US-Militär betreibt eigenen Bitcoin-Node: Pentagon-Chef Hegseth bestätigt geheime Programme gegen China

Alex Merten

02.05.2026, 08:23 Uhr

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Pete Hegseth bestätigt vor dem Repräsentantenhaus geheime Bitcoin-Programme im Verteidigungsministerium. Im Hintergrund läuft seit April ein aktiver Militär-Node am Bitcoin-Netzwerk – betrieben von der US-Indopazifik-Kommando-Einheit, der zentralen Befehlsstelle für die strategische Konfrontation mit China.

Bitcoin ist im US-Verteidigungsministerium angekommen. Pentagon-Chef Pete Hegseth – seit der Trump-Executive-Order vom September 2025 offiziell als „Kriegsminister“ tituliert – bezeichnete Bitcoin am 30. April vor dem Streitkräfte-Ausschuss des Repräsentantenhauses als „Mittel zur Machtdemonstration“ der USA und als Hebel gegen „Chinas digitalen Autoritarismus“. Konkrete Projekte würden aktuell laufen, seien aber als geheim eingestuft.

Die eigentliche Substanz hinter den Aussagen lieferte allerdings nicht Hegseth selbst, sondern Admiral Samuel Paparo, Vier-Sterne-Kommandeur des US-Indopazifik-Kommandos (INDOPACOM). Bereits am 21. April hatte Paparo vor dem Streitkräfte-Ausschuss des Senats bestätigt: Das US-Militär betreibt einen aktiven Bitcoin-Node.

INDOPACOM betreibt eigenen Node am Bitcoin-Netzwerk

Ein Node ist ein vollwertiger Teilnehmer im Bitcoin-Netzwerk: Er hält die komplette Blockchain-Historie vor, validiert jede Transaktion eigenständig anhand der Konsens-Regeln und leitet geprüfte Daten im Peer-to-Peer-Netz weiter. Ein Node mint kein Bitcoin, sondern setzt die Protokoll-Regeln durch. Damit ist INDOPACOM kein passiver Beobachter, sondern aktiver Teilnehmer am Bitcoin-Netzwerk.

Paparos Aussagen vor dem Senat im Wortlaut: Bitcoin sei „ein Peer-to-Peer-Werttransfer ohne Vertrauensvoraussetzungen“. Sein Kommando betreibe einen Node und führe „mehrere operative Tests“ durch, um Netzwerke mithilfe des Bitcoin-Protokolls zu sichern. Der Fokus liege auf Cybersecurity, nicht auf Bitcoin als Reserve-Asset oder Zahlungsmittel.

INDOPACOM ist mit rund 380.000 Soldaten die zentrale US-Kommandostruktur für den indopazifischen Raum – also genau die Region, in der die strategische Rivalität mit China ausgetragen wird. Dass ausgerechnet diese Einheit Bitcoin operativ einsetzt, hat Signalwirkung.

Hegseth bestätigt geheime Programme – Details bleiben offen

In der Anhörung am 30. April hakte der texanische Republikaner Lance Gooden nach, ob das Verteidigungsministerium initiativ am Aufbau eines strategischen Bitcoin-Vorteils arbeite. Hegseths Antwort: „Ich bin seit langem von dem Potenzial von Bitcoin und Kryptowährungen überzeugt. Vieles von dem, was wir tun – sei es zur Förderung oder zur Abwehr – sind als geheim eingestufte Vorhaben innerhalb unseres Ministeriums, die uns in vielen verschiedenen Szenarien erheblichen Handlungsspielraum verschaffen.“

Was genau diese Programme umfassen, bleibt offen. Hegseth verwies darauf, geheime Details könnten in nicht-öffentlicher Sitzung erläutert werden. Bemerkenswert: Hegseth hielt vor seinem Amtsantritt selbst Bitcoin-Bestände, die er laut Finanzoffenlegung 2025 nach Amtsübernahme veräußert hat.

