189 Millionen Dollar für Einfluss: Wie die Krypto-Industrie den US-Wahlkampf 2026 prägt

Raphael Lulay

02.07.2026, 05:30 Uhr

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Die Krypto-Industrie ist zum größten Einzelfaktor unter den Unternehmensspendern im laufenden US-Wahlzyklus geworden. Nach einer Auswertung der Interessenvertretung Public Citizen, die auf offiziellen Daten der US-Wahlbehörde FEC basiert, haben Krypto-Konzerne bislang 189 Millionen US-Dollar zur Beeinflussung der Zwischenwahlen 2026 aufgewendet. Das entspricht rund 37 Prozent der insgesamt offengelegten Unternehmensspenden von 517 Millionen US-Dollar.

Die Gesamtsumme markiert bereits jetzt, Monate vor dem Wahltag, einen Rekord. Sie liegt zwölf Prozent über den 461 Millionen US-Dollar, die Unternehmen über den kompletten Wahlzyklus 2024 aufwendeten, und übertrifft das Volumen der letzten Zwischenwahl 2022 um fast das Dreifache. Rund ein Drittel aller Unternehmensausgaben, die seit dem Grundsatzurteil Citizens United von 2010 geflossen sind, entfällt damit allein auf den aktuellen Zyklus.

Balkendiagramm der größten Geldgeber aus der Krypto- und Tech-Branche im US-Wahlkampf 2026: Andreessen Horowitz 51,6 Mio. Dollar, Ripple Labs 49,6 Mio., Crypto.com 38,6 Mio., Coinbase 35,2 Mio., Winklevoss/Gemini 25,7 Mio., Cantor Fitzgerald 10 Mio., Blockchain.com 5 Mio. Krypto-Unternehmen stellen mit 189 Mio. Dollar rund 37 Prozent aller offengelegten Unternehmensspenden. Quelle: Public Citizen.

Bemerkenswert ist die Verteilung an der Spitze. Größter einzelner Geldgeber ist mit 51,65 Millionen US-Dollar die Risikokapitalgesellschaft Andreessen Horowitz, die sowohl in Krypto- als auch in KI-Firmen investiert. Der Großteil dieser Summe floss allerdings nicht an ein Krypto-Vehikel, sondern an den auf künstliche Intelligenz ausgerichteten Super-PAC Leading the Future. Unter den originären Krypto-Spendern liegt Ripple mit 49,6 Millionen US-Dollar vorn, gefolgt von Crypto.com mit 38,6 Millionen und Coinbase mit 35,2 Millionen US-Dollar. Rechnet man die Beträge von Gemini und den Gründern Tyler und Cameron Winklevoss hinzu, summieren sich die Spenden dieser vier Krypto-Gruppen auf rund 149 Millionen US-Dollar.

Wohin das Geld fließt: Super-PACs als Sammelbecken

Der überwiegende Teil der Mittel landet nicht direkt bei einzelnen Kandidaten, sondern bei politischen Aktionskomitees, die eng mit der Branche verbunden sind. Der auf digitale Vermögenswerte spezialisierte Super-PAC Fairshake erhielt 82,6 Millionen US-Dollar aus dem Sektor und zählt damit zu den größten Empfängern. Weitere 56,2 Millionen US-Dollar gingen an MAGA Inc., das zur Unterstützung von US-Präsident Donald Trump gegründete Komitee. Ein dritter krypto-naher PAC, der Fellowship PAC, wird maßgeblich von der Wall-Street-Firma Cantor Fitzgerald mit zehn Millionen US-Dollar getragen. Cantor Fitzgerald gilt als Bankpartner des Stablecoin-Emittenten Tether.

Diese Struktur ist kein Zufall, sondern Methode. Die Komitees ordnen die Interessen ihrer Geldgeber bewusst über die klassische Parteilinie und greifen sowohl in demokratische als auch in republikanische Vorwahlen ein. Nach dem Vorbild, das die Krypto-Branche bereits im Präsidentschaftswahlkampf 2024 etabliert hat, geht es weniger um ein politisches Lager als um verlässliche Unterstützung branchenfreundlicher Regulierung.

Krypto als Blaupause für andere Branchen

Die Auswertung zeigt zudem, dass die Krypto-Branche andere Zukunftssektoren bei den politischen Ausgaben deutlich überflügelt. Unternehmen aus den Bereichen künstliche Intelligenz und Big Tech steuerten im gleichen Zeitraum zusammen rund 60 Millionen US-Dollar bei, Online-Wettanbieter weitere 45,6 Millionen. Gemeinsam entfielen auf diese vier Branchen 294 Millionen US-Dollar der bislang gemeldeten Unternehmensspenden – ein Anteil von 57 Prozent, bei dem Kryptowährungen das mit Abstand größte Gewicht tragen.

Public Citizen weist ausdrücklich darauf hin, dass die tatsächlichen Summen höher liegen dürften als die veröffentlichten Zahlen. Nicht jede Ausgabe wird der FEC gemeldet, hinzu kommen sogenannte Dark-Money-Strukturen und Ausgaben auf bundesstaatlicher Ebene. Meta etwa investiert nach Angaben der Organisation zusätzlich 65 Millionen US-Dollar in nicht-föderale Komitees. Die Kernkritik der Organisation zielt darauf, dass branchenspezifische Komitees gezielt Kandidaten fördern, die den wirtschaftlichen Interessen ihrer Geldgeber nahestehen.

Für Anleger ist die Entwicklung doppeldeutig. Einerseits verschafft sich die Branche eine politische Durchsetzungskraft, die bei künftigen Regulierungsfragen ins Gewicht fallen kann – etwa bei Stablecoin-Gesetzgebung oder der Zuständigkeit von Aufsichtsbehörden. Andererseits macht die schiere Größe der Beträge deutlich, wie stark die regulatorische Zukunft des Sektors inzwischen von politischen Machtverhältnissen abhängt, deren Ausgang offen ist. Wie belastbar der eingekaufte Einfluss tatsächlich ist, wird sich erst nach den Zwischenwahlen im November zeigen.