- Am 3. November 2026 wählen die USA ein neues Repräsentantenhaus und einen Teil des Senats.
- Nach den Midterms 2014, 2018 und 2022 lag Bitcoin zwölf Monate später jeweils im Plus: zwischen 24,5 und 92,3 Prozent.
- Auf dem Weg dorthin gab es starke Rückschläge: In den ersten 180 Tagen nach den Wahlen fiel Bitcoin zwischenzeitlich um bis zu 50,7 Prozent unter den jeweiligen Wahltagesschlusskurs.
- Die Geschichte umfasst nur drei vergleichbare Wahlzyklen. Auch der Bitcoin-Zyklus und Ereignisse wie die FTX-Pleite beeinflussten den Markt.
Die US-Zwischenwahlen stehen vor der Tür – und für Bitcoin-Anleger fällt der Blick auf eine auffällige Statistik: Nach den vergangenen drei Midterms legte der Kurs innerhalb eines Jahres jedes Mal zweistellig zu. Im Durchschnitt waren es rund 53,9 Prozent.
Wer daraus auf eine unmittelbare Rally nach dem Wahltag schließt, übersieht allerdings einen entscheidenden Teil der Geschichte. Gerade 2014 und 2018 mussten Anleger zunächst erhebliche Verluste aushalten, bevor Bitcoin zwölf Monate nach der Wahl wieder im Plus stand.
Bitcoin nach den US-Midterms: Drei Wahlen, drei Gewinne
Für den Vergleich hat der Krypto-Datenanbieter CryptoQuant die Entwicklung nach den Zwischenwahlen 2014, 2018 und 2022 betrachtet. Das Ergebnis: In allen drei Fällen stand Bitcoin ein Jahr später höher. Die Renditen reichten von 24,5 Prozent nach der Wahl 2014 bis zu 92,3 Prozent nach den Midterms 2022.
Quelle: CryptoQuant. Dargestellt sind die drei Zwischenwahlen seit 2014. Die historische Entwicklung erlaubt keine verlässliche Aussage über 2026.
Aus den drei von CryptoQuant veröffentlichten Renditen ergibt sich ein einfacher Durchschnitt von rund 53,9 Prozent. Der mittlere Einzelwert – der Median – liegt bei 44,9 Prozent. Beide Kennzahlen beziehen sich auf lediglich drei Beobachtungen.
Eine frühere Zwischenwahl gab es seit dem Start von Bitcoin ebenfalls: 2010. CoinDesk beziffert den anschließenden Zwölfmonatsanstieg auf rund 1.579 Prozent, klammert diesen Fall wegen des damals sehr kleinen Marktes aber aus. Ein Durchschnitt einschließlich dieses frühen Sonderfalls würde den Vergleich mit dem heutigen Markt stark verzerren.
Der Haken an der Statistik: Erst ging es teilweise kräftig bergab
Die Jahresrendite verrät nicht, wie turbulent der Weg zum Stichtag war. Die Analyseplattform remi hat deshalb untersucht, wie weit Bitcoin nach dem jeweiligen Wahltag innerhalb der folgenden 180 Tage zwischenzeitlich fiel.
Das Ergebnis ist ein Kontrast zur positiven Zwölfmonatsbilanz: Nach allen drei Wahlen lag der niedrigste Tagesschlusskurs zunächst unter dem Schlusskurs des Wahltags. 2018 halbierte sich der Kurs auf dieser Grundlage sogar fast.
Quelle: remi, auf Basis von Bitcoin-Tagesschlusskursen bei Bitstamp. Die Grafik zeigt jeweils den Rückgang bis zum tiefsten Tagesschluss im festgelegten 180-Tage-Fenster, keine Intraday-Tiefstkurse.
2018 lag das Tief dieser Betrachtung am 15. Dezember, also 39 Tage nach der Wahl. 2022 wurde der niedrigste Tagesschluss bereits 13 Tage nach dem Urnengang erreicht. Dazwischen lag die Insolvenz der Kryptobörse FTX und verbundener Unternehmen am 11. November 2022 – ein Ereignis, das zeigt, wie schnell branchenspezifische Krisen die politische Nachrichtenlage überlagern können.
Für Anleger macht der Unterschied viel aus: Eine positive Rendite nach zwölf Monaten sagt nichts darüber aus, ob eine Position zwischenzeitlich mit einem Verlust geschlossen wurde oder ob genügend Risikotoleranz bestand, um den Rückgang durchzuhalten.
Wahlen oder Bitcoin-Zyklus – was steckt hinter dem Muster?
Eine mögliche Erklärung für die späteren Kursgewinne liegt außerhalb Washingtons: Die bisherigen Zwischenwahljahre fielen in Phasen, in denen Bitcoin nach einem vorangegangenen Hoch bereits einen Bärenmarkt erlebt hatte. Die anschließende Erholung könnte deshalb auch mit dem Marktzyklus zusammenhängen.
