Eine neue Analyse von Boersen-Parkett.de verbindet aktuelle Markt- und Bewertungsdaten mit bestehenden Umfragedaten aus den USA. Das Ergebnis: Gold bleibt nach Marktgröße, Suchinteresse und sogar kurzfristiger Performance klar dominierend – doch bei jüngeren Anlegern deutet sich zunehmend eine strukturelle Verschiebung zugunsten von Bitcoin an. Zusätzliche Brisanz erhält diese Entwicklung durch den bevorstehenden historischen Vermögenstransfer zwischen den Generationen.
In den USA bricht eine Generationenlinie auf: Während ältere Anleger an Gold festhalten, würden jüngere US-Bürger nahezu ein Viertel der staatlichen Goldreserven gegen Bitcoin tauschen. Gleichzeitig liefert eine aktuelle Modellrechnung des Vermögensverwalters WisdomTree einen ungewöhnlichen Befund – und die Marktrealität zeigt, wie weit beide Welten weiterhin auseinanderliegen.
WisdomTree-Modell: Bitcoin gegenüber Gold um 26 % unterbewertet
Eine Modellanalyse des Vermögensverwalters WisdomTree kommt zu einem klaren Ergebnis: Bitcoin ist im Vergleich zu Gold rund 26 Prozent niedriger bewertet, als es makroökonomische Faktoren erwarten lassen. Zum Stichtag 31. März 2026 lag das tatsächliche Bitcoin-Gold-Verhältnis bei 15,6 Unzen pro BTC. Das Modell errechnete einen theoretischen Sollwert von 21,1.
Studienautorin Dovile Silenskyte ordnet das Ergebnis jedoch vorsichtig ein: Die Analyse sage nicht voraus, dass der Bitcoin-Kurs kurzfristig steigen werde. Sie zeige vielmehr, dass Bitcoin im Verhältnis zu Gold niedriger bewertet sei, als es die erfassten Makrofaktoren nahelegen.
Survey-Daten: 24 % der unter 45-Jährigen wollen US-Goldreserven umschichten
Eine Online-Umfrage des Nakamoto Project in Zusammenarbeit mit Qualtrics unter 3.345 US-Amerikanern ergab: 80 Prozent der Befragten würden zumindest einen Teil der US-Goldreserven in Bitcoin umschichten. Im Median lag der vorgeschlagene Bitcoin-Anteil bei 10 Prozent. Bei Teilnehmern unter 45 Jahren fiel der Median mit 24 Prozent deutlich höher aus.
Wichtig zur Einordnung: Die Umfrage wurde zwischen Februar und Mitte März 2025 erhoben, die Daten flossen in den River „America Report“ ein, der seit Mai 2025 öffentlich ist. Das Nakamoto Project ist eine Bitcoin-Bildungsorganisation und damit keine neutrale Institution. Auch die Methodik mit einem Schieberegler von 0 bis 100 Prozent wurde von Kritikern als suggestiv bezeichnet. Eine klassische Ja-/Nein-Frage hätte vermutlich andere Ergebnisse geliefert. Qualtrics gab an, die Stichprobe demografisch an die US-Volkszählung angepasst zu haben.
Trotz dieser Einschränkungen ist der Datenpunkt politisch relevant geworden: Im Weißen Haus gibt es konkrete Überlegungen, einen Teil der Bundes-Goldzertifikate zu verkaufen, um damit bis zu eine Million Bitcoin in den kommenden fünf Jahren zu erwerben.
Während deutsche Parteien Bitcoin steuerlich neu einsortieren wollen, zeigen die US-Daten das Gegenteil: Eine wachsende Anlegergeneration behandelt Bitcoin als langfristiges Schutzasset, vergleichbar mit Gold – nicht als Trading-Vehikel und auch nicht als Teil eines spekulativen Altcoin-Korbs.
Adoption: Mehr Amerikaner halten Bitcoin als Anlagegold
Eine zweite Umfrage aus dem Umfeld des River-Reports stützt die Adoptions-These: Demnach halten rund 50 Millionen US-Amerikaner Bitcoin, während etwa 37 Millionen Anlagegold besitzen. Wichtig ist dabei die Einordnung: Die Zahlen beziehen sich auf die Anzahl der Halter – nicht auf den monetären Wert der Bestände. Goldschmuck wird in solchen Erhebungen typischerweise nicht berücksichtigt, was die Vergleichbarkeit einschränkt. Beim verwalteten Vermögen liegt Gold weiterhin um Größenordnungen vor Bitcoin.

Marktkapitalisierung: Gold weiterhin 20-mal größer als Bitcoin
Die monetäre Realität zeigt der Vergleich der globalen Marktkapitalisierungen. Gold steht mit 27,98 Billionen US-Dollar weiterhin an der Spitze aller Anlageklassen weltweit. Bitcoin liegt dagegen bei 1,39 Billionen US-Dollar.

