kurszeitpunkt des Vorfalls, gerundet; in heutigen Kursen lägen viele Beträge um ein Vielfaches höher (die 850.000 Mt.-Gox-BTC entsprächen heute einem zweistelligen Milliardenbetrag). Auswahl: dokumentierte Diebstähle ab ca. 100 Mio. US-Dollar plus historisch prägende Fälle. Quellen: Chainalysis, TRM Labs, Elliptic, Gerichtsdokumente, Unternehmensmitteilungen.
Bybit 2025: Der Rekordraub im Detail
Der Angriff auf Bybit im Februar 2025 markiert eine Zäsur – nicht nur wegen der Summe von rund 1,5 Milliarden US-Dollar in Ether, sondern wegen der Methode. Die Angreifer knackten keinen Smart Contract und keine Blockchain: Sie kompromittierten den Signier-Prozess einer Routineüberweisung aus der Cold Wallet, sodass die Verantwortlichen eine manipulierte Transaktion freigaben, die legitim aussah. Chainalysis ordnet den Fall technisch als Kompromittierung privater Schlüssel ein – und als Beleg für die fundamentale Schwachstelle zentralisierter Plattformen: Solche Vorfälle sind selten, aber wegen der konzentrierten Volumina katastrophal. Allein der Bybit-Hack stand für rund 69 Prozent aller Dienste-Verluste des Jahres 2025.
Bemerkenswert war auch die Reaktion: Bybit blieb zahlungsfähig, bediente alle Auszahlungen und schloss die Lücke binnen Tagen über Brückenfinanzierungen – ein Kontrast zu den Pleiten von 2022, bei denen fehlende Reserven die Insolvenz auslösten. Die Beute schreibt das FBI der nordkoreanischen Lazarus-Gruppe zu; ein Großteil gilt trotz internationaler Nachverfolgung als gewaschen.
Krypto-Hacks 2026: Zwischenbilanz zur Jahresmitte
Das laufende Jahr verläuft anders als 2025 – und das ist die wichtigste Beobachtung für Anleger. Die Zahl der Vorfälle stieg im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum, die erbeuteten Summen fielen dagegen deutlich niedriger aus. Statt eines einzelnen Mega-Raubs wie bei Bybit dominierten viele kleine und mittlere Exploits. Der April 2026 war nach Zählung von DeFi Llama der Monat mit den meisten dokumentierten Angriffen in der Krypto-Geschichte: über 20 Vorfälle innerhalb weniger Wochen.
Zwei Fälle prägen die Statistik. Bei Kelp DAO drangen Angreifer am 18./19. April über einen Supply-Chain-Angriff auf die LayerZero-Bridge des Restaking-Protokolls ein und entwendeten 116.500 rsETH im Wert von rund 293 Millionen US-Dollar – bis heute der größte DeFi-Hack des Jahres, mit Folgeproblemen bei Aave, wo über die betroffenen Sicherheiten Bad Debt entstand. Zwei Wochen zuvor traf es Drift Protocol auf Solana: Am 1. April verschaffte sich ein Angreifer über einen kompromittierten Admin-Key Zugriff, listete einen selbst erzeugten Token als Sicherheit, manipulierte den Preis-Oracle und leerte in gut zwölf Minuten die Vaults – rund 285 Millionen US-Dollar. TRM Labs und Elliptic ordnen den Angriff nordkoreanischen Akteuren zu; die Vorbereitung lief laut Drift über etwa sechs Monate. Auffällig auch hier: kein klassischer Code-Bug, sondern privilegierter Zugang plus Social Engineering. Beide Protokolle hatten Sicherheitsaudits bestanden.
Drittes Muster des Jahres: Oracle-Manipulation. Neben Drift traf es unter anderem Blend Pools V2, Aave V3 und mehrere kleinere Protokolle über fehlerhafte Preisdaten. Parallel professionalisieren sich Betrugsmaschen mit KI-generierten Videos und Stimmen, die für KYC-Umgehungen und Vorstands-Imitationen eingesetzt werden.
