Die US-Spot-Bitcoin-ETFs stecken in der schwersten Abflussphase des Jahres. Nach einem starken Monatsstart, der am 1. Mai noch Zuflüsse von 629,8 Millionen Dollar brachte, hat sich die Stimmung an den ETF-Schaltern komplett gedreht. Seit dem ersten Abflusstag am 7. Mai haben Anleger netto mehr als 1,3 Milliarden Dollar aus den zwölf US-Produkten abgezogen – mit deutlicher Beschleunigung in den vergangenen drei Sitzungen.
Den vorläufigen Höhepunkt markierte der 18. Mai mit Nettoabflüssen von 648,6 Millionen Dollar. Das ist der heftigste Einzeltagswert seit Januar 2026. Parallel rutschte Bitcoin unter die psychologisch wichtige Marke von 77.000 US-Dollar – ein Niveau, das Analysten als kritische Unterstützungszone einstufen.
Die letzten drei Tage: 1,2 Milliarden Dollar in drei Sitzungen
Die jüngste Abwärtswelle ist konzentriert und schnell. Über den 15., 18. und 19. Mai summieren sich die Nettoabflüsse auf rund 1,27 Milliarden Dollar:
- Mai: –290,4 Millionen Dollar
- Mai: –648,6 Millionen Dollar
- Mai: –331,1 Millionen Dollar
BlackRocks IBIT trägt den Großteil der Last. Allein am 18. Mai flossen 448,4 Millionen Dollar aus dem Marktführer ab, am 19. Mai weitere 325,6 Millionen Dollar. Fidelitys FBTC und ARK Invests ARKB verstärkten den Druck zusätzlich, während kleinere Anbieter wie Morgan Stanleys MSBT oder Grayscales BTC kaum noch nennenswerte Gegenbewegungen lieferten.
Seit dem 7. Mai: Aus Zuflüssen wurde ein Ausverkauf
Der Wendepunkt lässt sich exakt datieren. Bis zum 6. Mai standen die ETFs noch im Plus – allein der 1. Mai brachte 629,8 Millionen Dollar Zuflüsse, der 4. Mai weitere 532,3 Millionen. Am 7. Mai kippte die Lage erstmals ins Negative mit –268,5 Millionen Dollar. Damit endete eine sechswöchige Zuflussserie, die zuvor rund 3,4 Milliarden Dollar in die Produkte gespült hatte.
Seither überwiegen die roten Tage klar. Zwischen dem 7. und 19. Mai gab es nur zwei nennenswerte Zuflusstage (11. und 14. Mai), die das Bild aber nicht drehen konnten. Besonders schwer wog der 13. Mai mit –630,4 Millionen Dollar, dem damals größten Tagesabfluss seit Ende Januar. In der Woche vom 11. bis 15. Mai allein zogen Anleger rund eine Milliarde Dollar ab – der stärkste Wochenabfluss seit Februar.
Einordnung: Korrektur, kein Kollaps
Trotz der Schlagzeilen lohnt der Blick auf die Größenverhältnisse. Die kumulierten ETF-Zuflüsse seit Jahresbeginn liegen weiterhin über 65 Milliarden Dollar bei den größten Fonds, und gemessen am verwalteten Vermögen von rund 85 Milliarden Dollar entspricht ein 648-Millionen-Tag nur etwa 0,76 Prozent. Analysten sprechen daher weniger von einem strukturellen Bruch als von einer „Rally ohne Überzeugung“: Institutionelle nutzen Erholungen offenbar als Verkaufsgelegenheiten, getrieben von hartnäckigen Inflationsdaten, geopolitischen Spannungen und hohen US-Anleiherenditen.
Für den weiteren Verlauf gilt die Marke um 77.000 US-Dollar als entscheidend. Hält sie, bleibt die aktuelle Phase eine ausgeprägte Korrektur. Bricht sie nachhaltig, dürfte sich der Abflussdruck an den ETF-Schaltern weiter verstärken.
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Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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