Bitcoin-ETFs verlieren 643 Millionen Dollar an einem Tag – doch bei Ethereum begann der Ausverkauf früher

Alex Merten

02.11.2026, 07:51 Uhr

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Vier Tage lang flossen neue Gelder in US-Bitcoin-ETFs. Dann reichte ein einziger Handelstag, um sämtliche Zuflüsse der Woche wieder auszulöschen: Am Freitag, dem 30. Oktober, zogen Anleger netto 643,2 Millionen US-Dollar ab. Der Rückschlag folgte auf den Milliarden-Hack bei Binance. Bei Ethereum-ETFs hatte die Abflussserie allerdings schon vor dem Angriff begonnen.

Das Wichtigste in Kürze
  • US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am 30. Oktober Nettoabflüsse von 643,2 Millionen Dollar – mehr als die Zuflüsse der vier Handelstage zuvor.
  • US-Ethereum-ETFs verbuchten vom 26. bis 30. Oktober an jedem Handelstag Abflüsse. Über die Woche waren es netto 431,4 Millionen Dollar.
  • Der Binance-Hack fiel in diese Handelswoche. Die ETF-Daten allein belegen jedoch nicht, weshalb einzelne Anleger Anteile zurückgaben.
  • Ein Marktanalyst hält den Bitcoin-ETF-Abfluss gemessen am Fondsvermögen für begrenzt. Ein anderer Experte hatte zuvor vor möglichen Auswirkungen auf die Marktliquidität gewarnt.

Ein Handelstag macht die Bitcoin-ETF-Woche zunichte

Bis Donnerstag sah die Wochenbilanz für Bitcoin-ETFs noch freundlich aus. Von Montag bis einschließlich Donnerstag summierten sich die Nettozuflüsse nach Daten von Farside Investors auf 440,8 Millionen Dollar. Am Freitag folgte dann ein größerer Abfluss als an den vier Tagen zuvor insgesamt zugeflossen war.

Bitcoin-ETFs: Vier grüne Tage, ein kräftiger Rückschlag Tägliche Nettoflüsse der US-Spot-Bitcoin-ETFs · 26. bis 30. Oktober 2026 · in Mio. US-Dollar
Mo., 26.10. +110,3
Di., 27.10. +176,0
Mi., 28.10. +137,3
Do., 29.10. +17,2
Fr., 30.10. −643,2
Quelle: Farside Investors. Positive Werte stehen für Nettozuflüsse, negative für Nettoabflüsse. Börsen-Parkett · Marktreport.

Unter dem Strich ergibt sich für die Woche ein Minus von 202,4 Millionen Dollar. Am Freitag entfielen die größten Abflüsse auf den Bitcoin-ETF von BlackRock mit 233,7 Millionen Dollar und das Produkt von Fidelity mit 201 Millionen Dollar. Auch der Fonds von ARK und 21Shares verzeichnete ein Minus von 129,5 Millionen Dollar.

Der Freitag war der erste volle Handelstag nach dem bekannt gewordenen Angriff auf Binance. Laut dem Analyseunternehmen TRM Labs wurden Kryptowährungen im Wert von rund 6,36 Milliarden Dollar aus Wallets der Börse bewegt. Die zeitliche Nähe fällt auf – welche Rolle der Hack für einzelne ETF-Entscheidungen spielte, lässt sich aus den täglichen Fondsdaten aber nicht ablesen.

Ein ETF-Abfluss bedeutet zudem nicht, dass sämtliche Anleger ihre Bitcoin-Bestände insgesamt reduzieren. Die Daten erfassen die Zu- und Abflüsse der jeweiligen Fonds. Wie sich die Nachfrage auf anderen Handelsplätzen entwickelt, bleibt dabei offen.

Ethereum-ETFs standen schon vor dem Binance-Hack unter Druck

Bei Ethereum begann die Abflussserie früher. Bereits von Montag bis Mittwoch gaben Anleger unter dem Strich Anteile im Wert von 170,2 Millionen Dollar zurück. Auch am Donnerstag und Freitag blieb die Bilanz negativ. Über die gesamte Woche summierten sich die Abflüsse auf 431,4 Millionen Dollar – mehr als doppelt so viel wie bei den Bitcoin-ETFs.