Chronik der großen Pleiten & Betrugsfälle
Gemessen am Schaden für Anleger waren nicht Hacker das größte Risiko der Krypto-Geschichte, sondern Geschäftsmodelle: Schneeballsysteme, veruntreute Kundengelder und Konstruktionen, die nur in steigenden Märkten funktionierten. Der Kollaps des Terra-Ökosystems im Mai 2022 vernichtete allein rund 40 Milliarden US-Dollar und riss in einer Kettenreaktion Three Arrows Capital, Celsius und Voyager mit – und bereitete den Boden für den FTX-Zusammenbruch im November desselben Jahres.
| Fall | Kollaps | Schaden / Forderungen | Art | Stand heute |
|---|---|---|---|---|
| FTX (Börse) | Nov. 2022 | ca. 8 Mrd. $ Lücke bei Kundengeldern | Veruntreuung | SBF: 25 Jahre Haft (Berufung läuft); Rückzahlungen laufen (s. unten) |
| Terra / Luna (UST) | Mai 2022 | ca. 40 Mrd. $ vernichtet | Kollaps eines algorithmischen Stablecoins | Do Kwon ausgeliefert, schuldig bekannt |
| Celsius (Lending) | Juli 2022 | ca. 4,7 Mrd. $ Kundenforderungen | Insolvenz / Betrug | Gründer Mashinsky: 12 Jahre Haft (2025) |
| Three Arrows Capital | Juni 2022 | ca. 3,5 Mrd. $ Forderungen | Hedgefonds-Kollaps | Liquidation läuft; Gründer mit Auflagen belegt |
| Voyager Digital | Juli 2022 | ca. 1,3 Mrd. $ | Insolvenz (Terra/3AC-Folge) | Teilrückzahlungen erfolgt |
| BlockFi (Lending) | Nov. 2022 | ca. 1 Mrd. $ Forderungen | Insolvenz (FTX-Folge) | Verfahren weitgehend abgeschlossen |
| Mt. Gox (Börse) | Feb. 2014 | ca. 850.000 BTC | Hack + Insolvenz | Rückzahlungen seit Juli 2024 (s. unten) |
| OneCoin | 2014–2017 | mind. 4 Mrd. $ (Schätzungen deutlich höher) | Schneeballsystem ohne echte Blockchain | Gründerin Ignatova flüchtig (FBI Most Wanted); Mitgründer: 20 Jahre Haft |
| PlusToken | 2019 | ca. 2–3 Mrd. $ | Schneeballsystem (China/Asien) | Drahtzieher verurteilt; ca. 194.000 BTC vom chinesischen Staat eingezogen |
| Bitconnect | Jan. 2018 | ca. 2,4 Mrd. $ | Schneeballsystem | Gründer Kumbhani flüchtig |
| QuadrigaCX (Börse, Kanada) | 2019 | ca. 215 Mio. CAD | Insolvenz nach Tod des CEO; faktisch Schneeballsystem | Nur geringe Quote für Gläubiger |
| Nuri (Krypto-Bank, Berlin) | Aug. 2022 | Kundengelder blieben geschützt | Insolvenz des Geschäftsbetriebs | Positiv-Beispiel: getrennte Verwahrung verhinderte Verluste |
Schadenssummen gerundet und teils Schätzungen – bei Schneeballsystemen liegen Einzahlungen, Buchwerte und realer Schaden naturgemäß auseinander. Bei Terra bezieht sich der Wert auf die vernichtete Marktkapitalisierung von LUNA und UST, nicht auf einen Diebstahl.
