Wenn eine Kryptobörse gehackt wird: Wie stark trifft das ihre Bank? Südkorea sucht Antworten

Raphael Lulay

02.11.2026, 08:01 Uhr

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Was passiert mit einer Bank, wenn ihre Partner-Kryptobörse nach einem Hackerangriff ausfällt? Südkoreas Zentralbank hat genau diese Frage an Finanzunternehmen gerichtet – kurz bevor Ende Oktober Kryptowährungen im Milliardenwert von Binance gestohlen wurden. Ein Blick auf den koreanischen Markt zeigt, warum die Frage relevant ist: Bei einer Bank standen zeitweise 17 Prozent der gesamten Einlagen im Zusammenhang mit einer einzigen Kryptobörse.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Bank of Korea befragt laut koreanischen Medien 18 Banken und 13 Wertpapierhäuser zu ihren Krypto-Aktivitäten und möglichen Risiken.
  • Die Befragung begann am 23. Oktober, sechs Tage vor dem Binance-Hack. Ergebnisse liegen bislang nicht vor.
  • Bei der südkoreanischen Kbank standen im ersten Halbjahr 2024 rund 17 Prozent der gesamten Einlagen im Zusammenhang mit der Kryptobörse Upbit.
  • Auch bei der Verwahrung gibt es Unterschiede: Fünf große südkoreanische Börsen hielten Ende September 2026 zwischen 80,54 und 99,17 Prozent der betrachteten Kryptowerte in Cold Wallets.

Vor dem Binance-Hack: Zentralbank fragt nach Folgen für Banken

Am 23. Oktober verschickte die Bank of Korea laut der Nachrichtenagentur Yonhap und The Herald Business Fragebögen an 31 Finanzinstitute. Darunter befinden sich die fünf großen Banken des Landes: KB Kookmin, Shinhan, Hana, Woori und NH NongHyup.

Ein Szenario betrifft den vorübergehenden Ausfall der größten südkoreanischen Kryptobörse nach einem umfangreichen Hackerangriff. Die Institute sollen einschätzen, welche Folgen ein solcher Vorfall für sie hätte. Weitere Fragen beziehen sich auf einen starken Kursrückgang mit anschließender Handelsflaute sowie auf mögliche Verluste bei anderen Finanzunternehmen.

Wenige Tage nach Beginn der Befragung folgte der Angriff auf Binance. Nach Angaben des Blockchain-Analyseunternehmens TRM Labs bewegten Angreifer am 29. Oktober Kryptowerte im Umfang von rund 6,36 Milliarden US-Dollar aus Wallets der Börse. Binance setzte Auszahlungen auf mehreren Netzwerken zeitweise aus.

Die Parallele ist auffällig: Eine der von der Zentralbank abgefragten Situationen trat kurz darauf in ähnlicher Form ein. Das Szenario bezog sich allerdings auf die größte südkoreanische Börse, nicht ausdrücklich auf Binance. Die Befragung war zudem keine Reaktion auf den späteren Hack.

Eine Börse, eine Bank: Warum die Verbindung ins Gewicht fallen kann

In Südkorea arbeiten Kryptobörsen für Ein- und Auszahlungen in der Landeswährung mit Banken zusammen. Anleger benötigen dafür Konten mit verifiziertem Namen. Upbit arbeitet beispielsweise mit der Internetbank Kbank, während Bithumb mit der KB Kookmin Bank kooperiert.

Wie bedeutend eine solche Partnerschaft werden kann, zeigt ein Blick auf ältere Kbank-Zahlen: Laut einem Bericht der Korea Times standen im ersten Halbjahr 2024 rund 17 Prozent der gesamten Einlagen der Bank im Zusammenhang mit Upbit. Gebühren aus Ein- und Auszahlungen von Anlegern machten zugleich rund 40 Prozent der gesamten Gebührenerträge aus.

Die Werte sind kein aktueller Stand für 2026. Sie machen aber sichtbar, weshalb Banken ein Interesse daran haben, einen längeren Ausfall ihrer Partnerbörse durchzuspielen: Wenn Handel und Zahlungsverkehr stocken, können sich auch Einlagen und Gebühreneinnahmen verändern. Aus den historischen Kbank-Zahlen lässt sich nicht ableiten, dass ein Hack automatisch zu Verlusten bei der Bank führt.

Die Zentralbank fragt deshalb auch nach Personal, Budgets und Investitionen in Krypto-Unternehmen. Sie will erfassen, wie weit die Finanzinstitute bereits in den Markt vorgedrungen sind und wie sie mit möglichen Risiken umgehen.

„Finanzinstitute treffen eigene Vorbereitungen, auch wenn die Gesetzgebung zu virtuellen Vermögenswerten langsamer vorankommt, als der Markt erwartet hat.“

Ein Vertreter der Bank of Korea gegenüber The Herald Business; aus dem Englischen übersetzt.

Wie schützen südkoreanische Kryptobörsen die Bestände ihrer Kunden?

Für Anleger stellt sich neben den möglichen Folgen für Banken eine unmittelbarere Frage: Wie verwahren Kryptobörsen die ihnen anvertrauten Vermögenswerte?

Eine wichtige Rolle spielen sogenannte Cold Wallets. Dabei handelt es sich um Speicher, die vom Internet getrennt sind. Das erschwert unmittelbare Online-Zugriffe. Ein Teil der Bestände kann dennoch in verbundenen Hot Wallets liegen, um Ein- und Auszahlungen abzuwickeln.

