Auf einen Blick: Von 1.539 Token, die es jemals in die Top 100 der Kryptowährungen geschafft haben, gelten 71,9 Prozent als operativ tot. Die mittlere Lebensdauer eines Top-100-Coins liegt bei nur zwei Jahren und vier Monaten. Ein Platz in der obersten Liga ist damit kein Beleg für Beständigkeit, sondern eher ein kurzfristiger Sichtbarkeitsmoment. Besonders betroffen: die einstigen „Ethereum-Killer“.
72 Prozent der Top-100-Token sind operativ tot – was die Zahlen bedeuten
Die Auswertung stuft einen Token dann als tot ein, wenn ihn wichtige Börsen delistet haben und das tägliche Handelsvolumen über mehr als 90 Tage unter 10.000 US-Dollar bleibt. Nach dieser Definition sind knapp drei von vier Coins, die jemals den Sprung in die Marktkapitalisierungs-Rangliste der Top 100 geschafft haben, faktisch aus dem Markt verschwunden.
Die Sterblichkeit steigt dabei klar mit der Zeit. Innerhalb von fünf Jahren scheiden 62 Prozent der Top-100-Token aus. Nach zehn Jahren liegt die geschätzte Sterberate bei 84,7 Prozent, nach zwölf Jahren bei 91,5 Prozent. Für Anleger bedeutet das: Selbst eine hohe Marktkapitalisierung schützt statistisch nicht vor dem Bedeutungsverlust eines Projekts.
Warum sterben so viele Krypto-Projekte?
Ein zweiter Datensatz macht das Muster greifbar. Betrachtet man die Top 100 vom Juli 2021, hielten fünf Jahre später nur 41 Projekte ihre Position. 46 fielen aus den Top 100 heraus, blieben aber handelbar, und 13 stellten den Betrieb vollständig ein. Die ausgeschiedenen, aber noch handelbaren Token verloren im Median rund 93 Prozent ihres Marktwerts.
Auffällig ist, welche Kategorie am stärksten betroffen war: Rund 65 Prozent der herausgefallenen Projekte waren Layer-1- und Layer-2-Blockchains – jene alternativen Netzwerke, die 2021 als Herausforderer von Ethereum antraten. Was überwiegend nicht überlebte, waren die thematischen Wetten des letzten Zyklus: Metaverse-Token, GameFi, NFT-Plattformen und die Welle alternativer Layer-1s. Vier der 13 komplett eingestellten Projekte kollabierten allein in der Kettenreaktion von 2022, die im Mai mit Terra begann und im November mit FTX endete.
Gleichzeitig verschob sich die Zusammensetzung der Spitzengruppe. Die Zahl der Stablecoins in den Top 100 verdoppelte sich von acht auf 16 – ein Hinweis darauf, dass On-Chain-Zahlungsabwicklung zu einem der stabileren Anwendungsfälle des Marktes geworden ist.
Wie sieht es im Gesamtmarkt aus?
Über die Top 100 hinaus fällt die Bilanz noch drastischer aus. Von allen auf dem DEX-Tracker GeckoTerminal gelisteten Kryptowährungen werden 53,2 Prozent nicht mehr aktiv gehandelt. Seit 2021 wurden dort fast sieben Millionen Token gelistet, von denen Millionen inzwischen als gescheitert gelten. Der Großteil dieser Ausfälle konzentriert sich auf die jüngste Phase, in der Memecoin-Launchpads die Zahl der Neustarts massiv nach oben trieben – bei minimaler Substanz je Projekt.
Die Kernaussage für Anleger ist damit weniger eine Krypto Prognose als eine statistische Realität: Sichtbarkeit in einem Ranking und langfristige Überlebensfähigkeit sind zwei verschiedene Dinge. Welche Projekte der heutigen Spitzengruppe in fünf Jahren noch relevant gehandelt werden, bleibt offen.

Alex Merten hat Wirtschaftswissenschaften mit Fokus auf Geldpolitik und digitale Märkte studiert. Seit mehr als 5 Jahren analysiert er die Entwicklungen im Krypto- und Finanzsektor und beschäftigt sich besonders mit der Rolle von Bitcoin in einem globalen Marktumfeld. Neben makroökonomischen Einschätzungen liegt sein Fokus auf datenbasierten Kursprognosen, Marktanalysen und verständlich aufbereiteten Infografiken. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er auch Beiträge auf cryptonews.com und 99bitcoins.com. Bei seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf Faktentreue, Relevanz und eine klare Einordnung des täglichen Marktgeschehens.
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