Charles Schwab macht Ernst bei Krypto: Bitcoin und Ethereum rücken näher

Alex Merten

04.04.2026, 10:16 Uhr

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Charles Schwab treibt seinen Einstieg in den Kryptomarkt sichtbar voran. Auf der offiziellen Website bewirbt der US-Finanzriese inzwischen „Schwab Crypto“ als kommendes Angebot und sammelt Interessenten für einen frühen Zugang. Als erste handelbare Kryptowährungen nennt das Unternehmen dabei direkt Bitcoin und Ethereum.

Damit bekommt ein Vorhaben neue Schärfe, das bislang vor allem als Perspektive im Raum stand. Reuters hatte bereits am 1. Mai 2025 berichtet, dass Schwab den direkten Spot-Handel mit Bitcoin und Ethereum innerhalb der nächsten zwölf Monate anpeilt. Am 3. Dezember 2025 konkretisierte CEO Rick Wurster dann, dass der Start im ersten Halbjahr 2026 erfolgen soll – zunächst mit Mitarbeitern, danach mit einer kleinen Kundengruppe und erst anschließend breiter für Anleger.

Krypto News: Schwab macht aus dem Thema ein konkretes Produkt

Neu ist jetzt, dass Schwab den Schritt jetzt nicht mehr nur indirekt andeutet, sondern als konkretes Produkt sichtbar vorbereitet. Auf der Krypto-Seite heißt es, das neue Schwab-Crypto-Konto werde über Charles Schwab Premier Bank angeboten und als Zugang zum Kauf und Verkauf von Bitcoin und Ethereum dienen. Gleichzeitig stellt Schwab im FAQ klar, dass einzelne Kryptowährungen derzeit noch nicht direkt über ein normales Brokerage-Konto des Hauses gekauft oder verkauft werden können.

Aus einem abstrakten „Wir schauen uns Krypto an“ wird damit ein klar erkennbarer Produktstart. Für Anleger ist das ein Unterschied: Schwab bietet schon länger indirekte Krypto-Zugänge über ETPs, Futures, Fonds und krypto-nahe Aktien an. Nun rückt erstmals der direkte Handel selbst in den Mittelpunkt.

Bitcoin und Ethereum stehen im Fokus, nicht der breite Altcoin-Markt

Auffällig ist auch, wie eng Schwab den Marktstart zuschneidet. Bisher nennt das Unternehmen öffentlich nur Bitcoin und Ethereum. Das passt zu den Aussagen von CEO Rick Wurster aus dem Reuters-Interview vom Mai 2025. Dort machte er deutlich, dass Schwab eher Anleger ansprechen will, die bereits Aktien und Anleihen halten und punktuell Krypto beimischen möchten – nicht klassische Viel-Trader, die dutzende Coins handeln wollen.

Genau darin liegt die strategische Aussage dieses Schritts. Schwab positioniert sich nicht als Ersatz für jede Kryptobörse, sondern als Brücke zwischen klassischem Wertpapierdepot und digitalem Vermögenswert. Das könnte vor allem jene Kundengruppe anziehen, die Bitcoin oder Ethereum lieber bei einem etablierten Finanzhaus kauft als bei einer spezialisierten Kryptoplattform. Diese Einschätzung ist eine Schlussfolgerung aus Schwabs kommuniziertem Fokus auf BTC und ETH sowie Wursters Zielgruppenbeschreibung.

Warum der Schritt für den Kryptomarkt relevant ist

Für den Kryptomarkt ist das mehr als nur ein weiterer Produktstart. Wenn ein großer etablierter Broker den direkten Handel mit Bitcoin und Ethereum sichtbar vorbereitet, verschiebt sich der Wettbewerb ein Stück weiter in Richtung traditioneller Finanzplattformen. Reuters berichtete zudem, dass Schwab in diesem Bereich auch offen für Übernahmen ist, sofern Preis und strategischer Nutzen passen.

Hinzu kommt: Schwab kommuniziert bereits konkrete Rahmenbedingungen. Das Angebot soll über Charles Schwab Premier Bank laufen, ein bestehendes Brokerage-Konto voraussetzen und in den USA zunächst nicht in New York und Louisiana verfügbar sein. Außerdem weist das Unternehmen darauf hin, dass die angebotenen Kryptowährungen weder durch die SIPC geschützt noch FDIC-versichert sind. Das spricht dafür, dass hier nicht nur Marketing getestet wird, sondern ein regulatorisch abgesteckter Rollout vorbereitet wird.

Unterm Strich ist der Aufhänger deshalb tragfähig: Charles Schwab bringt Krypto nicht bloß in der Theorie näher an seine Kundschaft, sondern bereitet den Direktzugang zu Bitcoin und Ethereum nun sichtbar vor. Die eigentliche Relevanz liegt dabei weniger im Produktnamen als in der Marktlogik dahinter. Je mehr etablierte Broker Krypto in ihre bestehende Infrastruktur integrieren, desto stärker verlagert sich der nächste Wettbewerbsschub weg von reinen Kryptobörsen und hin zu Plattformen, auf denen Aktien, ETFs und digitale Vermögenswerte nebeneinander stehen. Für Bitcoin und Ethereum wäre das ein wichtiges Signal, weil neue Nachfrage dann nicht nur aus dem Krypto-Sektor selbst kommen müsste, sondern zunehmend auch aus dem klassischen Brokerage-Umfeld. Diese Schlussfolgerung stützt sich auf Schwabs geplanten Direktzugang, den stufenweisen Rollout und die klar auf traditionelle Anleger ausgerichtete Produktlogik.

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