Der Iran hat am Wochenende offiziell eine staatliche Plattform gestartet, über die Reedereien die Passage durch die Straße von Hormus in Bitcoin absichern können. Das System heißt „Hormuz Safe“ und wird vom iranischen Wirtschaftsministerium betrieben. Premiums werden ausschließlich in BTC bezahlt. Erstmals berichtete die staatsnahe Nachrichtenagentur Fars News am Samstag über die Plattform, später bestätigt durch Bloomberg, Coindesk und Bitcoin Magazine.
Damit gewinnt eine seit Wochen kursierende Geschichte erstmals eine offizielle Form. Bisher gab es nur Aussagen iranischer Funktionäre und Berichte über inoffizielle Mautzahlungen. On-Chain-Analysten konnten lange keine entsprechenden Zahlungsflüsse nachweisen, weshalb viele Marktteilnehmer die Glaubwürdigkeit anzweifelten. Mit der neuen Plattform und einer eigenen Website (hormuzsafe.ir) wechselt das Thema vom Gerücht in den Status einer staatlich beworbenen Dienstleistung.
Versicherung statt Maut — der formale Trick
Die Straße von Hormus ist eine rund 50 Kilometer breite Meerenge zwischen Iran und Oman. Durch sie laufen täglich etwa 20 Prozent des weltweiten Ölhandels. Seit den US- und israelischen Angriffen auf den Iran am 28. Februar 2026 kontrolliert Teheran de facto diesen Korridor. Im März 2026 verabschiedete das iranische Parlament den „Strait of Hormuz Management Plan“, der ein Transitgebührensystem unter Aufsicht der Revolutionsgarden formalisierte. Berichten zufolge liegen die Gebühren bei rund einem US-Dollar pro Barrel — ein voll beladener Tanker zahlt damit bis zu zwei Millionen US-Dollar pro Durchfahrt.
Hormuz Safe verkleidet diese Gebühren nun als Versicherungspolice. Der Unterschied ist juristisch relevant: Reedereien bezahlen formal keine Maut für die Durchfahrt, sondern eine Prämie für Schutz gegen Inspektionen, Festhalten oder Beschlagnahme — also gegen genau jene Risiken, die der iranische Staat selbst kontrolliert. Kriegsschäden durch direkte Militärschläge sind laut Bitcoin.com explizit ausgenommen. Sobald die Bitcoin-Zahlung auf der Blockchain bestätigt ist, gilt die Police als aktiv und der Eigentümer erhält eine signierte digitale Quittung. Das iranische Wirtschaftsministerium rechnet mit Einnahmen von über zehn Milliarden US-Dollar.
Das ökonomische Kalkül: Iran unterbietet den westlichen Versicherungsmarkt
Der eigentliche Geschäftshebel liegt in der Preisentwicklung am regulären Markt. Vor Beginn der Kampfhandlungen lagen die Kriegsrisiko-Prämien für eine einzelne Hormus-Passage bei etwa 0,25 Prozent des Schiffswerts. Aktuell rangieren sie laut Branchenangaben zwischen fünf und zehn Prozent. Ein Tanker mit einem Versicherungswert von 100 Millionen US-Dollar zahlt damit bis zu zehn Millionen Dollar pro Durchfahrt — wenn er überhaupt noch eine westliche Police bekommt. Iran positioniert Hormuz Safe als günstigere Alternative für genau jene Schiffe, denen der Zugang zum Londoner Versicherungsmarkt verschlossen bleibt oder ökonomisch nicht mehr darstellbar ist.
Die Zielgruppe sind primär Reedereien, die ohnehin schon sanktioniert sind oder sich im Graubereich bewegen — etwa Tanker, die iranisches oder russisches Öl nach China und Indien transportieren. Für westliche Reeder bleibt Hormuz Safe ein No-Go: Eine Zahlung an das iranische Wirtschaftsministerium löst US-Sekundärsanktionen aus. Das OFAC hat im April rund 500 Millionen US-Dollar an iranischen Krypto-Beständen einfrieren lassen, davon 344 Millionen US-Dollar in Tether-Stablecoins.
Warum Bitcoin und nicht Tether?
Genau dieser Tether-Freeze ist der Grund, weshalb Hormuz Safe ausschließlich BTC akzeptiert. Stablecoins wie USDT werden von zentralen Emittenten ausgegeben und können auf Anweisung der US-Behörden eingefroren werden — der April-Freeze hat das eindrucksvoll demonstriert. Bitcoin lässt sich dagegen ohne Mitwirkung einer zentralen Instanz transferieren. Für ein sanktioniertes Land mit dem Wunsch nach unzensierbaren Einnahmen ist das der entscheidende Unterschied.
Allerdings ist auch Bitcoin nicht risikofrei: Die Blockchain ist öffentlich. Jede Adresse, die mit Hormuz Safe in Verbindung steht, lässt sich theoretisch markieren. Reedereien, die solche Zahlungen leisten, hinterlassen damit eine dauerhafte und für Compliance-Tools nachvollziehbare Spur. Vikrant Sharma, CEO von Cake Wallet, ordnet das gegenüber BeInCrypto entsprechend ein: Bitcoin könne Reibung im Zahlungsverkehr reduzieren, sei aber kein sauberer Umweg um das Sanktionsregime. Liquidität in dem Volumen, das ein Versicherungsmarkt benötigt, sei eine zusätzliche Hürde.
Offene Fragen zur Umsetzung
Unklar bleibt, ob Hormuz Safe in der angekündigten Größenordnung tatsächlich Geschäft generieren wird. Die zehn Milliarden US-Dollar Einnahmen sind eine Projektion des Wirtschaftsministeriums ohne offengelegte Berechnungsgrundlage. Coindesk konnte keine Bestätigung finden, dass bereits Frachteigner die Plattform nutzen. Die Website hormuzsafe.ir ist zudem aus Deutschland nicht erreichbar. Ob der Iran die eingenommenen Bitcoin direkt in Rial tauscht oder eine staatliche BTC-Reserve aufbaut, ist ebenfalls offen.
Für den Bitcoin-Markt selbst hat die Meldung kurzfristig kaum Auswirkungen. Mittelfristig festigt sich aber ein Narrativ, das in den vergangenen Monaten an Gewicht gewonnen hat: Bitcoin wird zunehmend von Nationalstaaten als Werkzeug eingesetzt — sei es als Reserve-Asset wie in El Salvador, als Mining-Einnahmequelle wie in Bhutan oder nun als Zahlungsschicht für eine sanktionsumgehende Versicherung.
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Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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