Die für 2026 erwartete Krypto-IPO-Welle gerät ins Stocken. Mehrere prominente Unternehmen aus dem digitalen Asset-Sektor verschieben ihre geplanten Börsengänge, während Kapital verstärkt in KI-Listings wie das jüngste Cerebras-IPO fließt. Das berichtete Sean Farrell, Leiter Digital Asset Strategy bei Fundstrat, im CoinDesk-Format „Public Keys“.
Zu den Unternehmen, die ihre IPO-Pläne pausieren, zählen der Hardware-Wallet-Hersteller Ledger und ConsenSys, das Unternehmen hinter der weitverbreiteten Krypto-Wallet MetaMask. Ledger hatte laut Berichten bereits Goldman Sachs, Jefferies und Barclays für eine geplante Notierung an der New York Stock Exchange mit einer Bewertung von rund vier Milliarden US-Dollar mandatiert, bevor das Vorhaben vorerst auf Eis gelegt wurde.
Krypto-Handelsvolumen bricht um 75 Prozent ein
Hauptgrund für die Verzögerungen ist laut Farrell der drastische Rückgang der Handelsaktivität. Die Krypto-Handelsvolumina seien seit Jahresbeginn um rund 75 Prozent zurückgegangen, was massiven Bewertungsdruck auf börsenreife Krypto-Unternehmen erzeuge. „Firmen gehen ungern in einem schwachen Markt an die Börse“, so Farrell sinngemäß – IPOs seien eine entscheidende Kapitalbeschaffung, und Unternehmen wollten Bewertungen für bestehende Investoren maximieren.
Parallel verliert der Kryptomarkt insgesamt an Momentum. Bitcoin notiert deutlich unter den Höchstständen aus dem Vorjahr, und das Anlegerinteresse verschiebt sich zunehmend in Richtung KI-Infrastruktur. Cerebras Systems platzierte sein IPO Mitte Mai bei einer Bewertung von rund 40 Milliarden US-Dollar – ein Signal, wie stark institutionelles Kapital derzeit in KI-Werte rotiert.
Krypto-IPO-Prozesse zu 70 bis 80 Prozent abgeschlossen
Trotz der aktuellen Pause sieht Farrell keinen strukturellen Bruch. Viele Krypto-IPO-Prozesse seien bereits „zu 70 bis 80 Prozent abgeschlossen“. Die betroffenen Unternehmen befinden sich damit in einer Position, schnell zu reagieren, sobald sich die Marktbedingungen verbessern – etwa durch wieder anziehende Handelsvolumina, eine erneute Bitcoin-Rallye oder eine Stabilisierung des Krypto-Sentiments.
Für den Sektor bedeutet das: Die IPO-Pipeline ist nicht abgesagt, sondern nur verschoben. Sobald sich das Kapitalfenster wieder öffnet, dürften Ledger, ConsenSys und weitere Kandidaten in kurzer Folge an die Börse drängen.
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Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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