Trumps Ethik-Filing offenbart Coinbase-, Robinhood- und Strategy-Käufe — und einen STOCK-Act-Schönheitsfehler

Alex Merten

15.05.2026, 15:47 Uhr

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Ein am 8. Mai 2026 beim U.S. Office of Government Ethics eingereichtes Periodic Transaction Report (OGE Form 278-T) listet für Donald J. Trump und seine Familie weit über 600 Wertpapierkäufe zwischen dem 6. Januar und 30. März 2026. Die Quartalsbilanz ist nicht nur wegen ihres Volumens bemerkenswert, sondern vor allem wegen der Sektor-Konzentration im Krypto- und Fintech-Bereich — und wegen eines Details, das in der bisherigen Berichterstattung weitgehend untergeht.

In der Spalte „Notification Received Over 30 Days“ steht hinter jeder einzelnen der dokumentierten Transaktionen ein „Yes“. Der STOCK Act von 2012 schreibt für bundespolitische Amtsträger eine Meldefrist von 30 Tagen nach Kenntnis und maximal 45 Tagen nach Ausführung einer Transaktion vor. Ein „Yes“ in dieser Spalte bedeutet formal: Die Meldung erfolgte außerhalb dieses Zeitfensters. Bei Käufen vom 6. Januar 2026 liegen zwischen Trade und Filing rund vier Monate. Die in der US-Krypto-Presse zu lesende Verteidigung der Trump-Administration, das Filing entspreche der STOCK-Act-Compliance, lässt sich an der Primärquelle selbst nicht ohne Weiteres nachvollziehen.

Coinbase, Strategy, MARA: Krypto-Käufe im Schatten der SEC-Einigung

Das Filing dokumentiert wiederkehrende Käufe in Coinbase Global (COIN), die in der englischsprachigen Berichterstattung mit neun separaten Einträgen beziffert werden — der größte mit einem deklarierten Volumen zwischen 100.001 und 250.000 US-Dollar am 10. Februar 2026. Hinzu kommen Robinhood Markets (HOOD), Block Inc., SoFi Technologies sowie Positionen in Strategy (ehemals MicroStrategy) und dem Bitcoin-Miner MARA Holdings. Der zeitliche Kontext ist relevant: Die SEC hatte im Februar 2025 — also rund elf Monate vor den hier dokumentierten Käufen — ihre 2023 erhobene Klage gegen Coinbase ohne finanzielle Konsequenzen fallengelassen und kurz darauf auch die Ermittlungen gegen Robinhoods Krypto-Sparte eingestellt. Beide Entscheidungen wurden von Marktbeobachtern unmittelbar auf den Regierungswechsel und die Krypto-freundliche Linie der Trump-Administration zurückgeführt.

Die im Filing erfassten Käufe fallen also in einen Zeitraum, in dem die regulatorische Belastung für genau die beiden namhaftesten Plattform-Aktien aus dem Krypto-Sektor durch eine der Trump-Administration unterstellte Behörde aktiv reduziert wurde. Robinhood fungiert parallel als Erst-Treuhänder des im Aufbau befindlichen „Trump Account“-Altersvorsorge­programms — ein Punkt, den Kritiker als Überlappung zwischen exekutiver Politikgestaltung und privatem Investment-Exposure einordnen.

Volumen, Trades pro Tag und die Frage nach dem Blind Trust

Quantitativ ist die Krypto-Tranche im Gesamtbild eher klein. Die größten Einzelpositionen mit deklariertem Volumen zwischen einer und fünf Millionen US-Dollar entfallen auf klassische Mega-Caps: Vanguard S&P 500 ETF, iShares Russell 1000 ETF, ServiceNow, Nvidia, Adobe, Workday, Oracle, Microsoft, Broadcom, Synopsys, Procter & Gamble, Cadence Design, Amazon und Apple. Mehrere dieser Käufe — darunter Nvidia, Microsoft, Apple und Amazon — sind in der Spalte mit dem Vermerk „UNSOLICITED“ versehen, also ohne aktive Empfehlung des Brokers.

Verschiedene US-Medien sprechen unter Berufung auf eine Auswertung der 113-seitigen Einreichung von 3.642 Trades im ersten Quartal. Diese Zahl ist aus der hier verfügbaren Primärquelle nicht direkt verifizierbar, da das öffentliche PDF die einzelnen Transaktionen fortlaufend nummeriert auflistet; sie stammt aus einer Drittauswertung. Was sich aber unmittelbar aus dem Filing ablesen lässt: Die Frequenz und Breite des Tradings entspricht nicht dem Bild eines Blind Trust, also einer treuhänderischen Konstruktion, bei der ein Amtsträger den Zugriff auf seine Anlageentscheidungen formal abgibt. Diese Praxis hatte sich seit Lyndon B. Johnson als informelle Norm für US-Präsidenten etabliert; sie ist gesetzlich nicht zwingend vorgeschrieben.

Für Anleger im Krypto-Sektor bleibt das Filing in zwei Dimensionen relevant. Erstens dokumentiert es politisch sichtbar, dass die exekutiv unterstützte regulatorische Lockerung — Stichworte Bitcoin-Reserve, Stablecoin-Gesetzgebung, Verfahrenseinstellungen — innerhalb des engeren Trump-Umfelds auch in konkrete Allokationsentscheidungen mündet. Zweitens stellt der pauschale „Yes“-Eintrag bei der 30-Tage-Frist eine Compliance-Frage, die unabhängig von der politischen Bewertung des Filings überprüfbar ist und in den kommenden Wochen sowohl die Ethik-Aufsicht als auch demokratische Mandatsträger im Kongress beschäftigen dürfte.

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