Relai ist eine Bitcoin-only-App aus der Schweiz, die auf Selbstverwahrung und einfaches Bitcoin-Sparen setzt. Dieser Erfahrungsbericht ordnet Gebühren, Regulierung, Sicherheit und Grenzen der App datenbasiert ein – für alle, die vor dem ersten Kauf wissen wollen, für wen sich Relai wirklich eignet.
Relai Erfahrungen auf einen Blick
Relai ist eine selbstverwahrende Bitcoin-only-App aus Zürich mit einem Handelsvolumen von über einer Milliarde US-Dollar. Die Standardgebühr liegt bei 1,0 % pro Kauf oder Verkauf und sinkt mit Empfehlungscode auf 0,9 %; der erste Auto-Invest bis 100 €/CHF pro Monat ist gebührenfrei. Stärken sind einfache Bedienung, echte Self-Custody und doppelte Regulierung (FINMA Schweiz + MiCA-Lizenz der französischen AMF seit Oktober 2025). Schwächen sind der fehlende Altcoin-Zugang, keine Zwei-Faktor-Authentifizierung und höhere Gebühren bei Kleinstbeträgen.
Was ist Relai?
Relai ist eine Schweizer Bitcoin-App, die konsequent auf einen einzigen Zweck ausgelegt ist: Bitcoin einfach kaufen, sparen und selbst verwahren. Das Unternehmen wurde 2020 in Zürich von Julian Liniger (CEO) und Adem Bilican (CTO) gegründet und positioniert sich bewusst als „Bitcoin-only“-Anbieter – Altcoins, Staking oder komplexe Handelsprodukte sucht man vergeblich. Genau diese Reduktion ist Programm.
Der zentrale Unterschied zu klassischen Krypto-Börsen liegt im Verwahrmodell. Relai ist selbstverwahrend (self-custodial): Die gekauften Bitcoin landen direkt in einer Wallet, auf die ausschließlich der Nutzer über eine zwölfteilige Seed-Phrase Zugriff hat. Relai verwahrt zu keinem Zeitpunkt Kundengelder. Nach Anbieterangaben verzeichnet die App inzwischen über 500.000 Downloads und ein kumuliertes Handelsvolumen von mehr als einer Milliarde US-Dollar (Quelle: Relai, Stand siehe Aktualisierung). Relai ist ausschließlich als Smartphone-App für iOS und Android verfügbar – eine Desktop- oder Web-Version existiert nicht.
Wie hoch sind die Gebühren bei Relai?
Die Standardgebühr bei Relai beträgt derzeit 1,0 % pro Kauf oder Verkauf und lässt sich mit einem Empfehlungscode auf 0,9 % senken. Diese Gebühr ist bereits im angezeigten Bitcoin-Preis enthalten, sodass vor der Bestätigung transparent ersichtlich ist, was am Ende zu zahlen ist. Die frühere, deutlich höhere Gebührenstruktur von 2,0 bis 2,5 % wurde im Dezember 2024 spürbar reduziert.
Ein Alleinstellungsmerkmal ist der gebührenfreie Einstieg: Der erste monatliche Auto-Invest-Sparplan bis zu 100 €/CHF ist komplett kostenlos – über ein Jahr gerechnet also bis zu 1.200 €/CHF ohne Handelsgebühr. Für Kartenzahlungen fällt hingegen ein deutlicher Aufschlag an. Die folgende Übersicht fasst die Gebührenstruktur zusammen:
| Gebührenart | Höhe | Anmerkung |
|---|---|---|
| Standardgebühr Kauf/Verkauf | 1,0 % | im Bitcoin-Preis enthalten |
| Mit Empfehlungscode | 0,9 % | 10 % Rabatt auf die reguläre Gebühr |
| Erster Auto-Invest / Monat (bis 100 €/CHF) | 0,0 % | dauerhafte Aktion, gebührenfrei |
| Kreditkarte / Apple Pay / Google Pay | +3,0 % | zusätzlich zur Handelsgebühr |
| Bitcoin-Netzwerkgebühr (Kauf) | übernimmt Relai | trägt der Anbieter |
| Bitcoin-Netzwerkgebühr (Auszahlung/Verkauf) | variabel | trägt der Nutzer, da self-custodial |
| SEPA-Überweisung | keine Relai-Gebühr | ggf. Kosten der eigenen Bank |
Für die Einordnung wichtig: Bei sehr kleinen Einmalkäufen wirken sich Fixkosten stärker aus, weshalb Relai hier nicht der günstigste Anbieter am Markt ist. Wer regelmäßig über den kostenlosen Sparplan investiert, profitiert dagegen deutlich – hier spielt das Modell seine Stärke aus.
