Börsennotierte Bitcoin-Miner stehen vor einem Strukturbruch. Laut dem Q1-2026-Mining-Report von CoinShares haben die gelisteten Unternehmen kumuliert über 70 Milliarden US-Dollar an KI- und High-Performance-Computing-Verträgen unterzeichnet. Bis Ende 2026 könnten bis zu 70 Prozent ihrer Umsätze aus dem KI-Geschäft stammen – aktuell sind es rund 30 Prozent.
Der Auslöser ist ökonomischer Druck. CoinShares beziffert die durchschnittlichen Cash-Produktionskosten pro Bitcoin auf 79.995 US-Dollar im vierten Quartal 2025. Bitcoin handelt aktuell bei rund 81.000 US-Dollar. Die Marge ist damit praktisch verschwunden. Der Hashpreis – die tägliche Erlöskennzahl pro Recheneinheit – fiel im März auf rund 30 US-Dollar pro Petahash und Tag, ein Tiefpunkt seit dem Halving 2024. CoinShares schätzt, dass 15 bis 20 Prozent der weltweit aktiven Mining-Hardware bei hohen Stromkosten unter Wasser arbeiten.
KI-Hosting bietet eine Alternative mit deutlich besseren Kennzahlen. Branchendaten zufolge generieren KI-Workloads das Drei- bis Zehnfache des Umsatzes pro Megawattstunde gegenüber Bitcoin-Mining, in Spitzenfällen das 25-Fache. Operative Margen liegen bei 80 bis 90 Prozent. Die bestehende Infrastruktur – Stromzuleitungen, gekühlte Hallen, Netzanbindungen – lässt sich umrüsten.
Diese Woche kommt der erste Realitäts-Check
Zwischen dem 5. und 8. Mai legen Core Scientific, Hut 8, TeraWulf, Cipher Mining, Strategy, Coinbase und Block ihre Zahlen für das erste Quartal vor. Für die vier reinen Mining-Unternehmen ist es die erste öffentliche Bewährungsprobe, ob die KI-Verträge auch in den Bilanzen ankommen.
Die Verträge sind groß. Core Scientific hält einen Vertrag mit CoreWeave über 10,2 Milliarden US-Dollar Laufzeit-Umsatz und rund 590 Megawatt Kapazität. CoreWeave übernimmt Core Scientific zudem vollständig. TeraWulf weist 12,8 Milliarden US-Dollar an HPC-Verträgen aus. Hut 8 hat einen 15-Jahres-Vertrag mit Fluidstack über 7 Milliarden US-Dollar an seinem Standort River Bend in Louisiana unterzeichnet, Anthropic ist als Endkunde beteiligt, Optionen reichen bis 2,295 Gigawatt. Cipher Mining hält einen Zehn-Jahres-Vertrag mit Fluidstack über 9 Milliarden US-Dollar bei 300 Megawatt. IREN unterzeichnete im November 2025 einen Fünf-Jahres-Vertrag mit Microsoft über 9,7 Milliarden US-Dollar.
Die aktuellen KI-Quoten am Gesamtumsatz zeigen, wie weit der Wandel schon ist: Core Scientific liegt bei 39 Prozent, TeraWulf bei 27 Prozent, IREN bei 9 Prozent mit schnellem Ausbau. Bitdeer hat im Februar einzelne Mining-Rechner in seinem Standort Tydal abgebaut, um Platz für KI-Hardware zu schaffen. Riot Platforms erzielt seit Januar 2026 Erlöse aus einem Rechenzentrums-Mietvertrag mit AMD am Standort Rockdale.
Finanzierung kommt teils aus Bitcoin-Verkäufen
Der Umbau wird mitfinanziert über Bitcoin-Verkäufe. Core Scientific hat im Januar rund 1.900 BTC im Wert von 175 Millionen US-Dollar veräußert und plant, den Rest der Bestände im ersten Quartal 2026 abzubauen. Bitdeer reduzierte seine BTC-Bestände im Februar auf null. Riot verkaufte im Dezember 1.818 BTC für 162 Millionen US-Dollar. Marathon hat in seinem März-10-K die Verkaufsbefugnis auf den gesamten Bilanzbestand ausgeweitet – auch unter dem Druck einer 350 Millionen US-Dollar schweren BTC-besicherten Kreditlinie, deren Beleihungsquote zwischenzeitlich auf 87 Prozent stieg.
Insgesamt haben gelistete Miner ihre BTC-Bestände vom Höchststand um über 15.000 BTC reduziert. Das hat zwei Effekte: Es finanziert die GPU-Investitionen – KI-Infrastruktur kostet laut CoinShares 8 bis 15 Millionen US-Dollar pro Megawatt gegenüber 700.000 bis 1 Million für Mining. Und es erhöht den Verkaufsdruck am Spotmarkt zu einem Zeitpunkt, an dem der Bitcoin-Kurs ohnehin angeschlagen ist.
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Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]