Die Consorsbank hat am 6. Mai 2026 ihr Krypto-Angebot massiv ausgebaut: Mehr als 40 Exchange Traded Notes (ETNs), über 5.000 verbriefte Derivate und 33 sparplanfähige Krypto-Produkte stehen Kundinnen und Kunden ab sofort im klassischen Wertpapierdepot zur Verfügung. Was die Direktbank in ihrer Kommunikation nicht erwähnt: Es ist eine Kehrtwende. Genau dieselbe Bank hatte sich zum 31. März 2023 nahezu geräuschlos und vollständig aus dem Handel mit Krypto-Wertpapieren zurückgezogen.
Vom Komplett-Aus zum Vollangebot – die Chronik einer Kehrtwende
Wer die Geschichte der Consorsbank im Krypto-Segment einordnen will, muss bis ins Frühjahr 2023 zurückblicken. Damals teilte die zur BNP Paribas Gruppe gehörende Direktbank auf Anfrage mit, dass sie Wertpapiere im Zusammenhang mit Kryptowährungen künftig nicht mehr anbieten werde. Die Begründung blieb knapp: Es handele sich um eine geschäftspolitische Entscheidung. Bestehende Sparpläne wurden gestoppt, neue Käufe blockiert. Betroffen waren ETNs, ETPs und ETCs auf Bitcoin, Ethereum, Bitcoin Cash sowie diversifizierte Krypto-Körbe.
Drei Jahre und einen Monat später folgt nun die komplette Rolle rückwärts. Mit dem Schritt vom 6. Mai 2026 positioniert sich die Bank nicht nur wieder im Markt, sondern deutlich offensiver als vor dem Rückzug. Statt einer überschaubaren Auswahl an Krypto-Wertpapieren bietet die Consorsbank jetzt ein Vollsortiment: Single-Coin-ETNs, Krypto-Körbe, verbriefte Derivate und sparplanfähige Produkte ab zehn Euro pro Ausführung.
Was Anleger ab sofort handeln können
Das neue Krypto-Angebot der Consorsbank umfasst drei Bausteine, die direkt im klassischen Wertpapierdepot abgewickelt werden – ohne eigene Wallet, ohne separate Krypto-Börse.
Mehr als 40 ETNs auf einzelne Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum sowie auf diversifizierte Krypto-Körbe stehen zur Auswahl. Diese Produkte bilden die Kursentwicklung der jeweiligen Coins ab und werden wie klassische Wertpapiere über die Börse gehandelt.
Über 5.000 verbriefte Derivate mit Krypto-Basiswert ergänzen das Angebot. Hier sind je nach Produkt Hebelwirkungen, Knock-out-Schwellen oder andere Strukturen möglich – ein Bereich, der primär für aktive Anleger mit höherer Risikobereitschaft relevant ist.
33 sparplanfähige ETNs ermöglichen den regelmäßigen Aufbau einer Krypto-Position ab zehn Euro pro Ausführung. Die Sparrhythmen reichen von monatlich über zweimonatlich und quartalsweise bis halbjährlich. Damit zieht die Consorsbank in einem Bereich nach, der bislang vor allem bei Neobrokern wie Trade Republic und Scalable Capital sowie bei Comdirect mit Sparplänen abgedeckt wurde.
Für ausgewählte Produkte aus dem hauseigenen StarPartner-Programm gilt eine besondere Konditionsstaffel: Ab einem Ordervolumen von 1.000 Euro fällt keine Ordergebühr an, darunter werden 3,95 Euro pro Order berechnet. Der Handel ist sowohl über die Deutsche Börse Frankfurt als auch außerbörslich möglich.
Tino Benker-Schwuchow, Leiter der Consorsbank, ordnet den Schritt strategisch ein: Die Bank wolle Anlegern den Zugang zu Krypto-Investments „eingebettet in Qualität und Standards klassischer Wertpapieranlagen“ ermöglichen.
Warum die BNP Paribas Gruppe ihre Position revidiert
Eine offizielle Begründung für die Kehrtwende lieferte die Consorsbank zur Veröffentlichung nicht – ähnlich nüchtern wie 2023, als der Rückzug ebenfalls ohne ausführliche Einordnung stattfand. Drei Marktentwicklungen sprechen jedoch dafür, dass die Entscheidung mehr als ein gewöhnliches Produkt-Update ist.
