Vom Cannabis-Boom bis zum Metaverse-Crash: Was aus den größten Börsenhypes der vergangenen fünf Jahre wurde (Infografik)

Raphael Lulay

16.06.2026, 14:32 Uhr

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An der Börse wechseln die großen Geschichten regelmäßig. Mal ist es Wasserstoff, dann Cannabis, später das Metaverse. Zeitweise scheint es, als könnten Anleger mit diesen Zukunftsthemen kaum etwas falsch machen. Steigende Kurse sorgen für Schlagzeilen, Medien berichten täglich darüber und das Interesse bei Google erreicht neue Höchststände.

Wie ein neuer Infografik-Report von boersen-parkett.de zeigt, folgte auf die Euphorie jedoch häufig eine ernüchternde Realität. Viele der größten Anlegertrends der vergangenen fünf Jahre entwickelten sich für Investoren deutlich schlechter als erhofft. Gleichzeitig zeigt die Analyse aber auch: Nicht jedes Hype-Thema endet zwangsläufig mit einem Crash.

Wenn das Interesse seinen Höhepunkt erreicht, ist der Hype oft schon weit fortgeschritten

Die erste Grafik zeigt die Entwicklung der Google-Suchanfragen in Deutschland für die Begriffe „Wasserstoff Aktien“, „Cannabis Aktien“ und „Metaverse Aktien“ über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Google-Suchvolumen im Zeitverlauf: einstige Trendthemen nicht mehr gefragt.
Die Grafik zeigt das relative Suchvolumen (Google-Trend-Score) für die genannten Suchbegriffe im 5-Jahres-Rückblick (Deutschland). Quelle: trends.google.de. Darstellung: boersen-parkett.de.

Besonders Cannabis-Aktien erreichten Anfang 2021 einen regelrechten Nachfrageboom. Wasserstoff-Aktien dominierten ebenfalls über Monate hinweg die Diskussionen an den Finanzmärkten. Ende 2021 folgte schließlich das Metaverse, nachdem Facebook seine Umbenennung in Meta bekannt gegeben hatte und virtuelle Welten als möglicher Zukunftsmarkt gehandelt wurden.

Wie aus der Infografik hervorgeht, verlief die Entwicklung bei allen drei Themen ähnlich: Auf eine Phase stark steigender Aufmerksamkeit folgte ein teils dramatischer Rückgang des Interesses. Heute spielen die Suchbegriffe nur noch eine untergeordnete Rolle. Das gilt insbesondere für Metaverse-Aktien, deren Suchvolumen inzwischen nahezu vollständig verschwunden ist.

Die Daten verdeutlichen ein bekanntes Muster an den Kapitalmärkten: Viele Anleger werden erst auf ein Thema aufmerksam, nachdem bereits erhebliche Kursgewinne erzielt wurden und die Berichterstattung ihren Höhepunkt erreicht hat.

Die Renditen konnten mit den Erwartungen nicht Schritt halten

Noch deutlicher wird die Entwicklung beim Blick auf die Kursdaten.

Der Wasserstoff-Spezialist Plug Power verlor innerhalb von fünf Jahren fast 90 Prozent seines Börsenwertes. Bei Canopy Growth, einem der bekanntesten Cannabis-Unternehmen weltweit, beläuft sich der Verlust sogar auf rund 99 Prozent. Auch Roblox, einer der bekanntesten Vertreter des Metaverse-Trends, notiert deutlich unter früheren Höchstständen.

Wasserstoff, Metaverse & Co.: Desaströse Performance.
5-Jahres-Performance (jeweils eine Einzelaktie und ein ETF aus Sektoren Wasserstoff, Cannabis & Metaverse). Quelle: finanzen.net. Darstellung: boersen-parkett.de.

Selbst Anleger, die auf thematische ETFs statt auf Einzelaktien setzten, blieben häufig hinter den Erwartungen zurück. Der betrachtete Cannabis-ETF verlor in den vergangenen fünf Jahren rund 87 Prozent seines Wertes. Auch der Metaverse-ETF verzeichnete eine negative Gesamtperformance. Lediglich der Wasserstoff-ETF konnte im Vergleichszeitraum ein leichtes Plus erzielen – allerdings weit entfernt von den Renditeerwartungen, die während des Hypes vielerorts geweckt wurden.

Wie die Infografik zeigt, konnten selbst breit gestreute Produkte Anleger oftmals nicht vor den Folgen überzogener Erwartungen schützen.

Studien zeichnen ein ernüchterndes Bild für Themen-ETFs

Dabei handelt es sich keineswegs um Einzelfälle. Untersuchungen von Morningstar kommen zu dem Ergebnis, dass lediglich rund 20 Prozent aller Themen-ETFs ihren Vergleichsmarkt langfristig schlagen können. Vier von fünf Produkten bleiben hinter klassischen Marktindizes zurück.

Großteil der Themen-ETFs bleibt hinter Markt zurück. Grafik von boersen-parkett.de.
Anteil der Themen-ETFs, die den Markt schlagen. Quelle: Morningstar. Darstellung: boersen-parkett.de.

Ein möglicher Grund: Viele Themenfonds werden erst dann aufgelegt oder besonders stark nachgefragt, wenn ein Trend bereits breite Aufmerksamkeit genießt. Anleger investieren somit häufig in einer Phase, in der ein erheblicher Teil der Zukunftserwartungen bereits in den Kursen enthalten ist.

Die Folge sind oftmals Bewertungen, die sich später nur schwer rechtfertigen lassen.

Nicht jeder Hype endet zwangsläufig mit einem Absturz

Die wichtigste Erkenntnis der Infografik lautet jedoch nicht, dass Anleger populäre Zukunftsthemen grundsätzlich meiden sollten. Vielmehr zeigt die Analyse, dass hohe Aufmerksamkeit allein kein verlässlicher Indikator für zukünftige Renditen ist.

Gerade aktuell stehen bereits neue Narrativen im Fokus der Märkte. Dazu zählen KI-Aktien, Rüstungswerte, Space-Unternehmen und sogenannte Bitcoin-Treasury-Aktien, die große Teile ihrer Bilanz in Bitcoin investieren. Einige Marktbeobachter warnen bereits vor Übertreibungen und sprechen von einer Wiederholung früherer Hype-Zyklen.

Gleichzeitig zeigt die Börsengeschichte, dass nicht jedes populäre Thema zwangsläufig scheitert. So wurde beispielsweise auch der Börsengang von SpaceX von einigen Marktteilnehmern kritisch begleitet. In sozialen Netzwerken war wiederholt von möglicher „Exit Liquidity“ für Privatanleger die Rede. Die bisherige Kursentwicklung zeichnet jedoch ein anderes Bild: Die Aktie zählt bislang zu den erfolgreichsten Börsengängen der vergangenen Jahre.

Die eigentliche Herausforderung für Anleger besteht deshalb nicht darin, Hype-Themen grundsätzlich zu meiden. Entscheidend ist vielmehr die Frage, ob die hohen Erwartungen am Ende tatsächlich erfüllt werden können.

Wie die Infografik zeigt, waren Wasserstoff-, Cannabis- und Metaverse-Aktien zeitweise die beliebtesten Anlagethemen Deutschlands. Für viele Investoren erwiesen sie sich jedoch nicht als die besten Investments. Ob die heutigen Favoriten eines Tages einen ähnlichen Verlauf nehmen oder zu den großen Gewinnern des Jahrzehnts gehören werden, dürfte sich erst in einigen Jahren mit Sicherheit beurteilen lassen.

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