Regulierung & Lizenz: Wie sicher ist Relai rechtlich aufgestellt?
Relai ist doppelt reguliert und gehört damit zu den regulatorisch am stärksten abgesicherten Bitcoin-Apps im deutschsprachigen Raum. In der Schweiz operiert das Unternehmen im Rahmen der FINMA-Aufsicht und ist Mitglied der Selbstregulierungsorganisation VQF. Der entscheidende Schritt für EU-Nutzer erfolgte im Oktober 2025.
Am 28. Oktober 2025 erhielt Relai von der französischen Finanzmarktaufsicht AMF die Zulassung als Crypto-Asset Service Provider (CASP) gemäß der EU-Verordnung MiCA. Damit zählt Relai zu den ersten reinen Bitcoin-Unternehmen mit einer MiCA-Lizenz überhaupt. Die Lizenz erlaubt es, regulierte Dienste nach Abschluss des sogenannten Passporting-Verfahrens EU-weit anzubieten – auch in Deutschland und Österreich. Ein direkter praktischer Vorteil der EU-Lizenz ist die Einführung von Echtzeitüberweisungen (Instant SEPA), mit denen europäische Nutzer Bitcoin innerhalb von Sekunden kaufen können.
| Regulierungsaspekt | Status |
|---|---|
| Schweizer Aufsicht | FINMA-Rahmen, VQF-Mitgliedschaft |
| EU-Lizenz | MiCA-CASP-Lizenz der AMF (Frankreich), seit 28.10.2025 |
| EU-weite Nutzung | über Passporting, im Aufbau (u. a. DE/AT) |
| KYC-Verifizierung | seit 31.10.2024 verpflichtend |
| Bekannte Sicherheitsvorfälle | keine seit Gründung 2020 |
Sicherheit & Self-Custody: Wo liegen die Bitcoin wirklich?
Das Sicherheitsmodell von Relai unterscheidet sich strukturell von dem klassischer Krypto-Börsen. Da die App selbstverwahrend ist, liegen die Bitcoin nicht auf Unternehmensservern, sondern in einer Wallet unter alleiniger Kontrolle des Nutzers. Ein hypothetischer Hack der Relai-Infrastruktur würde deshalb keine Kundenbestände gefährden – ein grundlegender Unterschied zu verwahrenden Anbietern.
Der Zugang basiert auf einer zwölfteiligen Seed-Phrase (Wiederherstellungsphrase), die beim Einrichten der Wallet erzeugt wird. Wer diese Phrase sicher aufbewahrt, behält jederzeit die volle Kontrolle – wer sie verliert, verliert allerdings auch den Zugriff. Diese Eigenverantwortung ist der Preis der Selbstverwahrung. Bitcoin lassen sich zudem jederzeit auf eine externe Hardware-Wallet wie Ledger oder Trezor übertragen.
Ein klarer Kritikpunkt bleibt: Relai bietet keine Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) für den App-Zugang. Für eine Finanz-App ist das ein relevantes Versäumnis, das in die persönliche Risikoabwägung einfließen sollte. Wer maximale Sicherheit anstrebt, sollte die Coins konsequent auf eine eigene Hardware-Wallet auslagern.
Funktionen & Bedienung
In puncto Bedienung ist Relai bewusst schlank gehalten. Die App führt Schritt für Schritt durch Kauf und Wallet-Einrichtung, ohne technisches Vorwissen vorauszusetzen – ein Kauf ist in wenigen Minuten abgeschlossen. Für Einsteiger ist das ein echter Vorteil; wer Charts, komplexe Ordertypen oder Trading-Tools erwartet, wird den reduzierten Funktionsumfang dagegen als Einschränkung empfinden.
Die wichtigste wiederkehrende Funktion ist der Auto-Invest-Sparplan, mit dem automatisiert wöchentlich, zweiwöchentlich oder monatlich Bitcoin gekauft wird. Damit lässt sich der Cost-Average-Effekt nutzen, ohne den Markt aktiv timen zu müssen. Ergänzend ist eine Lightning-Wallet direkt in die App integriert, über die sich Bitcoin schnell und günstig senden und empfangen lassen. Praktisch für Sparer: Käufe lassen sich direkt an eine externe Wallet-Adresse ausliefern.
