Während manipulierte Ledger-Geräte die Krypto-Branche beschäftigen, geht Tangem mit einer offensiven Aussage an die Öffentlichkeit: Selbst der Kauf bei einem zwielichtigen Verkäufer soll die Sicherheit der eigenen Wallet nicht aushebeln. Dahinter steckt ein technisches Konzept, das bestimmte Angriffsflächen gezielt vermeidet.
In einem am 14. Oktober veröffentlichten Beitrag erklärt Tangem sinngemäß, man könne seine Wallet überall und bei jedem kaufen – selbst bei einer zwielichtigen Person in einer dunklen Gasse. Erkennt die App eine bereits aktivierte Karte, müsse diese allerdings zurückgesetzt werden. Damit stellt der Hersteller die technischen Schutzmechanismen seiner Karten in den Mittelpunkt.
Ledger-Vorfall zeigt Risiken manipulierter Hardware-Wallets
Hintergrund ist die Untersuchung manipulierter Ledger-Wallets aus dem Vertrieb des Wiederverkäufers CryptoBilis. Bei einem untersuchten Gerät wurde ein zusätzliches Hardware-Modul entdeckt. Es konnte die auf dem Bildschirm angezeigten Wiederherstellungswörter abfangen und über das Mobilfunknetz übertragen. Wer diese Wörter kennt, kann auf die zugehörigen Kryptowährungen zugreifen.
Der Angriff setzte damit an einem Punkt an, den Käufer kaum kontrollieren können: dem Weg zwischen Herstellung und Auslieferung. Ledger kennzeichnet CryptoBilis auf seiner Händlerübersicht inzwischen mit einem Hinweis auf vorübergehend ausgesetzte Verkäufe.
Tangem: Kein Bildschirm, keine angezeigte Seed-Phrase
Tangem verweist auf das reduzierte Design seiner Wallet-Karten: Sie besitzen weder Bildschirm noch Batterie oder USB-Anschluss. Energie erhalten sie beim Kontakt mit dem Smartphone über NFC. Ein Bildschirm, an dem ein Implantat Wiederherstellungswörter mitlesen könnte, fehlt somit.

Bei der standardmäßigen Einrichtung ohne Seed-Phrase werden außerdem keine Wiederherstellungswörter angezeigt. Nach Herstellerangaben entstehen die privaten Schlüssel im Sicherheitschip und verlassen diesen nicht. Die App prüft zudem die Echtheit der Karte und warnt, wenn sie bereits aktiviert wurde.
Was Tangems Sicherheitsversprechen für Anleger bedeutet
Für den beschriebenen Angriff ist der Unterschied relevant: Ohne Bildschirm entfällt die konkrete Abgriffstelle. Tangem stellt damit einen nachvollziehbaren Vorteil seines Kartenkonzepts heraus.
Die weitreichende Aussage zur Wahl des Verkäufers bleibt allerdings ein Sicherheitsversprechen des Herstellers. Aus dem Schutz gegen eine bestimmte Angriffsmethode lässt sich keine Unverwundbarkeit gegenüber sämtlichen Risiken ableiten.
Für Krypto-Anleger liefert die Debatte dennoch einen hilfreichen Denkanstoß: Bei Hardware-Wallets zählt nicht allein der Sicherheitschip. Ebenso wichtig ist, wo sensible Informationen sichtbar werden und wie das Gerät mögliche Manipulationen erkennt.
Du interessierst Dich für die Hardware-Wallet? Hier geht es zu unseren Tangem Erfahrungen.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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