Was wurde aus dem Geld? Urteile & Rückzahlungen
Die wenigsten wissen: Mehrere der größten Pleiten enden für Gläubiger glimpflicher als erwartet – mit einem entscheidenden Haken. Der FTX Recovery Trust zahlt seit Februar 2025 in Runden aus; nach der vierten Runde vom 31. März 2026 (rund 2,2 Milliarden US-Dollar) summierten sich die Rückzahlungen auf rund 10 Milliarden US-Dollar. Die fünfte Runde über rund 900 Millionen US-Dollar startet am 31. Juli 2026 (Stichtag: 16. Juni 2026) und hebt die Gesamtsumme auf etwa 10,9 Milliarden US-Dollar. Kleinanleger der „Convenience Class“ erhalten damit kumuliert 120 Prozent ihrer Forderungen, internationale und US-Kundenansprüche erreichen jeweils 105 Prozent, weitere Klassen 103 Prozent – bei Insolvenzeröffnung 2022 galten 10 bis 20 Cent je Dollar als realistisch. Erstmals werden auch Vorzugsaktionäre bedient: 18 Millionen US-Dollar am 31. Juli, womit die Zahlungen aus dem Preferred Shareholder Remission Fund Trust auf 95 Millionen steigen. Der Haken bleibt: Alle Quoten basieren auf den Kursen vom November 2022. Wer damals Bitcoin bei rund 16.000 bis 17.000 US-Dollar auf FTX hielt, bekommt diesen Dollarwert plus Zinsen ersetzt – nicht die Kursgewinne der Folgejahre.
Ähnlich bei Mt. Gox: Die Insolvenz wurde in eine japanische Zivilsanierung überführt, und weil die verbliebenen rund 140.000 BTC im Wert explodierten, übersteigt die Masse inzwischen die nominellen Forderungen – die seit Juli 2024 laufenden Auszahlungen machten Gläubiger nach über zehn Jahren Wartezeit teils wohlhabender als vor dem Hack. Strafrechtlich ist die Bilanz gemischt: Sam Bankman-Fried (FTX) erhielt 2024 25 Jahre Haft (Berufungsverfahren läuft weiter), Celsius-Gründer Alex Mashinsky 2025 zwölf Jahre, OneCoin-Mitgründer Karl Sebastian Greenwood 20 Jahre; Do Kwon (Terra) wurde nach Auslieferung in die USA schuldig gesprochen. Die Bitfinex-Beute von 2016 wurde 2022 mit rund 94.000 BTC sichergestellt – mit 3,6 Milliarden US-Dollar die größte Finanz-Beschlagnahmung der US-Geschichte. Flüchtig bleiben dagegen OneCoin-Gründerin Ruja Ignatova und Bitconnect-Gründer Satish Kumbhani.
Nordkorea: Der staatliche Großtäter
Kein Akteur prägt die Hack-Statistik so wie Nordkorea. Die dem Regime zugerechneten Gruppen – allen voran Lazarus – haben nach Chainalysis-Daten allein 2025 mindestens 2,02 Milliarden US-Dollar gestohlen (plus 51 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und standen für rund drei Viertel aller Angriffe auf Krypto-Dienste; kumuliert beläuft sich die Beute auf etwa 6,75 Milliarden US-Dollar. Auch 2026 setzt sich das Muster fort: Im ersten Halbjahr entfielen nach Angaben von Blockchain-Sicherheitsforschern rund 643 Millionen US-Dollar beziehungsweise etwa zwei Drittel der gesamten Hack-Beute auf nordkoreanisch verortete Gruppen. UN-Berichte und westliche Geheimdienste gehen davon aus, dass die Erlöse das Raketen- und Atomwaffenprogramm mitfinanzieren – Krypto-Hacks sind damit längst kein reines Kriminalitäts-, sondern ein geopolitisches Thema.
Auffällig ist die Professionalisierung der Methoden: Statt Code-Exploits dominieren inzwischen Social Engineering, eingeschleuste IT-Fachkräfte mit falscher Identität und kompromittierte Zulieferer – der Bybit-Fall lief über die Infrastruktur eines Wallet-Dienstleisters, beim Drift-Angriff 2026 ging der Ausführung eine monatelange Vorbereitungsphase voraus. Chainalysis bilanziert für 2025 entsprechend: Das schlimmste Hack-Jahr der Geschichte war kein Smart-Contract-Problem, sondern ein Menschen-Problem.