328.000 vs. 194.000 BTC – Der staatliche Wettlauf um Bitcoin

Im Hearing zitierte Gooden Schätzungen des Bitcoin Policy Institute zum staatlichen Bitcoin-Bestand: Die USA halten demnach rund 328.000 BTC, China rund 194.000 BTC. Beide Bestände stammen mehrheitlich aus Beschlagnahmungen. Auf Basis des aktuellen Bitcoin-Kurses von etwa 77.400 US-Dollar entspricht das einem Marktwert von rund 25,4 Milliarden US-Dollar (USA) beziehungsweise 15 Milliarden US-Dollar (China). Bestätigt sind diese Zahlen nicht – Peking veröffentlicht keine offiziellen Bestände.

Bei der Mining-Hashrate dreht sich das Bild: Russland kontrolliert laut Financial-Times-Analyse aus Februar rund 16 Prozent der globalen Hashrate und ist damit zweitgrößter Mining-Standort der Welt. China kommt trotz des offiziellen Mining-Verbots von 2021 über Untergrund- und Offshore-Aktivitäten weiterhin auf rund 12 Prozent. Beide Staaten nutzen Krypto-Assets zunehmend zur Abwicklung von Energiegeschäften – und damit zur Umgehung dollarbasierter Sanktionsmechanismen.

Vom Compliance-Problem zur Power-Projection

Paparos Auftritt markiert eine bemerkenswerte Kehrtwende. Noch im Februar 2024 hatte derselbe Admiral gegenüber Senatorin Elizabeth Warren erklärt, die „Intransparenz“ von Kryptowährungen sei ein zentraler Treiber für Proliferation, Terrorismus und illegalen Handel – Krypto mache die Welt „weniger sicher“. Zwei Jahre später beschreibt er Bitcoins Architektur aus Kryptografie, Blockchain und Proof-of-Work als „wertvolles informatisches Werkzeug“ für Cybersecurity und „Machtprojektion“.

Diese Argumentation greift eine These auf, die Major Jason Lowery 2023 in seinem Buch „Softwar“ entwickelt hatte: Proof-of-Work als Form militärischer Machtprojektion im Cyberraum, ohne physische Gewalt. Wenn ein Vier-Sterne-Admiral diese Logik im Senat vorträgt, verlässt die Debatte den akademischen Raum und rückt in die operative Doktrin.

Einschätzung

Die Trennlinie zwischen politischer Rhetorik und operativer Realität verläuft hier ungewöhnlich klar. Hegseths Aussagen sind primär Signalpolitik – das ist im Trump-Umfeld Standard. Spannender ist Paparos Aussage. Ein aktiv betriebener Bitcoin-Node beim US-Indopazifik-Kommando ist keine Symbolpolitik, sondern eine technische Tatsache mit konkreten operativen Implikationen.

Was das für Anleger bedeutet, sollte realistisch eingeordnet werden: Ein einzelner staatlicher Node ändert weder die Dezentralität von Bitcoin noch die kurzfristige Kursdynamik. Das Bitcoin-Netzwerk umfasst je nach Schätzung 15.000 bis 20.000 öffentlich erreichbare Nodes. Was sich verschiebt, ist der regulatorische Diskursrahmen: Bitcoin wird nicht mehr nur in Finanz-, sondern auch in Verteidigungsausschüssen verhandelt. Das ist mittel- bis langfristig ein bullisches Signal für institutionelle Adaption – kein Trigger für eine kurzfristige Rallye.

Wer aus dieser Nachricht eine kurzfristige Bitcoin Kursprognose ableitet, überschätzt den Effekt. Wer sie ignoriert, unterschätzt die strukturelle Verschiebung in der Wahrnehmung von Bitcoin auf staatlicher Ebene.

Wie geht es weiter?

Der entscheidende Beobachtungspunkt ist die Krypto-Komponente des National Defense Authorization Act 2027, die Lance Gooden derzeit vorbereitet. Schafft sie es durch das Komitee, wird aus Hegseths Rhetorik kodifizierte Verteidigungspolitik. Bleibt sie liegen, war es ein gut platziertes Hearing-Statement.

Parallel hat das Weiße Haus für die kommenden Wochen eine größere Krypto-Ankündigung in Aussicht gestellt. Ob diese die strategische Bitcoin-Reserve betrifft, ist offen.

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