XRP Ledger soll bis 2028 quantensicher werden – Ripple reagiert auf Googles Warnung

Alex Merten

21.04.2026, 08:04 Uhr

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Drei Wochen nach einem Paukenschlag aus dem Silicon Valley zieht Ripple Konsequenzen: Am 20. April hat das Unternehmen einen konkreten Fahrplan veröffentlicht, wie der XRP Ledger bis 2028 gegen Quantencomputer abgesichert werden soll.

Der Auslöser war ein Whitepaper von Google Quantum AI vom 30. März. Darin zeigen Googles Forscher, dass künftige Quantencomputer die elliptische Kurvenkryptografie, auf der fast alle Blockchains basieren, mit deutlich weniger Rechenaufwand brechen könnten als bislang angenommen. Konkret geht es um eine rund 20-fache Effizienzsteigerung bei Shors Algorithmus – das Verfahren, mit dem Quantencomputer klassische Verschlüsselung knacken könnten. Angriffe sind heute noch nicht möglich, aber der Horizont rückt näher.

Besonders brisant ist dabei ein Angriffsszenario, das Forscher „Harvest now, decrypt later“ nennen: Angreifer sammeln bereits heute öffentlich sichtbare Kryptodaten von der Blockchain und warten, bis die Quantenhardware mächtig genug ist, sie zu entschlüsseln. Für XRP-Halter, die regelmäßig Transaktionen signieren, heißt das: Ihr öffentlicher Schlüssel wird bei jeder Transaktion auf der Chain sichtbar – und könnte theoretisch schon heute auf Vorrat abgegriffen werden.

Ripples Antwort: vier Phasen bis 2028

Ripple reagiert mit einem gestaffelten Plan. Noch im ersten Halbjahr 2026 startet die Testphase mit quantenresistenten Signaturverfahren nach NIST-Standard – darunter ML-DSA, das bereits auf einem XRPL-Testnetz läuft. Partner Project Eleven entwickelt parallel einen Prototyp einer quantensicheren Custody-Wallet. Ab der zweiten Jahreshälfte laufen neue und alte Signaturverfahren auf dem Devnet parallel. Die vollständige Netzwerkmigration ist für spätestens 2028 geplant – ein Jahr früher als Ethereums angepeilter Zeitplan von 2029.

Für den Fall eines ungeplanten „Q-Day“ hat Ripple einen Notfallmechanismus entwickelt: Über Zero-Knowledge-Proofs sollen Nutzer Eigentumsrechte an bestehenden Schlüsseln nachweisen können, ohne sie offenzulegen, und Guthaben sicher migrieren.

XRP strukturell im Vorteil – aber auch Bitcoin und Ethereum schlafen nicht

Die Ethereum Foundation hat vergangene Woche ein Post-Quantum-Forschungsportal gestartet, das auf acht Jahren Vorarbeit basiert, mit wöchentlich aktualisierten Testnetzwerken und einem Upgrade-Fahrplan bis 2029. Bitcoin hingegen steht vor einem komplizierteren Problem: Sein dezentrales Governance-Modell macht Upgrades langsamer und konfliktreicher als bei anderen Netzwerken – ein struktureller Nachteil, den selbst ein Nobelpreisträger der Quantenphysik öffentlich bemängelt hat.

Ripple verweist darauf, dass der XRP Ledger nativ den Wechsel kryptografischer Schlüssel unterstützt, ohne dass Nutzer ihre Konten aufgeben müssen – ein Vorteil gegenüber Ethereum, wo eine solche Migration aufwendiger wäre. Ob der Zeitplan bis 2028 hält, bleibt abzuwarten. Klar ist: Der Startschuss für das Quantenwettrüsten in der Kryptobranche ist gefallen. Ob und inwiefern die Ripple Prognose davon betroffen ist, ist noch nicht abzusehen.

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