Anthropic hat am Mittwoch eine Rechenleistungs-Partnerschaft mit Elon Musks SpaceX bekanntgegeben und übernimmt damit die gesamte Kapazität des Colossus-1-Rechenzentrums in Memphis. Konkret bedeutet das: über 300 Megawatt und mehr als 220.000 Nvidia-Grafikprozessoren, verfügbar binnen eines Monats. Der Deal kommt nur wenige Wochen vor dem geplanten SpaceX-Börsengang – und nach Monaten, in denen Musk Anthropic öffentlich beschimpft hatte.
Der pikante Hintergrund
Musk hatte Anthropic auf X mehrfach kritisiert. Mal nannte er das Unternehmen „misanthropisch“, mal „woke“, mal warf er ihm vor, „die westliche Zivilisation zu hassen“. Am Mittwoch klang es deutlich anders. Nach Treffen mit dem Anthropic-Team schrieb Musk, er sei „beeindruckt“ gewesen, niemand habe seinen „Bösewicht-Detektor“ ausgelöst.
Das Timing ist kein Zufall
SpaceX hat am 1. April vertraulich seinen Antrag auf einen Börsengang bei der US-Wertpapieraufsicht SEC eingereicht. Die angepeilte Bewertung liegt zwischen 1,75 und 2 Billionen US-Dollar, der Start der Investorenroadshow ist für die Woche ab dem 8. Juni geplant. Ein Großkunde vom Format Anthropic – noch dazu ein direkter Konkurrent von Musks eigener KI-Tochter xAI – ist für die Börsengeschichte Gold wert. SpaceX positioniert sich damit nicht mehr nur als Raumfahrt-, sondern auch als KI-Infrastrukturanbieter.
Was Claude-Nutzer davon haben
Anthropic hebt unmittelbar die Nutzungsgrenzen an. Die Fünf-Stunden-Limits für Claude Code werden für Pro-, Max-, Team- und Unternehmenstarife verdoppelt, die Drosselung zu Stoßzeiten entfällt für Pro- und Max-Konten, und die Schnittstellengrenzen für Claude Opus steigen deutlich. Wer in den vergangenen Wochen über Drosselungen geklagt hat, dürfte das spüren.
Der Blick nach oben
Spannend ist eine Randnotiz: Anthropic hat „Interesse bekundet“, mit SpaceX an mehreren Gigawatt orbitaler Rechenkapazität zu arbeiten. Rechenzentren im All sind keine Spinnerei aus Science-Fiction-Romanen mehr, sondern Teil der aktiven Roadmap. Für Anleger, die SpaceX über den anstehenden Börsengang ins Depot holen wollen, ist das ein zusätzlicher Story-Faktor – mit allen Risiken, die solche Frühphasen-Visionen mit sich bringen.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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