Die Fälle mit Deutschland-Bezug
Der größte Krypto-Betrugsfall mit deutschem Bezug ist OneCoin: Das Schneeballsystem um die in Deutschland aufgewachsene „Kryptoqueen“ Ruja Ignatova sammelte weltweit Milliarden ein – für eine angebliche Kryptowährung, hinter der nie eine echte Blockchain stand. Die BaFin ging bereits 2017 gegen die deutschen Konten des Systems vor, die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelte früh. Ignatova verschwand 2017 und steht seit 2022 auf der Most-Wanted-Liste des FBI; ihr Verbleib ist ungeklärt. Der Fall gilt als Lehrstück dafür, dass die größten „Krypto“-Betrugsfälle oft gar keine Kryptowährungen waren, sondern klassische Schneeballsysteme mit Krypto-Etikett.
Ein Gegenbeispiel mit Berliner Adresse: Die Krypto-Bank Nuri (ehemals Bitwala) meldete im August 2022 Insolvenz an – doch weil Kundengelder und Krypto-Bestände getrennt bei regulierten Partnern verwahrt wurden, verloren die rund 500.000 Kunden kein Geld und konnten ihre Bestände vollständig abziehen. Der Kontrast zu FTX und Celsius, wo Kundengelder im Unternehmensvermögen aufgingen, zeigt: Entscheidend ist nicht, ob ein Anbieter scheitert, sondern wie er verwahrt. Worauf bei der Wahl einer Plattform zu achten ist, erklärt unser Vergleich der besten Krypto-Börsen; laufend aktualisierte Warnungen zu aktiven Betrugsmaschen sammelt unser Hub Bitcoin-Betrugswarnungen.
Muster & Lehren aus 15 Jahren
Drei Muster ziehen sich durch die Chronik. Erstens: Die Angriffsfläche wandert. 2011 bis 2018 waren es die Hot Wallets der Börsen, 2021/2022 die Bridges der DeFi-Welt (Ronin, Wormhole, Nomad – allein 2022 wurden branchenweit Rekordsummen erbeutet), seit 2024 sind es Menschen und Prozesse: kompromittierte Signaturen, Social Engineering, falsche Mitarbeiter, privilegierte Admin-Zugänge. Parallel verlagern sich Angriffe auf Privatpersonen – 2025 stammten 44 Prozent der gestohlenen Summen aus privaten Wallets, und Betrugsmaschen (17 Milliarden US-Dollar Schaden 2025, getrieben von KI-gestützten Imitationen) übertreffen die Hacks inzwischen deutlich.
Zweitens: Die größten Verluste entstanden nie durch Technik, sondern durch Vertrauen – in Geschäftsmodelle (Terra, Celsius), in Personen (FTX, QuadrigaCX) oder in Versprechen (OneCoin, Bitconnect). Drittens: Verwahrung entscheidet. In jeder großen Pleite verloren jene am meisten, deren Bestände im Unternehmensvermögen des Anbieters lagen. Was daraus praktisch folgt – von der Trennung zwischen Hot Wallet und Cold Wallet über die Wahl einer sicheren Wallet bis zu den Grundregeln gegen Phishing und Social Engineering – haben wir in den Krypto-Sicherheits-Tipps zusammengefasst.
Methodik, Quellen & Aktualisierung
Aufgenommen werden dokumentierte Diebstähle ab einer Größenordnung von rund 100 Millionen US-Dollar sowie historisch prägende Fälle darunter; bei Pleiten und Betrugsfällen sind Forderungssummen bzw. vernichtete Werte maßgeblich. Schadenssummen werden zum Kurszeitpunkt des Vorfalls angegeben und gerundet – das ist die einzige Bewertungsbasis, die Fälle über 15 Jahre vergleichbar macht. Quellen sind die Jahresberichte von Chainalysis, TRM Labs und Elliptic, Gerichtsdokumente und Urteile, Insolvenzverwalter-Mitteilungen (u. a. FTX Recovery Trust) sowie Pflichtmitteilungen der betroffenen Unternehmen. Zuschreibungen an staatliche Akteure folgen den Einschätzungen von FBI, Chainalysis, TRM Labs und Elliptic und sind als solche gekennzeichnet. Bei einzelnen Vorfällen weichen die Angaben der Analysehäuser voneinander ab (Drift: 285 bis 295 Millionen US-Dollar); in solchen Fällen nennen wir den konservativeren Wert.