Bitcoin müsste sich rechnerisch rund verzwanzigfachen, um die Marktkapitalisierung von Gold zu erreichen. Bereits ein Umtausch von nur einem Prozent des globalen Goldbestands in Bitcoin entspräche rund 280 Milliarden US-Dollar – und damit knapp 20 Prozent der aktuellen Bitcoin-Marktkapitalisierung.
Google-Trends: Gold seit Jahren stärker gesucht
Auch das öffentliche Interesse verteilt sich weiterhin klar zugunsten von Gold. Ein Fünf-Jahres-Vergleich der weltweiten Google-Suchanfragen für „buy bitcoin“ und „buy gold“ zeigt: Über den gesamten Zeitraum lag das Suchvolumen für Gold im Durchschnitt deutlich über dem für Bitcoin. Nur während einzelner Spitzen im Krypto-Hype 2021 konnte Bitcoin zeitweise mit Gold gleichziehen oder es kurzfristig überholen. Seit Anfang 2024 hat sich der Abstand zugunsten von Gold wieder vergrößert.

5-Jahres-Performance
Welches Asset in den vergangenen fünf Jahren die bessere Rendite geliefert hat, hängt stark vom Einstiegszeitpunkt ab. Zwei Stichtage zur Einordnung – jeweils auf Basis eines Investments von 1.000 Euro:
Einstieg 11.05.2021 (exakt fünf Jahre):
- Bitcoin: 1.474 Euro (+47,4 Prozent)
- Gold: 2.638 Euro (+163,8 Prozent)
Einstieg 01.01.2021 (rund fünfeinhalb Jahre):
- Bitcoin: 2.874 Euro (+187,4 Prozent)
- Gold: 2.570 Euro (+157,0 Prozent)
Mitte Mai 2021 markierte praktisch das damalige Hoch vor dem anschließenden Sommer-Crash. Vom Stichtag 11.05.2021 fiel Bitcoin bis Juli auf rund 30.000 US-Dollar zurück. Gold profitierte dagegen insbesondere 2024 und 2025 von einer historischen Rally, getrieben von Zentralbankkäufen, geopolitischen Spannungen und Inflationssorgen. Wer bereits Anfang 2021 in Bitcoin investiert hatte, liegt heute dennoch weiterhin vor einem Gold-Investor.
Was die Daten zusammen ergeben
Die Datenlage zeichnet insgesamt ein gemischtes Bild. Auf der Bewertungsseite signalisiert das WisdomTree-Modell aktuell eine Lücke zugunsten von Bitcoin. Bei der demografischen Adoption – insbesondere unter jüngeren US-Bürgern – verschiebt sich die Präferenz zunehmend Richtung Bitcoin. Bei Marktgröße, öffentlicher Wahrnehmung und kurzfristiger Performance dominiert hingegen weiterhin Gold.
Entscheidend für Anleger ist dabei weniger die Frage nach dem „besseren“ Asset, sondern vielmehr die Rolle, die beide im eigenen Portfolio spielen. Gold bleibt nach nahezu allen klassischen Maßstäben der etablierte Wertspeicher. Bitcoin hingegen ist die Wette darauf, dass sich diese Etabliertheit langfristig verschiebt – technologisch, gesellschaftlich und zunehmend auch demografisch.
Hinzu kommt ein struktureller Generationenwechsel, der für die langfristige Kapitalallokation eine zentrale Rolle spielen könnte. In den kommenden Jahrzehnten wird in den USA und Europa ein historisch großer Vermögenstransfer von älteren zu jüngeren Generationen erwartet. Während Gold bei vielen älteren Anlegern weiterhin als klassischer Krisenschutz gilt, zeigen Umfragen und Nutzungsdaten seit Jahren eine deutlich höhere Bitcoin-Affinität bei jüngeren Investoren.
Aktualität erhält dieser Generationenbefund auch durch den sogenannten „Great Wealth Transfer“. J.P. Morgan verwies Anfang 2026 darauf, dass Millennials und die Generation Z in den kommenden Jahrzehnten Vermögenswerte im Umfang von mehr als 100 Billionen US-Dollar erben könnten. Wenn ein wachsender Teil dieses Kapitals von Generationen verwaltet wird, die digitalen Vermögenswerten deutlich offener gegenüberstehen als frühere Anlegergenerationen, könnte aus einer Umfragepräferenz langfristig ein realer Kapitalstrom werden.
Sollte sich diese Präferenz mit wachsender Kaufkraft fortsetzen, könnte sich auch die strategische Gewichtung alternativer Wertspeicher langfristig verändern. Bitcoin konkurriert zunehmend demografisch mit Gold.
Hier geht es zum Beitrag: Gold, Silber oder Bitcoin?

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]