VR-Bank Würzburg startet meinKrypto: Genossenschaftsbanken bringen Bitcoin in die Banking-App

Raphael Lulay

05.05.2026, 16:30 Uhr

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Die VR-Bank Würzburg hat heute als erste Genossenschaftsbank in Deutschland das Krypto-Handelsangebot „meinKrypto“ der DZ Bank ausgerollt. Kunden können ab sofort über die VR Banking App Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Cardano kaufen, verkaufen und verwahren lassen. Die DZ Bank stellt damit nach jahrelanger Vorbereitung den ersten produktiven Zugang für Privatkunden bereit.

Über das neue Angebot berichtete zuerst der PLATOW Brief. Die VR-Bank Würzburg übernimmt damit innerhalb der genossenschaftlichen Finanzgruppe die Vorreiterrolle und hängt zeitlich auch andere Pionierbanken ab, die das Pilotprojekt seit Ende 2024 mitgetestet hatten – darunter die Westerwald Bank, die im Dezember 2024 als erste Bank das System im Test betrieben hatte.

Vier Coins, Verwahrung über Börse Stuttgart

meinKrypto wurde von der DZ Bank gemeinsam mit dem genossenschaftlichen IT-Dienstleister Atruvia und der Börse Stuttgart entwickelt. Die DZ Bank erhielt am 13. Januar 2026 die Erlaubnis der BaFin nach der EU-Verordnung MiCA. Das Konzept folgt einem dezentralen Modell: Die DZ Bank stellt die Infrastruktur, die rund 670 angeschlossenen Volks- und Raiffeisenbanken entscheiden eigenständig, ob sie das Angebot ihren Kunden zur Verfügung stellen. Jedes Institut muss dafür eine eigene MiCA-Anzeige bei der BaFin einreichen.

Zum Start sind vier Kryptowährungen handelbar: Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Cardano. Die Abwicklung der Trades läuft über die Börse Stuttgart. Die Verwahrung übernimmt die Boerse Stuttgart Digital Custody, eine Tochtergesellschaft der baden-württembergischen Börse. Kunden müssen sich also weder um Wallets noch um Private Keys kümmern.

Kommission plus Spread, Demomodus für Einsteiger

Auf der Website der VR-Bank Würzburg sind erste Konditionen einsehbar: Beim Handel fällt eine Kommission an, hinzu kommt ein Spread zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Konkrete Prozentangaben hat die Bank bislang nicht öffentlich kommuniziert. Wer das Angebot zunächst testen möchte, kann einen Demomodus mit fiktiven Beträgen nutzen.

Das Modell ist bewusst als Self-Directed-Lösung konzipiert. Es gibt keine Anlageberatung, keine Sparpläne und keine erweiterten Produkte. Wer breitere Auswahl oder Krypto-Sparpläne sucht, wird bei meinKrypto nicht fündig.

Genoverband: 71 Prozent der Banken planen Krypto-Angebote

Die VR-Bank Würzburg dürfte nicht lange allein bleiben. Eine Umfrage des Genoverbands aus dem September 2025 hatte ergeben, dass sich 71 Prozent der befragten Volks- und Raiffeisenbanken mit der Einführung eines Krypto-Handelsangebots befassen. Mehrere Institute verfügen bereits über die nötige MiCA-Anzeige bei der BaFin.

Eine Sonderrolle nimmt die VR-Bank Bayern Mitte ein. Das von Vorstand Andreas Streb geführte Institut hat eine eigene browserbasierte Bitcoin-Lösung entwickelt und im Oktober 2025 zusammen mit dem Broker 21bitcoin ein Pilotprojekt für Bitcoin-besicherte Kredite gestartet. Die Bayern Mitte geht damit über das standardisierte meinKrypto-Modell hinaus.

Sparkassen-Rollout steht ebenfalls an

Parallel zur Genossenschaftsgruppe bewegen sich auch die Sparkassen. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband hatte im Sommer 2025 angekündigt, dass die DekaBank ein eigenes Krypto-Angebot für Privatkunden entwickelt. Der Rollout in den einzelnen Sparkassen wird in den kommenden Wochen erwartet. Die DekaBank hatte ihre Partnerschaft mit der Börse Stuttgart Ende 2025 entsprechend ausgeweitet – bisher war das Krypto-Angebot der Deka auf institutionelle Kunden beschränkt.

Damit zeichnet sich ab, dass beide großen Säulen des deutschen Filialbankensystems innerhalb weniger Monate Bitcoin und ausgewählte Altcoins direkt in ihre Banking-Apps integrieren werden. Für die deutsche Krypto-Adoption ist das ein struktureller Einschnitt: Millionen Sparer erhalten regulierten Zugang zu digitalen Vermögenswerten – ohne den Umweg über separate Krypto-Börsen oder ausländische Anbieter.