- Auf der Bitcoin-Blockchain wurden im dritten Quartal 2026 rund 62,06 Millionen Transaktionen erfasst – 46,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
- Der um Wechselgeld bereinigte Dollarwert der On-Chain-Transfers sank im selben Vergleich um 48,7 Prozent auf 1,16 Billionen US-Dollar.
- Der Medianwert eines Transfers fiel laut 21shares und Glassnode von 152 auf 62 US-Dollar.
- Bitcoin-Zahlungen finden auch außerhalb der Blockchain statt: River schätzte das monatliche Lightning-Volumen für November 2025 auf 1,17 Milliarden US-Dollar.
Mehr Transaktionen, aber deutlich weniger bewegter Wert: Die Bitcoin-Blockchain hat im dritten Quartal 2026 zwei gegenläufige Entwicklungen verzeichnet. Während die Zahl der Transaktionen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 47 Prozent zulegte, halbierte sich der bereinigte Dollarwert der Transfers nahezu.
Die am 2. November veröffentlichte Auswertung von 21shares auf Basis von Glassnode-Daten wirft damit eine interessante Frage auf: Was sagt die Zahl der Transaktionen überhaupt über die Nutzung des Netzwerks aus?
Quelle: 21shares / Glassnode. Der Transferwert ist um erkanntes Wechselgeld bereinigt und wird in US-Dollar gemessen. Datenstand: 30. September 2026.
Bitcoin-Transfers: Mehr Vorgänge, kleinere Beträge
Insgesamt zählten 21shares und Glassnode im dritten Quartal rund 62,06 Millionen Transaktionen. Der bereinigte Wert der On-Chain-Transfers lag bei etwa 1,16 Billionen US-Dollar. Im Vorjahresvergleich ging dieser Wert um 48,7 Prozent zurück.
Auch bei der Größe einzelner Transfers gab es eine Verschiebung: Der Median sank laut der Auswertung von 152 US-Dollar im dritten Quartal 2025 auf 62 US-Dollar ein Jahr später. Der Median teilt die erfassten Transferwerte in zwei Hälften – er wird damit weniger stark von einzelnen besonders großen Transfers beeinflusst als ein Durchschnitt.
Hinzu kommt: Im Tagesdurchschnitt waren rund 639.000 Bitcoin-Adressen aktiv. Das waren 11,5 Prozent weniger als im Vorjahresquartal, obwohl die Transaktionszahl stieg. Eine Adresse ist allerdings keine Person: Nutzer können mehrere Adressen verwenden, während eine Börsenadresse Transaktionen vieler Kunden bündeln kann.
Für Anleger, die Bitcoin-Statistiken verfolgen, liegt darin der entscheidende Punkt: Die Transaktionszahl beschreibt, wie viele Vorgänge auf der Blockchain verarbeitet werden. Ob dahinter mehr Menschen, größere Zahlungen oder eine stärkere wirtschaftliche Nutzung stehen, lässt sich daraus allein nicht ablesen.
Eine Transaktion kann mehrere Zahlungen enthalten
Der Aufbau von Bitcoin erschwert den direkten Vergleich mit gewöhnlichen Überweisungen. Eine On-Chain-Transaktion kann mehrere Empfänger enthalten. Dienste wie Kryptobörsen können Auszahlungen bündeln und so mehrere Zahlungen gemeinsam auf der Blockchain abwickeln. Bitcoin Optech beschreibt dieses Verfahren als Payment Batching.
Umgekehrt können Wallet-Betreiber Bitcoin zwischen eigenen Adressen verschieben. Solche Bewegungen erscheinen ebenfalls auf der Blockchain. Glassnode bereinigt den hier verwendeten Transferwert um erkanntes Wechselgeld innerhalb einer Transaktion. Damit sind jedoch nicht automatisch sämtliche Transfers zwischen Wallets desselben Eigentümers ausgeschlossen.
Die Daten belegen deshalb keine einzelne Ursache für die gegenläufige Entwicklung. Kleinere Transferwerte, technische Transaktionsmuster und der Bitcoin-Kurs können das Bild beeinflussen. Da der Transferwert in US-Dollar angegeben wird, spielt auch die Bewertung der bewegten Bitcoin zum jeweiligen Zeitpunkt eine Rolle.
Lightning ergänzt das Bild – mit einem anderen Messzeitraum
Ein Blick auf das Lightning Network zeigt, warum die Blockchain-Zahlen nicht die gesamte Bitcoin-Zahlungsaktivität erfassen. Lightning ermöglicht Zahlungen über separate Zahlungskanäle; nicht jede einzelne Zahlung wird als eigene Transaktion auf der Bitcoin-Blockchain verbucht.
Der Bitcoin-Finanzdienstleister River schätzte das monatliche Lightning-Transfervolumen für November 2025 auf 1,17 Milliarden US-Dollar. Ein Jahr zuvor hatte die Schätzung für November 2024 bei rund 286,5 Millionen US-Dollar gelegen. Grundlage waren unter anderem Daten mehrerer Lightning-Anbieter.
Quelle: River, Bitcoin Adoption Report 2026. Schätzungen für zwei einzelne Monate; nicht direkt mit den On-Chain-Quartalswerten vergleichbar.
Das ist eine ältere Schätzung und kein Beleg dafür, dass Lightning im dritten Quartal 2026 den Rückgang des On-Chain-Transferwerts aufgefangen hat. Sie macht aber sichtbar, dass sich ein Teil der Bitcoin-Zahlungsaktivität außerhalb der Basisschicht abspielt.
21shares führt für Ende September 2026 zusätzlich eine öffentliche Lightning-Kapazität von 3.767 Bitcoin an – 19,3 Prozent weniger als Ende Juni. Diese Kennzahl erfasst die in öffentlich sichtbaren Kanälen gebundene Kapazität. Sie misst weder das tatsächlich abgewickelte Zahlungsvolumen noch private Kanäle.
Was die Zahlen für Bitcoin-Anleger bedeuten
Die stärkere Aktivität auf der Blockchain und der rückläufige Dollarwert müssen sich nicht widersprechen. Sie beschreiben unterschiedliche Eigenschaften desselben Netzwerks: die Zahl der verarbeiteten Vorgänge und den Wert der erfassten Transfers. Der Rückgang des Medianwerts ergänzt dieses Bild um einen Hinweis auf kleinere einzelne Transfers.
Wer daraus eine Aussage über die Verbreitung von Bitcoin ableiten möchte, sollte deshalb mehrere Kennzahlen gemeinsam betrachten – darunter aktive Adressen, Transferwerte und die Entwicklung zusätzlicher Zahlungswege. Gerade für die Frage, wie viel Anleger in Bitcoin investieren möchten, liefert die Transaktionszahl allein keine Aussage über die Nachfrage nach dem Vermögenswert.
Die offene Frage für die kommenden Quartale lautet vielmehr, ob der bereinigte Transferwert wieder zunimmt und wie sich parallel die Zahlungsaktivität außerhalb der Blockchain entwickelt. Erst beide Perspektiven zusammen ergeben ein aussagekräftigeres Bild der Bitcoin-Nutzung.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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