Die Ethereum Foundation (EF) steht im Mai 2026 verstärkt in der Kritik. Innerhalb weniger Wochen haben mehrere hochrangige Forscher und Koordinatoren die Schweizer Non-Profit-Organisation verlassen, die als wichtigster institutioneller Steward des zweitgrößten Blockchain-Netzwerks gilt. Auf X mehren sich Stimmen, die mehr Transparenz von der Stiftung einfordern – während Vitalik Buterin die Vorwürfe in Teilen zurückweist.
Diese Abgänge prägen die aktuelle Debatte
Am 18. Mai 2026 kündigten gleich zwei prominente Forscher ihren Rückzug an: Carl Beek, sieben Jahre bei der EF, verlässt die Stiftung zum 29. Mai. Beek war maßgeblich an der frühen Architektur der Beacon Chain beteiligt – einem Kernbaustein des Übergangs Ethereums zu Proof-of-Stake. Julian Ma geht nach rund vier Jahren und hinterlässt unter anderem die Arbeit an FOCIL (EIP-7805), einem Vorschlag zur Stärkung der Zensurresistenz, sowie an der Fast Confirmation Rule für schnellere Layer-2-Bridging-Zeiten.
Bereits zuvor hatte die EF in einem Blogpost am 11. Mai bestätigt, dass Barnabé Monnot und Tim Beiko – beide zentrale Figuren der Protokoll-Koordination – die Stiftung verlassen. Alex Stokes, ehemals Co-Lead der Protocol-Initiative, kündigte eine Auszeit (Sabbatical) an. Bereits im Februar 2026 war Co-Executive-Director Tomasz Stańczak nach kurzer Amtszeit zurückgetreten, kurz darauf folgte Josh Stark nach fünf Jahren. Trent Van Epps, der die unabhängige Förderorganisation Protocol Guild mit aufgebaut hatte, war zuvor ebenfalls ausgeschieden.
Als neue Leiter des Protocol Clusters benannte die EF Will Corcoran, Kev Wedderburn und Fredrik. Diese Übergabe fällt in eine Phase, in der wichtige Roadmap-Themen wie Glamsterdam, Hegotá, FOCIL und Verkle Trees aktiv weiterentwickelt werden.
Was die Community kritisiert – und wie Vitalik reagiert
Die Liste der Abgänge hat eine grundsätzliche Debatte neu entfacht: Wie viel Transparenz schuldet die Ethereum Foundation der Community, die das Netzwerk trägt? Auf X fragte etwa Joon Ian Wong öffentlich, warum die EF nicht offener kommuniziere. DeFi-Analyst Ignas brachte die Stimmung auf den Punkt und fragte rhetorisch, ob die Abgänge auf nachlassendes Vertrauen ins Projekt, Bezahlung unter Marktniveau oder schlicht Erschöpfung zurückzuführen seien.
Im März 2026 hatte die Stiftung versucht, ihre Rolle durch ein neues öffentliches Mandat klarer zu definieren – mit Fokus auf langfristige Resilienz, glaubwürdige Neutralität und Unterstützung der Kerninfrastruktur. Teilen der Community ging das nicht weit genug: Sie monieren, dass das Mandat keine Antworten auf zentrale Fragen zu Entscheidungsprozessen und Personalführung liefert.
Vitalik Buterin selbst hat sich öffentlich zu Wort gemeldet und einen Teil der Kritik zurückgewiesen. Aus seiner Sicht missverstehen viele die Rolle der EF: Die Stiftung sei darauf ausgelegt, das Ökosystem zu unterstützen – nicht es zentral zu steuern. Zugleich kritisierte Buterin den aus seiner Sicht zunehmend toxischen Diskurs gegenüber Foundation-Mitarbeitern.
Einordnung: Strukturwandel oder echtes Risiko?
Nüchtern betrachtet sprechen die öffentlichen Statements der Beteiligten nicht für einen einzelnen internen Konflikt. Beeks Abschiedspost liest sich nach einer klassischen Long-Tenure-Entscheidung – er erwähnt die Geburt seines Kindes und Familienzeit. Ma beschreibt eine Verschiebung seiner Rolle weg von Forschung hin zu Produkt- und Wachstumsarbeit, mit der er sich offenbar nicht mehr identifizieren konnte. Monnot, Beiko und Stokes werden in offiziellen EF-Mitteilungen als Teil eines geplanten Führungswechsels dargestellt.
Das Gesamtbild ist dennoch deutlich: Es handelt sich um eine ungewöhnliche Häufung von Abgängen in einem kurzen Zeitraum, viele davon aus dem Protocol Cluster – also dem technischen Herzstück der EF. Ob das ein gesunder Generationswechsel ist oder Symptom tieferer struktureller Probleme, lässt sich aus öffentlich zugänglichen Informationen aktuell nicht abschließend beurteilen. Die Ethereum Foundation hat bislang keine umfassende Stellungnahme zum Gesamtbild der Abgänge veröffentlicht.
Für das Ethereum-Ökosystem selbst gilt: Das Netzwerk wird von dutzenden unabhängigen Client-Teams, externen Forschern und Core-Entwicklern getragen – die EF ist einflussreich, aber nicht alleiniger Bauherr. Der eigentliche Stresstest wird nun sein, ob die Übergabe an die neue Protocol-Cluster-Führung reibungslos gelingt, während ambitionierte Roadmap-Projekte weiterlaufen.
Hier geht es zum Beitrag: Ethereum Sparplan einrichten.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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