Die Chronik wird nach jedem größeren Vorfall ergänzt und quartalsweise vollständig überprüft; der Stand der Gläubigerverfahren (FTX, Mt. Gox, WazirX) wird bei jeder Auszahlungsrunde aktualisiert. Hinweise auf Fehler oder fehlende Fälle nimmt die Redaktion über die im Impressum genannten Kontaktdaten entgegen – Korrekturen werden transparent nachvollzogen.
Häufige Fragen (FAQ)
Der Angriff auf die Börse Bybit im Februar 2025 mit einem Schaden von rund 1,5 Milliarden US-Dollar in Ether – verübt von der nordkoreanischen Lazarus-Gruppe über einen manipulierten Signier-Prozess. Er allein stand für rund 69 Prozent aller Dienste-Verluste des Jahres 2025.
Der Angriff auf Kelp DAO Mitte April 2026: Über einen Supply-Chain-Angriff auf die LayerZero-Bridge des Restaking-Protokolls wurden 116.500 rsETH im Wert von rund 293 Millionen US-Dollar entwendet. Knapp dahinter liegt Drift Protocol auf Solana mit rund 285 Millionen US-Dollar vom 1. April 2026, zugeschrieben nordkoreanischen Akteuren.
2025 war mit rund 3,4 Milliarden US-Dollar das bislang schlimmste Jahr (Chainalysis); davon entfielen etwa 2,7 Milliarden auf Börsen und DeFi-Protokolle und rund 700 Millionen auf private Wallets. Hinzu kamen rund 17 Milliarden US-Dollar Schaden durch Betrugsmaschen und Scams. 2026 liegen die Summen im ersten Halbjahr deutlich niedriger als im Vorjahreszeitraum, obwohl mehr Einzelvorfälle gezählt wurden.
Mit großem Abstand Nordkorea: Die dem Regime zugerechneten Gruppen um Lazarus erbeuteten allein 2025 mindestens 2,02 Milliarden US-Dollar und kumuliert rund 6,75 Milliarden. Auch im ersten Halbjahr 2026 entfielen etwa zwei Drittel der gesamten Hack-Beute auf nordkoreanisch verortete Akteure. Westliche Behörden gehen davon aus, dass die Erlöse das Waffenprogramm des Landes mitfinanzieren.
Teilweise – und manchmal mehr als erwartet. FTX-Gläubiger haben nach vier Runden rund 10 Milliarden US-Dollar zurückerhalten; mit der fünften Runde am 31. Juli 2026 (rund 900 Millionen) steigen die Quoten auf 105 Prozent für Kundenforderungen und 120 Prozent für Kleinanleger – allerdings auf Basis der Kurse vom November 2022. Mt.-Gox-Gläubiger werden seit 2024 nach über zehn Jahren ausgezahlt. Bei Schneeballsystemen wie OneCoin oder Bitconnect ist das Geld dagegen überwiegend verloren.
OneCoin: Das Schneeballsystem um die in Deutschland aufgewachsene Ruja Ignatova sammelte weltweit mindestens vier Milliarden US-Dollar ein – für eine Kryptowährung ohne echte Blockchain. Ignatova ist seit 2017 verschwunden und steht auf der Most-Wanted-Liste des FBI.
Die Chronik zeigt zwei Konstanten: Großverluste trafen vor allem Bestände, die im Unternehmensvermögen von Anbietern lagen, und Betrugsmaschen zielen zunehmend auf Privatpersonen statt auf Technik. Eigenverwahrung größerer Bestände (Cold Wallet), regulierte Anbieter mit getrennter Verwahrung und gesunde Skepsis gegenüber Renditeversprechen sind die wirksamsten Schutzmaßnahmen.