PwC-Studie: Deutsche Krypto-Anleger nutzen Crash zum Nachkaufen – Bitcoin-Prognose bei 538.000 Dollar

Raphael Lulay

08.06.2026, 09:30 Uhr

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Der Kursrutsch am Kryptomarkt zu Jahresbeginn 2026 hat die meisten privaten Anleger kalt gelassen. Statt panisch zu verkaufen, nutzte ein großer Teil die niedrigeren Kurse zum Einstieg. Das geht aus der „Crypto Survey 2026“ von Strategy&, der Strategieberatung von PwC, hervor, für die im März und April 2026 insgesamt 2.500 private Krypto-Investoren in Deutschland, den USA, den Niederlanden, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien befragt wurden – davon 500 in Deutschland.

Während des Einbruchs im Januar und Februar reduzierten weniger als 14 Prozent der deutschen Anleger ihre Bestände. Demgegenüber kauften 44 Prozent nach einem vorherigen Ausstieg zu günstigeren Kursen wieder zu, weitere 12 Prozent stockten ihre Positionen auf. Der Optimismus zeigt sich auch in den Kurserwartungen: Im Schnitt rechnen die deutschen Befragten bis Ende 2030 mit einem Bitcoin-Preis von rund 538.000 US-Dollar, international liegt die BTC Prognose mit etwa 854.000 US-Dollar noch deutlich höher – mehr als das Sechsfache des Höchststands von 2025.

Buy-and-Hold verdrängt das Daytrading

Das Verhalten der Anleger verschiebt sich zunehmend in Richtung langfristiger Strategien. Nur 29 Prozent aller Befragten setzen laut Studie überhaupt noch auf Daytrading, in Deutschland sind es mit 21 Prozent noch weniger. Mehr als die Hälfte der internationalen Anleger will die eigenen Bestände dagegen langfristig halten – „Buy-and-Hold“ ist damit die meistgenutzte Strategie.

Auffällig ist die wachsende Rolle von Sparplänen: Ihr Anteil stieg gegenüber dem Vorjahr um über sechs Prozentpunkte auf nun 37 Prozent. Dieser Wert entspricht exakt dem Anteil der Aktiensparer in Deutschland und wird in der Studie als Hinweis auf den gestiegenen Reifegrad der Anlageklasse gewertet. Auch die Einsätze steigen: In Deutschland haben vier von fünf Befragten mehr als 1.000 Euro in Krypto-Assets investiert. Über die reine Geldanlage hinaus erwarten 35 Prozent der deutschen und 42 Prozent der US-Befragten, dass KI-Agenten bis 2030 Stablecoins oder andere Tokens für Zahlungen einsetzen werden.

Studienautor Dr. Philipp Wackerbeck, Partner und Global Head of Financial Services bei Strategy&, spricht von „True Believers“: Anleger hielten trotz Crash an ihren Beständen fest, dächten langfristig und näherten sich im Verhalten zunehmend traditionellen Anlageklassen wie Aktien oder Fonds an. Zugleich verweist er auf einen fragmentierten Markt, in dem sich in vielen Ländern – auch in Deutschland – lokale Plattform-Anbieter neben den globalen Größen behaupten.

Stablecoins und tokenisierte Assets rücken in den Fokus

Neben dem klassischen Handel gewinnen zwei Anwendungsfelder an Bedeutung. International haben bereits über 60 Prozent der befragten Anleger Stablecoins – also an etablierte Währungen gekoppelte Coins – für grenzüberschreitende Zahlungen genutzt. In Deutschland liegt der Anteil bei rund 50 Prozent, weitere 18 Prozent würden Stablecoins einsetzen, wenn sie spürbar günstiger als klassische Banküberweisungen wären.

Parallel steigt das Interesse an tokenisierten Vermögenswerten, also digitalen Abbildungen klassischer Anlagen wie Aktien, Anleihen oder Immobilien auf der Blockchain. Rund 70 Prozent der deutschen und 86 Prozent der US-amerikanischen Befragten würden in solche Produkte investieren, sofern ihre Bank oder Handelsplattform sie anbietet. Für Felix Becht, Co-Studienautor und Partner bei Strategy& Deutschland, hat Krypto damit den Nischenstatus verlassen. Anbieter müssten künftig über reinen Coin-Handel hinausgehen und tokenisierte Produkte nahtlos in ihre Apps integrieren – sonst wanderten Kunden dorthin ab, wo sie alles aus einer Hand erhielten.

Eigene Meinung

Die Studie bestätigt einen Trend, der sich seit mehreren Marktzyklen abzeichnet: Privatanleger reagieren auf Kurseinbrüche heute gelassener als noch vor einigen Jahren. Das spricht für eine gewisse Reife, sollte aber nicht mit Sicherheit verwechselt werden – antizyklisches Nachkaufen funktioniert nur, solange die langfristige These trägt, und Kursprognosen über mehrere Jahre bleiben hochspekulativ. Die genannten Zielwerte für Bitcoin sind Erwartungen der Befragten, keine Garantie. Für langfristig orientierte Anleger, die Schwankungen aushalten und breit gestreut investieren, fügt sich die Entwicklung ins Bild einer reifer werdenden Anlageklasse. Für kurzfristig orientierte Trader oder Einsteiger mit geringem Risikopuffer bleibt die hohe Volatilität dagegen das zentrale Risiko, das auch eine optimistische Studienlage nicht relativiert.

Quelle: Strategy& (PwC), „Crypto Survey 2026“

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