„Bitcoin ist Tot“: 475 Nachrufe – wer jedes Mal 100 Dollar investiert hätte, säße auf 63 Millionen $

Raphael Lulay

28.06.2026, 06:00 Uhr

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Bitcoin wurde bereits 475 Mal für tot erklärt. Die Seite bitcoindeaths.com sammelt seit Jahren jeden öffentlichen Nachruf auf die älteste Kryptowährung – und das Jahr 2026 liefert frische Einträge. Wer bei jedem einzelnen dieser Todesurteile 100 US-Dollar in Bitcoin investiert hätte, würde heute auf rund 63,1 Millionen Dollar sitzen. Eine Zahl, die mehr über die Psychologie des Marktes aussagt als jede Charttechnik.

Der jüngste prominente Nachruf kommt von einem schweren Kaliber. Jeremy Grantham, Mitgründer von GMO und einer der wenigen Strategen, der sowohl die Dotcom-Blase 2000 als auch die Immobilienkrise 2008 korrekt vorhersagte, bezeichnete Bitcoin in einem TV-Auftritt als nutzlosen, spekulativen Mechanismus. Sein Urteil über das Proof-of-Work-Modell fiel drastisch aus: Der Energieverbrauch zur Validierung von Transaktionen bringe der Gesellschaft keinerlei wirtschaftlichen Nutzen. Bitcoin werfe keine Erträge ab, besitze keinen stabilen Wert und tauge im Alltag kaum als Zahlungsmittel. Grantham erwartet kein abruptes Ende, sondern ein langsames Verschwinden über Jahre oder Jahrzehnte.

Wie die Nachruf-Datenbank überhaupt zählt

Hinter der Zahl steckt mehr als ein launiger Zähler. Die Datenbank existiert seit 2010, wird vom Entwickler Jerry Feng gepflegt und dokumentiert aktuell 475 Nachrufe aus 16 Jahren, verfasst von 323 verschiedenen Kritikern in 213 Publikationen. Aufgenommen wird, wer Bitcoins Scheitern, Kollaps oder Wertlosigkeit öffentlich prognostiziert – vom expliziten „Bitcoin is dead“ bis zur Vorhersage eines Absturzes auf null. Jeder Eintrag ist manuell kuratiert, mit Originalquelle, Datum, Autor, Funktion und dem Bitcoin-Kurs zum Zeitpunkt der Aussage verlinkt; Dubletten werden aussortiert, die historischen Kurse stammen von CoinGecko. Das früheste dokumentierte Todesurteil fiel, als Bitcoin 0,23 Dollar wert war. Auf der Liste stehen Schwergewichte wie Warren Buffett, dazu Nobelpreisträger und Publikationen von Forbes bis Bloomberg.

Die „63-Millionen-Dollar“-Rechnung folgt daraus als simples Gedankenexperiment: 100 Dollar pro Nachruf, jeweils zum damaligen Kurs in Bitcoin umgerechnet, bis heute gehalten. Es ist keine reale Anlagestrategie, sondern eine Illustration – aber eine, die das Muster auf den Punkt bringt.

Der Markt gibt den Pessimisten gerade recht

Die Stimmung passt zum Nachruf. Bitcoin notiert aktuell bei rund 60.000 US-Dollar und damit über 30 Prozent unter dem Jahresstart. Vom Allzeithoch bei über 126.000 Dollar Ende 2025 hat sich der Kurs annähernd halbiert. Der Crypto Fear & Greed Index steckt tief im Angstbereich – je nach Anbieter zwischen 13 und 36 Punkten, also von „Extreme Angst“ bis „Angst“. Die US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten innerhalb von 30 Tagen Nettoabflüsse von 6,35 Milliarden Dollar, ein Signal nachlassenden institutionellen Interesses.

Grantham steht mit seiner Skepsis nicht allein. Auch Peter Schiff wiederholt seit Jahren das Argument, Bitcoin besitze keinen inneren Wert – und führt die Nachruf-Liste mit den meisten Einträgen souverän an. Granthams Bilanz nötigt Respekt ab, auch wenn sein Timing nicht immer saß: Seine Überbewertungs-Warnung von 2021 kam zu früh, die Märkte stiegen erst weiter, bevor sie 2022 nachgaben.

Warum die Nachruf-Statistik trotzdem zählt

Genau hier liegt der Reiz der Zahl 475. Jeder dieser Nachrufe wurde in einem Moment geschrieben, in dem die Argumente überzeugend klangen – fallende Kurse, regulatorischer Gegenwind, technische Schwächen. Und doch hätte ein stures Investment bei jedem einzelnen Todesurteil ein Vermögen aufgebaut. Das ist kein Beweis dafür, dass Bitcoin niemals scheitern kann. Es ist eine Erinnerung daran, dass Angst und Endgültigkeit im Krypto-Markt selten dasselbe bedeuten.

Hier geht es zu unserer aktuellen Bitcoin Prognose.