Erstens hat sich die regulatorische Landschaft seit 2023 grundlegend geändert. Die EU-Verordnung MiCA ist seit Ende 2024 vollständig anwendbar und schafft erstmals einen einheitlichen europäischen Rechtsrahmen für Krypto-Assets. Was 2023 noch als regulatorisches Risikofeld galt, ist heute ein definierter Bereich mit klaren Spielregeln.
Zweitens hat sich der Krypto-Markt institutionalisiert. Spot-Bitcoin-ETFs in den USA, etablierte ETP-Emittenten wie 21Shares, VanEck und WisdomTree in Europa sowie wachsende institutionelle Zuflüsse haben Krypto-Wertpapiere aus der Nische in den Mainstream der regulierten Anlagewelt gehoben.
Drittens bringt der Wettbewerb die etablierten Direktbanken unter Zugzwang. Trade Republic ermöglicht den direkten Coin-Handel in der App, Scalable Capital arbeitet mit regulierten ETP-Emittenten, Comdirect hat ihr Krypto-ETN-Angebot in den vergangenen Jahren ausgebaut. Wer 2026 ohne Krypto-Sortiment dasteht, riskiert systematische Abwanderung – insbesondere in der für Direktbanken strategisch wichtigen Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen.
Einordnung – was die Kehrtwende über den deutschen Bankenmarkt aussagt
Die Consorsbank ist nicht der einzige etablierte deutsche Finanzdienstleister, der 2026 sein Verhältnis zu Krypto neu definiert. Die VR-Bank Würzburg ist im April 2026 mit der Lösung MeinKrypto vorgeprescht und bringt Bitcoin direkt in die Banking-App von Genossenschaftsbanken. Auch hier ist die Logik dieselbe: Krypto soll dort verfügbar sein, wo Anleger ohnehin ihre Finanzen verwalten – nicht auf einer separaten Plattform mit eigener Wallet und eigener Steuer-Logik.
Der Unterschied der beiden Modelle ist allerdings substanziell: Die VR-Bank Würzburg ermöglicht über MeinKrypto den direkten Erwerb echter Coins. Die Consorsbank hingegen setzt vollständig auf Wertpapierhüllen – ETNs sind aus rechtlicher Sicht Schuldverschreibungen mit Emittentenrisiko. Im Insolvenzfall des Emittenten droht im schlimmsten Fall ein Totalverlust, eine Sondervermögens-Eigenschaft wie bei ETFs gibt es nicht.
Für Anleger bedeutet das: Beide Wege führen ins Krypto-Segment, aber sie unterscheiden sich grundlegend in Struktur, Verwahrung und steuerlicher Behandlung.
Persönliche Einschätzung
Die Kehrtwende der Consorsbank ist aus drei Gründen bemerkenswert. Erstens zeigt sie, wie schnell sich die Position einer Großbank zu Krypto innerhalb von 36 Monaten drehen kann – vom Komplett-Rückzug zum Vollsortiment. Zweitens illustriert sie, dass etablierte Häuser den Kampf um den Krypto-affinen Anleger nicht mehr Neobrokern überlassen wollen. Drittens markiert sie einen Punkt, an dem Krypto-Wertpapiere in Deutschland endgültig in der Mitte des Direktbank-Geschäfts angekommen sind.
Sparplan-Anleger, die ohne separates Konto auf einer Krypto-Börse regelmäßig kleine Beträge in Bitcoin oder Ethereum investieren wollen, finden mit dem 10-Euro-Minimum einen niedrigschwelligen Einstieg. Steuerlich und administrativ läuft alles über das gewohnte Depot. Diversifikationssucher, die Krypto als Beimischung zu Aktien und ETFs verstehen, profitieren von der Bündelung im selben Depot – Reporting, Steuer und Verwaltung aus einer Hand. Aktive Anleger mit Erfahrung in Hebelprodukten finden in den 5.000 verbrieften Derivaten ein breites Spielfeld – sollten aber das deutlich erhöhte Risikoprofil dieser Produktklasse kennen.
Wer hingegen langfristig echte Coins halten möchte, mit eigener Verwahrung, Selbstkustodie oder Lightning-Funktionen, ist mit ETNs strukturell falsch unterwegs. Hier bleibt der Weg über regulierte Krypto-Börsen wie eToro oder über Banking-Lösungen wie MeinKrypto die naheliegendere Option.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]