US-Spot-Bitcoin-ETFs haben am 18. Mai 2026 Netto-Abflüsse von 648,6 Mio. USD verzeichnet. Es ist der höchste Tageswert seit Januar 2026 und übertrifft damit den bisherigen Mehrmonats-Spitzenwert vom 13. Mai, an dem bereits rund 635 Mio. USD aus den elf Spot-ETFs abgezogen wurden. Kein einziger Anbieter konnte an diesem Tag Zuflüsse melden – Anleger zogen über die gesamte Produktpalette hinweg Geld ab.
Den Löwenanteil trug BlackRocks IBIT mit Abflüssen von 448,4 Mio. USD. Auch die übrigen großen Fonds verzeichneten klar negative Werte: Fidelitys FBTC verlor 63,4 Mio. USD, ARK 21Shares ARKB 9,2 Mio. USD, Bitwise BITB 109,6 Mio. USD und VanEck HODL 7,6 Mio. USD. Mehrere kleinere Anbieter sowie Grayscales GBTC blieben bei einem Tagessaldo von null. Bemerkenswert ist die Konzentration: Allein IBIT stand für etwa 70 Prozent der Tagesabflüsse.
Bitcoin-Kurs unter Druck: 76.948 USD nach Bruch der 80.000er-Marke
Parallel zu den ETF-Abflüssen geriet auch der Bitcoin-Kurs erheblich unter Druck. BTC notiert aktuell bei 76.948 USD und hat damit die psychologisch wichtige Marke von 80.000 USD deutlich nach unten durchbrochen. Im asiatischen Handel am 18. Mai fiel der Kurs zwischenzeitlich auf rund 76.620 USD – den tiefsten Stand seit Anfang Mai. Innerhalb von nur einer Stunde wurden dabei rund 600 Mio. USD an gehebelten Wetten auf steigende Kurse zwangsweise aufgelöst, weil die Verluste die hinterlegten Sicherheiten der Trader überstiegen.
Bereits in der Vorwoche vom 11. bis 15. Mai hatten die US-Spot-Bitcoin-ETFs zusammen rund 1,04 Mrd. USD an Netto-Abflüssen verzeichnet und damit eine Serie von sechs aufeinanderfolgenden Wochen mit Netto-Zuflüssen beendet. Mit den Zahlen vom 18. Mai setzt sich dieser Trend in der neuen Handelswoche unvermindert fort.
Steigende Anleiherenditen und Iran-Spannungen als Auslöser
Die Abkehr großer Anleger von Bitcoin-Produkten lässt sich nicht isoliert betrachten. Als wesentlicher Treiber gelten die steigenden Zinsen auf US-Staatsanleihen: Die Rendite für 30-jährige US-Staatsanleihen kletterte auf 5,13 Prozent und damit auf den höchsten Schlusskurs seit 2007. Wenn als sicher geltende Staatsanleihen über fünf Prozent Jahreszins bieten, sinkt die Attraktivität von Bitcoin, das selbst keinen Zins abwirft, spürbar.
Hinzu kommt eine geopolitische Komponente. Eine scharf formulierte Botschaft von US-Präsident Donald Trump in der Nacht zum Montag, in der er Iran mit der Formulierung „Time is ticking“ warnte, ließ die Ölpreise anziehen und den US-Dollar erstarken. Der Brent-Ölpreis überschritt im Tagesverlauf die Marke von 110 USD pro Barrel.
Auch die Zinserwartungen für die kommenden Monate verschieben sich entsprechend: Prognosemärkte sehen aktuell eine Wahrscheinlichkeit von rund 98 Prozent, dass die US-Notenbank Fed im Juni die Zinsen unverändert lässt, im Juli liegt sie bei rund 94 Prozent. Eine baldige Entlastung durch sinkende Zinsen, die Risiko-Anlagen wie Bitcoin üblicherweise stützt, erscheint damit unwahrscheinlich.
Einordnung: Vom Rückenwind zum Belastungsfaktor
Die Spot-Bitcoin-ETFs galten in den vergangenen Monaten als zentraler Treiber des Bitcoin-Marktes. Allein im März und April 2026 flossen mehrere Milliarden US-Dollar in die Produkte. Die aktuelle Sequenz mit zwei Tagen jenseits der 600-Millionen-Marke an Abflüssen binnen einer Woche markiert eine deutliche Stimmungswende bei großen Anlegern.
Für die kommenden Handelstage stehen mehrere wirtschaftspolitische Termine an, die das Bild prägen dürften – darunter die Protokolle der letzten Fed-Sitzung am 20. Mai sowie die weitere Entwicklung der langfristigen US-Zinsen. Solange diese Faktoren keine Entspannung signalisieren, dürfte der Druck auf die Bitcoin-ETFs und den Bitcoin-Kurs anhalten.
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Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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