Zahlungsmethoden
Relai unterstützt mehrere Zahlungswege, die sich in Kosten und Geschwindigkeit unterscheiden. Die klassische SEPA-Überweisung ist die günstigste Variante, da Relai hier keine zusätzlichen Zahlungsgebühren erhebt; sie eignet sich besonders für größere oder regelmäßige Käufe. Seit Erhalt der EU-Lizenz steht EU-Nutzern zusätzlich Instant SEPA für Sofortkäufe in Euro zur Verfügung.
- SEPA-Überweisung: keine Relai-Gebühr, 1–2 Werktage (Standard) bzw. Sekunden (Instant SEPA).
- Kreditkarte/Debitkarte (Visa, Mastercard): sofort, aber +3,0 % Aufschlag.
- Apple Pay / Google Pay: sofort, ebenfalls +3,0 % Aufschlag.
Der Mindestbetrag pro Kauf liegt bei 50 €/CHF. Ein Kauf über PayPal ist derzeit nicht möglich. Bezahlt werden kann in Euro und Schweizer Franken.
Vor- & Nachteile von Relai
Vorteile
- Echte Selbstverwahrung – nur der Nutzer kontrolliert die Bitcoin
- Doppelte Regulierung (FINMA + MiCA-Lizenz der AMF)
- Sehr einfache Bedienung, ideal für Einsteiger
- Erster Sparplan bis 100 €/CHF pro Monat gebührenfrei
- Auto-Invest für Cost-Average-Strategie
- Integrierte Lightning-Wallet, Kauf direkt auf externe Wallet
- Keine bekannten Sicherheitsvorfälle seit 2020
Nachteile
- Bitcoin-only – keine Altcoins, kein Staking
- Keine Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA)
- Gebühren bei Kleinstbeträgen vergleichsweise hoch
- +3,0 % Aufschlag bei Kartenzahlung
- Keine Desktop-/Web-Version
- Keine Charts oder erweiterten Trading-Tools
Für wen eignet sich Relai?
Relai richtet sich an eine klar umrissene Zielgruppe: langfristig orientierte Bitcoin-Sparer, die Wert auf Selbstverwahrung und Einfachheit legen. Wer per Sparplan regelmäßig kleine Beträge in Bitcoin anlegen und die Coins in eigener Kontrolle behalten möchte, findet in Relai ein durchdachtes Werkzeug. Auch Einsteiger, die sich nicht mit komplexen Börsenoberflächen auseinandersetzen wollen, profitieren von der reduzierten Bedienung.
Weniger geeignet ist Relai für alle, die ein breit diversifiziertes Krypto-Portfolio mit Altcoins aufbauen, aktiv traden oder Zusatzfunktionen wie Staking nutzen möchten. Für diese Nutzer sind Multi-Asset-Plattformen die passendere Wahl. Ebenso sollten sicherheitsbewusste Nutzer die fehlende 2FA einkalkulieren und ihre Bestände auf eine Hardware-Wallet auslagern.
Fazit: Lohnt sich Relai?
Relai überzeugt als spezialisierte Bitcoin-App dort, wo es auf Einfachheit, Selbstverwahrung und regulatorische Substanz ankommt. Die Kombination aus doppelter Regulierung, echter Self-Custody und einem gebührenfreien Sparplan-Einstieg macht die App zu einer der überzeugendsten Optionen für langfristige Bitcoin-Sparer im deutschsprachigen Raum. Die auf 0,9 bis 1,0 % gesenkten Gebühren sind wettbewerbsfähig, wenn auch nicht die niedrigsten am Markt.
Die Grenzen sind klar benannt: Der Bitcoin-only-Fokus schließt Altcoin-Investoren aus, und die fehlende Zwei-Faktor-Authentifizierung ist ein Punkt, der nachgebessert gehört. Für die anvisierte Zielgruppe – Sparer, die planvoll und selbstbestimmt Bitcoin akkumulieren – überwiegen die Stärken jedoch deutlich. Wer genau das sucht, für den ist Relai eine fundierte Empfehlung; wer Diversifikation oder aktives Trading braucht, sollte sich anderweitig umsehen.