Bitcoin, Ethereum und Solana News: Warum die Netzwerkgebühren einbrechen

Raphael Lulay

24.07.2026, 12:16 Uhr

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Der neue Staking Report von Bitwise für das dritte Quartal 2026 beschreibt eine Entwicklung, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt: Über nahezu alle untersuchten Netzwerke hinweg sind die Gebühreneinnahmen im zweiten Quartal 2026 deutlich gefallen – während die tatsächliche Nutzung gestiegen ist. Der Bericht führt das nicht auf schwächere Nachfrage zurück, sondern auf Protokolldesign. Blockspace wurde billiger und reichlicher, und genau das schlägt sich in den Umsatzzahlen nieder.

Die Zahlen zeigen das Muster klar. Ethereum erwirtschaftete im zweiten Quartal 2026 rund 64 Millionen US-Dollar an Netzwerkumsatz, ein Rückgang von 51 Prozent gegenüber den 131 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Gleichzeitig stieg die Zahl der Transaktionen von 121,1 Millionen auf 203,9 Millionen. Bei Solana fiel der Umsatz von 272 Millionen auf 51 Millionen US-Dollar, bei praktisch stabiler Transaktionszahl von 8,9 auf 9,8 Milliarden. Avalanche verarbeitete 235,6 Millionen Transaktionen statt 58 Millionen im Vorjahr, bei einem Umsatzrückgang von 1,55 auf 0,33 Millionen US-Dollar.

Warum fallen die Gebühren trotz steigender Nutzung?

Der Mechanismus ist bei jedem Netzwerk ein anderer, das Ergebnis dasselbe. Auf Ethereum verdoppelte sich das Gas-Limit im Verlauf des Jahres von 30 auf 60 Millionen. Der Durchsatz stieg dadurch von 15 auf 26 Transaktionen pro Sekunde, ohne dass die Blöcke voller wurden – das EIP-1559-Design hält die Auslastung automatisch bei etwa 50 Prozent. Mehr Kapazität bei gleicher relativer Auslastung bedeutet niedrigere Gebühren pro Transaktion. Die Kosten pro Transaktion sanken entsprechend von 1,08 auf 0,31 US-Dollar.

Bei Solana liegt die Ursache in geringerer Blockauslastung. Die durchschnittliche Compute-Unit-Auslastung für Non-Vote-Transaktionen fiel von 55,5 Prozent im ersten Quartal 2026 auf 47,5 Prozent im zweiten. Weniger Konkurrenz um Blockspace bedeutet weniger Anreiz, Priority Fees oder Jito-Tips zu bieten. Die durchschnittliche Belohnung pro Block sank um 31 Prozent auf 0,0287 SOL. Solanas Real Economic Value, also der Gesamtbetrag, den Nutzer für die Chain-Nutzung zahlen, fiel von einem Höchststand von 812 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2025 auf 51 Millionen im zweiten Quartal 2026. In SOL gerechnet fällt der Rückgang moderater aus, weil der SOL-Preis über den Zeitraum um 62 Prozent nachgab.

Avalanche durchlief drei aufeinanderfolgende Upgrades, die die Transaktionskosten senkten. Etna reduzierte die Mindest-Base-Fee auf der C-Chain um 96 Prozent, Octane glättete die Gebührenanpassung und senkte die Durchschnittsgebühren um weitere 43 Prozent, Granite machte die Blockproduktion nachfrageabhängig. Die durchschnittliche Gebühr pro Transaktion sank von 0,00181 AVAX im ersten Quartal 2025 auf 0,00017 AVAX im zweiten Quartal 2026.

Ethereum Staking: Rekord bei 40,2 Millionen ETH

Die auffälligste Zahl des Berichts betrifft das Ethereum-Staking. Der aktive Stake erreichte mit 40,2 Millionen ETH einen Allzeithöchststand, was 33 Prozent des Gesamtangebots entspricht. Der Zuwachs konzentrierte sich auf das erste Halbjahr 2026: 2,81 Millionen ETH im ersten Quartal, weitere 1,73 Millionen im zweiten.

Bitwise ordnet diese Zuflüsse institutionellen Akteuren zu. Bitmine Immersion hielt zum 14. Juni 2026 nach Angaben des Berichts 5,62 Millionen ETH, davon 4,72 Millionen gestaked. BlackRock brachte am 12. März 2026 mit ETHB einen iShares Staked Ethereum Trust ETF an die Nasdaq, der zwischen 70 und 95 Prozent der Bestände staked und Erträge monatlich ausschüttet.

Bemerkenswert ist die Zusammensetzung der Staking-Rendite. Von den 2,84 Prozent Gesamtrendite im zweiten Quartal 2026 stammten 2,65 Prozentpunkte aus Consensus Rewards, also aus neu emittiertem ETH, und lediglich 0,19 Prozentpunkte aus Execution Rewards, also aus Priority Fees und MEV. Rund 93 Prozent der Rendite sind damit reine Emission. Für Anleger heißt das: Die Staking-Rendite auf Ethereum ist derzeit kaum ein Spiegel realer Blockspace-Nachfrage, sondern im Wesentlichen protokollseitig finanziert.

In ETH gerechnet gab es allerdings eine Trendwende. Der Umsatz stieg von 27.670 ETH im ersten Quartal 2026 auf 31.166 ETH im zweiten – der erste Anstieg seit über einem Jahr. Dass die Dollarzahl trotzdem fiel, liegt am ETH-Preis, der über das Quartal nachgab.

Was bedeutet der Report für Anleger?

Der Bericht dokumentiert daneben eine Reihe institutioneller Entwicklungen. Tokenisierte Aktien auf Solana wuchsen im Jahresvergleich um das 2.479-fache, von 1,34 Millionen US-Dollar im Juni 2025 auf 3,32 Milliarden ein Jahr später – getrieben durch die SpaceX- und Micron-Listings von Backpack Securities. S&P Dow Jones Indices lizenzierte den S&P 500 für den Onchain-Handel auf Hyperliquid. FIFA startete das WM-Ticketing auf einer eigenen Avalanche Layer 1. Und Deel verteilte rund 30 Millionen US-Dollar an 7.200 Auftragnehmer über die neue Stripe-Chain Tempo.

Für die Einordnung sind drei Punkte relevant. Erstens: Sinkende Gebühreneinnahmen sind bei diesen Netzwerken kein verlässlicher Indikator für schwindende Nachfrage – die Transaktionszahlen sprechen dagegen. Zweitens: Für Staker bedeutet billigerer Blockspace strukturell niedrigere Execution Rewards, solange das Volumenwachstum den Preisverfall pro Transaktion nicht ausgleicht. Auf Ethereum ist genau das derzeit nicht der Fall. Drittens: Die Roadmaps zielen weiter auf mehr Kapazität – Glamsterdam und Hegota bei Ethereum im zweiten Halbjahr 2026, Alpenglow bei Solana im dritten Quartal 2026 mit einer vorgelagerten Halbierung der Slot-Zeit auf 200 Millisekunden. Der Trend zu billigerem Blockspace ist damit absehbar keiner, der sich kurzfristig umkehrt.

Bitwise selbst weist darauf hin, dass die Einschätzungen eine Momentaufnahme des Marktumfelds darstellen und keine Anlageberatung sind.

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