AllUnity bringt mit SEKAU den ersten Krona-Stablecoin – und setzt auf KI-Zahlungen

Raphael Lulay

21.05.2026, 07:17 Uhr

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Das Frankfurter Stablecoin-Unternehmen AllUnity hat am Mittwoch SEKAU angekündigt – nach eigenen Angaben den weltweit ersten vollständig reservierten Stablecoin auf Basis der schwedischen Krone. Der Token soll im Juni 2026 starten, vorbehaltlich der finalen Freigabe durch die BaFin. Gleichzeitig stellte AllUnity mit „Agentic Payments“ eine Zahlungsinfrastruktur vor, die auf Transaktionen durch KI-Agenten zielt. Genau diese zweite Ankündigung dürfte langfristig schwerer wiegen als der Krona-Token selbst.

SEKAU wird 1:1 durch Kronenreserven gedeckt und unter der EU-Verordnung MiCAR als regulierter E-Geld-Token (EMT) ausgegeben. Inhaber haben laut Art. 49 MiCAR ein gesetzliches Rücknahmerecht zum Nennwert. Hinter AllUnity stehen die DWS (Deutsche-Bank-Tochter), der Market Maker Flow Traders und der Krypto-Finanzdienstleister Galaxy. Das Unternehmen hält eine E-Geld-Lizenz unter BaFin-Aufsicht und reiht SEKAU damit in ein Portfolio ein, das bereits den Euro-Stablecoin EURAU und den Franken-Token CHFAU umfasst.

Warum eine kleine Nordwährung statt der großen Märkte?

Der Schritt wirkt auf den ersten Blick ungewöhnlich: Statt sich auf die größten Währungsräume zu konzentrieren, baut AllUnity eine Reihe von Stablecoins auf lokale Einheiten auf – EUR, CHF und nun SEK. Der Markt liefert die Begründung. Rund 99 Prozent des globalen Stablecoin-Volumens entfallen weiterhin auf Dollar-gedeckte Token wie USDT und USDC. SEKAU zählt damit zu den wenigen regulierten Nicht-Dollar-Alternativen überhaupt.

Schweden eignet sich als Testfeld besonders: Das Land gehört zu den am weitesten fortgeschrittenen bargeldlosen Volkswirtschaften der Welt. „Dieser Übergang erfordert auch eine neue Form des digitalen Geldes, die interoperabel und weltweit zugänglich ist“, erklärte AllUnity-CEO Alexander Höptner. SEKAU sei dafür konzipiert, rund um die Uhr abzuwickeln und grenzüberschreitende sowie programmierbare Zahlungen zu ermöglichen. Adressiert wird ausdrücklich ein B2B-Publikum – Banken, Fintechs und Unternehmen, nicht der private Endkunde.

Agentic Payments: AllUnity zielt auf das KI-Zahlungsgeschäft

Der zweite Teil der Ankündigung ist strategisch der interessantere. Mit Agentic Payments will AllUnity eine Zahlungsschicht bereitstellen, über die Unternehmen Zahlungen von autonomen KI-Agenten annehmen und in lokaler Währung direkt auf ihr Geschäftskonto abrechnen können. Technische Basis ist x402, ein offener Bezahlstandard für KI-gestützten Handel. Die Abwicklung erfolgt laut Unternehmen nahezu in Echtzeit – schneller und günstiger als über klassische Korrespondenzbank-Schienen.

Die Begründung dahinter ist eine These zum Strukturwandel im Netz. COO und CTO Peter Grosskopf erwartet, dass das agentische Web die bekannte „Click Economy“ auflösen werde: Wenn KI-Agenten im Auftrag von Nutzern browsen, entscheiden und bezahlen, funktionierten werbe- und abofinanzierte Geschäftsmodelle des Web 2.0 schlicht nicht mehr. Europa brauche dafür regulierte, vertrauenswürdige Schienen – und diese Lücke will AllUnity besetzen.

Europäisches Stablecoin-Rennen nimmt Fahrt auf

AllUnity ist mit dieser Doppel-Ankündigung nicht allein. Unter dem MiCA-Rahmen positionieren sich derzeit mehrere europäische Akteure mit lokalwährungsgedeckten Token. Parallel arbeitet ein Konsortium aus 37 europäischen Kreditinstituten an einem konkurrierenden, MiCA-konformen Euro-Stablecoin, dessen Start für die zweite Jahreshälfte 2026 angepeilt ist. Der Wettbewerb um eine regulierte, nicht-dollarbasierte digitale Geldinfrastruktur in Europa verschärft sich also spürbar.

Für AllUnity bleibt der entscheidende Punkt die Umsetzung. Der für Juni geplante SEKAU-Start steht weiterhin unter dem Vorbehalt regulatorischer und operativer Freigaben. Bis dahin ist SEKAU eine Absichtserklärung – wenn auch eine mit prominenten Geldgebern und einem klaren strategischen Rahmen.

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