Das Bitcoin-Halving findet ungefähr alle vier Jahre statt. Dabei sinkt die neu ausgegebene Bitcoin-Menge je Block. Weil auch die US-Zwischenwahlen im Vierjahresrhythmus stattfinden, liegen beide Ereignisse historisch in einem ähnlichen zeitlichen Muster zueinander. Das macht es schwer, ihren jeweiligen Einfluss auf den Kurs voneinander zu trennen.
Hinzu kommt: Der Bitcoin-Markt von 2014 unterscheidet sich erheblich vom heutigen. Größe, Handelsinfrastruktur und Zugang für institutionelle Anleger haben sich verändert. Ob sich frühere Zyklen in ähnlicher Form wiederholen, ist offen.
Was bei den Midterms 2026 für Krypto auf dem Spiel steht
Am 3. November 2026 werden sämtliche 435 stimmberechtigten Sitze im US-Repräsentantenhaus sowie 35 der 100 Sitze im Senat neu vergeben. Der Präsident steht bei den Zwischenwahlen nicht zur Wahl. Dennoch kann sich das politische Kräfteverhältnis in Washington verändern.
Sollten die Demokraten mindestens eine Kongresskammer gewinnen, könnten sie dort Ausschüsse und Gesetzgebungsprozesse maßgeblich beeinflussen. Für die Kryptobranche wäre unter anderem relevant, welche Gesetzesvorhaben vorankommen und wie intensiv Ausschüsse die Verbindungen zwischen Politik und Kryptounternehmen untersuchen.
Wie stark sich politische Entscheidungen tatsächlich auf Bitcoin auswirken, hängt auch von anderen Faktoren ab – darunter Zinsen, Liquidität und die Nachfrage nach Bitcoin-Anlageprodukten. Einen Überblick über einen wichtigen Zugang für institutionelle und private Anleger bieten unsere Informationen zu Krypto-ETFs.
206 Millionen Dollar: Die Kryptobranche setzt auf Einfluss in Washington
Während Anleger auf mögliche Kursreaktionen schauen, versucht die Kryptobranche selbst, die politische Zukunft mitzugestalten. Krypto-Unternehmen steuerten im laufenden Wahlzyklus bis Ende Juni 2026 laut einer Auswertung der US-Organisation Public Citizen 206 Millionen Dollar an sogenannte Super-PACs und Hybrid-PACs bei. Erfasst wurden offengelegte Unternehmensbeiträge ab 5.000 Dollar.
Diese Wahlkampfkomitees können unter anderem unabhängig Werbung für oder gegen Kandidaten finanzieren. Die Unternehmensbeiträge sind dabei nicht mit bereits geschalteter Wahlwerbung gleichzusetzen: Ein Teil der Mittel kann noch bei den Komitees liegen oder an andere Organisationen weitergeleitet worden sein.
Zu den wichtigsten Akteuren gehört das von der Kryptobranche unterstützte Super-PAC Fairshake. Es wirbt nicht ausschließlich für eine Partei: Für die Wahl zum Repräsentantenhaus kündigte das Komitee Unterstützung für republikanische und demokratische Abgeordnete an. Im Mittelpunkt steht aus Sicht der Branche vielmehr, wie Kandidaten zur Regulierung digitaler Vermögenswerte stehen.
Das macht die politische Einordnung für Krypto-Anleger komplizierter als die Frage, welche Partei gewinnt. Ein republikanischer Kandidat ist nicht automatisch für jedes Anliegen der Branche, ein demokratischer nicht zwangsläufig dagegen. Zudem kann eine strengere Kontrolle von Interessenkonflikten aus Anlegersicht anders zu bewerten sein als strengere Regeln für Kryptounternehmen.
Wie viel prominente Branchenvertreter persönlich geben, welche Komitees profitieren und wohin Fairshake seine Mittel weiterleitet, zeigt unser Beitrag Krypto-Millionen vor den Midterms: Wer den US-Wahlkampf finanziert.
Die historische Bilanz liefert damit vor allem einen Anhaltspunkt für den Zeithorizont: Ein Jahr nach den vergangenen drei Midterms stand Bitcoin höher. Für die Wochen und Monate unmittelbar nach der Wahl sah das Bild deutlich unruhiger aus.
Quellen und Methodik: Die Zwölfmonatsrenditen stammen aus einer Auswertung von CryptoQuant. Der Durchschnitt wurde aus den drei veröffentlichten, gerundeten Prozentwerten berechnet. Die zwischenzeitlichen Rückgänge und Tiefststände stammen aus der separaten Analyse von remi mit Bitstamp-Tagesschlusskursen. Beide Auswertungen verwenden unterschiedliche Datenquellen; geringfügige Abweichungen durch Kursquelle und Berechnungsmethode sind möglich.
Weitere Quellen: CoinDesk zur Einordnung des Jahres 2010 und des Bitcoin-Zyklus; Wissenschaftlicher Dienst des Europäischen Parlaments zu den US-Zwischenwahlen 2026; Public Citizen zu Unternehmensbeiträgen im Wahlzyklus 2025–2026, Datenstand Ende Juni 2026; Associated Press zu Fairshakes angekündigter Unterstützung für Kandidaten beider Parteien. Datenstand des Beitrags: 2. November 2026.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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