Laut einem Bericht von Financial News, der sich auf Daten der südkoreanischen Finanzaufsicht beruft, unterschieden sich die Cold-Wallet-Anteile der fünf größten Börsen mit Won-Handel Ende September 2026 deutlich:

Wie viel Krypto liegt offline? Cold-Wallet-Anteil bei fünf südkoreanischen Kryptobörsen · Stand: Ende September 2026 · in Prozent
Upbit 99,17 %
Bithumb 94,76 %
Coinone 85,00 %
Digital X 82,79 %
GOPAX 80,54 %
Quelle: Financial News unter Berufung auf Daten der südkoreanischen Finanzaufsicht. Digital X hieß zuvor Korbit. Laut Bericht erfüllten alle fünf Anbieter die gesetzliche Mindestquote von 80 Prozent. Ein hoher Cold-Wallet-Anteil schließt Sicherheitsvorfälle nicht aus. Börsen-Parkett · Marktreport.

Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten ausgewiesenen Anteil lagen damit rund 18,6 Prozentpunkte. Alle fünf Anbieter erfüllten dem Bericht zufolge die gesetzliche Mindestquote von 80 Prozent.

Eine hohe Offline-Quote allein garantiert allerdings keine vollständige Sicherheit. Der Bericht verweist auf einen Abfluss Solana-basierter Kryptowerte bei Upbit im November 2025, obwohl die Cold-Wallet-Quote der Börse damals über 98 Prozent gelegen habe.

Versicherungen und Rücklagen: Große Unterschiede zwischen den Börsen

Auch die für Schadensfälle vorgesehenen Versicherungen und Rücklagen fallen unterschiedlich aus. Nach den von Financial News veröffentlichten Aufsichtsdaten verfügte Upbit Ende September 2026 über zusammen 80 Milliarden südkoreanische Won, Bithumb über 53,4 Milliarden Won. Für Coinone wurden 30 Milliarden Won, für Digital X 19 Milliarden Won und für GOPAX 3 Milliarden Won genannt.

Die Beträge müssen im Verhältnis zur jeweiligen Größe der Börse betrachtet werden. Sie sind außerdem nicht mit einer verbindlichen Obergrenze für mögliche Schadensersatzansprüche gleichzusetzen. Für Kunden bleibt dennoch relevant, welche Vorsorge eine Plattform für Sicherheitsvorfälle trifft und wie die Bedingungen im Schadensfall ausgestaltet sind.

Der Binance-Angriff zeigt, welche Dimensionen ein solcher Vorfall erreichen kann. Einen Überblick über weitere Angriffe und die erfassten Schadenssummen bietet unsere Auswertung zu Krypto-Hacks. Unterschiede bei Regulierung, Verwahrung und Funktionen einzelner Anbieter beleuchten wir im Krypto-Börsen-Vergleich.

Was bedeutet das für Deutschland?

Auch hierzulande nähern sich Banken und Kryptomarkt an. Kunden teilnehmender Sparkassen können seit Oktober schrittweise über ein Angebot der Deka in Kryptowährungen investieren. Einzelne Volksbanken bieten ebenfalls Kryptohandel an. Die Geschäftsmodelle unterscheiden sich allerdings von den südkoreanischen Bankpartnerschaften und lassen sich nicht ohne Weiteres gleichsetzen.

Die Deutsche Bundesbank beobachtet darüber hinaus mögliche Verbindungen über Stablecoins. Deren Anbieter halten Reservevermögen teilweise in traditionellen Anlagen und bei Banken. Sollten viele Nutzer gleichzeitig ihr Geld zurückfordern, könnten Verkäufe von Reserveanlagen oder der Abzug von Bankeinlagen nach Einschätzung der Bundesbank Risiken auf das traditionelle Finanzsystem übertragen.

Die von Stablecoins ausgehenden systemischen Risiken hält die Bundesbank derzeit für begrenzt. Ihre Einschätzung bezieht sich auf Stablecoins und beantwortet nicht unmittelbar die Frage, welche Folgen der Hack einer einzelnen Kryptobörse für deren Bankpartner hätte.

Für Südkorea sollen zunächst die Antworten der 31 Finanzinstitute bis zum 4. November eingehen. Ob die Zentralbank ihre Ergebnisse veröffentlicht, ist offen. Das Beispiel Kbank und Upbit zeigt bereits, warum sie nachfragt: Eine Kryptobörse kann für eine Bank auch dann wirtschaftlich relevant sein, wenn diese selbst keine Kryptowährungen hält.

Quellen: Yonhap: Befragung von Banken und Wertpapierhäusern; The Herald Business: Einzelheiten der Zentralbank-Befragung; The Korea Times: Kbank und Upbit; The Korea Times: Bankpartnerschaften; Financial News: Cold-Wallet-Anteile und Vorsorge der Börsen; TRM Labs: Binance-Hack; Deka: Krypto-Angebot für Sparkassenkunden; Deutsche Bundesbank: Stablecoins und Finanzstabilität; Bundesbank: Finanzstabilitätsbericht 2025.

Methodik und Einordnung: Die Angaben zur laufenden Zentralbank-Befragung beruhen auf koreanischen Medienberichten. Die Kbank-Kennzahlen beziehen sich auf das erste Halbjahr 2024; die Cold-Wallet-Anteile und Angaben zu Versicherungen und Rücklagen auf Ende September 2026. Die Sicherungssummen sind absolute Beträge und berücksichtigen die unterschiedliche Größe der Börsen nicht. Stand: 2. November 2026.