Ethereum unter 1.910 Dollar: Buterin-Verkäufe treffen auf schwache Marktstruktur

Alex Merten

23.02.2026, 16:55 Uhr

Ethereum notiert am Montagnachmittag bei 1.904 US-Dollar und damit rund 2,3 Prozent unter dem Niveau der vergangenen 24 Stunden. Zusätzlichen Druck bringt eine größere Transaktion von Mitgründer Vitalik Buterin, die in einen ohnehin fragilen Markt fällt.

Am Montag rutschte der Kurs von Ethereum zeitweise unter die Marke von 1.910 US-Dollar. Laut Datenstand beläuft sich das Minus auf Tagessicht auf 2,3 Prozent. Parallel dazu wurde bekannt, dass Vitalik Buterin innerhalb von zwei Tagen insgesamt 1.869 ETH im Gegenwert von rund 3,67 Millionen US-Dollar veräußert hat. Die Verkäufe erfolgten kurz nach einer Abhebung von 3.500 ETH vom DeFi-Protokoll Aave.

Warum ist das relevant? Der Kryptomarkt zeigt sich derzeit ohnehin anfällig. Institutionelle Investoren zogen in der vergangenen Woche per Saldo knapp 42 Millionen US-Dollar aus US-Spot-ETFs auf Ethereum ab. Treffen größere Verkäufe eines prominenten Marktteilnehmers auf eine Phase nachlassender Liquidität, kann das die kurzfristige Dynamik zusätzlich verschärfen.

Strategische Liquidierung statt persönlicher Kasse

Die aktuellen Transaktionen stehen im Kontext einer bereits Ende Januar kommunizierten Strategie. Demnach sollen insgesamt 16.384 ETH liquidiert werden, um die Weiterentwicklung des Ethereum-Ökosystems zu finanzieren. Bereits Anfang Februar wurden in diesem Rahmen laut vorliegenden Daten mehr als 8.000 ETH veräußert.

Buterin betont, seit 2018 keine ETH für persönliche Zwecke verkauft zu haben. Auch die jüngsten Erlöse sollen demnach ausschließlich in philanthropische oder ökosystemrelevante Projekte fließen. Es handelt sich also nicht um einen privaten Ausstieg, sondern um eine planmäßige Mittelumschichtung.

Trotz der Verkäufe bleibt der Mitgründer von Ethereum ein Großhalter. Nach Angaben des Blockchain-Analyseanbieters Arkham Intelligence hält Buterin weiterhin mehr als 224.000 ETH. Beim aktuellen Kurs entspricht das einem Gegenwert von rund 430 Millionen US-Dollar. An der grundsätzlichen Beteiligung ändert sich durch die Teilverkäufe somit wenig.

ETF-Abflüsse und neue Produkte

Parallel zu den On-Chain-Transaktionen zeigt sich auch auf institutioneller Ebene ein gemischtes Bild. Die Nettoabflüsse aus US-Spot-ETFs auf Ethereum unterstreichen die derzeit zurückhaltende Haltung größerer Investoren. Ob es sich um eine temporäre Konsolidierung oder um eine länger anhaltende Trendwende handelt, ist derzeit offen.

Gleichzeitig arbeitet BlackRock an einem neuen Produkt: dem „iShares Staked Ethereum Trust“. Geplant ist, Anleger an den Staking-Erträgen zu beteiligen. Bis zu 95 Prozent der Bestände sollen über Coinbase gestakt werden. Damit positioniert sich der Vermögensverwalter strategisch im wachsenden Markt für renditeorientierte Krypto-Produkte. Kurzfristig überwiegen zwar die Abflüsse, mittelfristig könnte die Produktinnovation jedoch neue Nachfrageimpulse setzen.

Für zusätzliche Unsicherheit sorgt eine Personalie auf Führungsebene der Ethereum Foundation. Co-Geschäftsführer Tomasz Stańczak trat überraschend nach weniger als einem Jahr im Amt zurück. Übergangsweise übernimmt Bastian Aue die Leitung. Auch wenn operative Details bislang nicht bekannt sind, verstärken personelle Wechsel in sensiblen Marktphasen häufig die Nervosität.

Marktstruktur schwächt sich ab

Besonders aufmerksam verfolgen Marktbeobachter die Entwicklung auf Binance. Seit Jahresbeginn sinkt dort kontinuierlich die durchschnittliche Ordergröße. Das deutet darauf hin, dass größere Marktteilnehmer ihre Aktivität im offenen Orderbuch zurückfahren.

Eine abnehmende Ordergröße kann strukturelle Folgen haben. Fehlen große Kauforders, sinkt die Fähigkeit des Marktes, plötzliche Verkaufswellen effizient aufzufangen. Die Markttiefe nimmt ab, Kursschwankungen können sich schneller verstärken. In einem solchen Umfeld wirken selbst planmäßige Verkäufe stärker, als es in Phasen hoher Liquidität der Fall wäre.

Die aktuelle Schwäche bei Ethereum ist somit nicht auf einen einzelnen Faktor zurückzuführen. Vielmehr überlagern sich mehrere Entwicklungen: strategische Token-Verkäufe, ETF-Abflüsse, eine veränderte Marktstruktur und personelle Unsicherheiten. Jeder Punkt für sich wäre verkraftbar. In Kombination erhöhen sie jedoch die kurzfristige Anfälligkeit.

Abonniere boersen-parkett.de auf Google News für tägliche Krypto-Analysen