Ethereum-ETFs mit dem größeren Wochenminus Nettoabflüsse US-amerikanischer Spot-ETFs · 26. bis 30. Oktober 2026 · in Mio. US-Dollar
Bitcoin −202,4
Ethereum −431,4
Quelle: Farside Investors: Bitcoin und Ethereum; eigene Addition der täglichen Nettoflüsse. Verglichen werden absolute Dollarbeträge, nicht die Abflüsse im Verhältnis zum Fondsvermögen. Börsen-Parkett · Marktreport.

Die unterschiedliche zeitliche Entwicklung ist für die Einordnung wichtig: Der Binance-Angriff traf auf einen Markt, in dem zumindest Ethereum-ETF-Anleger bereits zuvor mehr Anteile zurückgegeben als neu gezeichnet hatten. Aus dem höheren Dollarbetrag allein lässt sich allerdings nicht ableiten, dass die Ethereum-Fonds relativ zu ihrer Größe stärker betroffen waren.

Wer die längerfristige Entwicklung einordnen möchte, findet in unseren Bitcoin-Statistiken weitere Kennzahlen zum Markt. Die Dimension des Binance-Vorfalls haben wir auch im Überblick zu Krypto-Hacks aufgearbeitet.

Analysten: Hoher Abfluss, aber auch eine Frage der Größenordnung

Wie schwer wiegt der ETF-Rückschlag? Rick Maeda, Marktverantwortlicher beim Analyseanbieter Laevitas, verweist im Gespräch mit The Block auf die Größe der Fonds. Der Abfluss von rund 643 Millionen Dollar habe weniger als ein Prozent des Vermögens der US-Spot-Bitcoin-ETFs ausgemacht. Er wertet den Handelstag deshalb als Risikoabbau – eine vollständige Kapitulation oder einen dauerhaften Vertrauensverlust institutioneller Anleger sieht er darin nicht.

„Ich würde kurzfristig eher eine Stabilisierung oder moderate Abflüsse erwarten als eine schnelle Erholung“ – vorausgesetzt, der Hack lasse sich auf seinen damaligen Stand begrenzen.

Rick Maeda, Laevitas, gegenüber The Block; aus dem Englischen übersetzt und gekürzt.

Eine andere Sorge betrifft die Marktinfrastruktur selbst. Tim Sun, Senior Researcher bei der HashKey Group, sagte nach dem Vorfall gegenüber Reuters, dass Einschränkungen bei Ein- und Auszahlungen die Fähigkeit von Market Makern beeinträchtigen könnten, Kapital zwischen Handelsplätzen zu bewegen. Diese Händler stellen fortlaufend Kauf- und Verkaufspreise; können sie Vermögenswerte schlechter verschieben, kann das den Handel erschweren.

„Unsere größere Sorge sind die möglichen Auswirkungen auf die Liquidität.“

Tim Sun, HashKey Group, gegenüber Reuters am 30. Oktober; aus dem Englischen übersetzt.

Die Einschätzungen betrachten unterschiedliche Risiken: Maeda ordnet die ETF-Abflüsse im Verhältnis zum Fondsvermögen ein; Sun richtet den Blick auf mögliche Probleme beim Handel zwischen Börsen. Beides kann gleichzeitig relevant sein.

Was die nächsten ETF-Daten zeigen können

Für Anleger wird die nächste Handelswoche vor allem deshalb interessant, weil sich dann prüfen lässt, ob der Bitcoin-Abfluss vom Freitag ein einzelner Ausschlag blieb oder weitere Abgaben folgen. Bei Ethereum reicht der Blick auf den Freitag allein nicht aus: Dort begann die negative ETF-Serie bereits zu Wochenbeginn.

Die erste Frage lautet daher nicht nur, ob Bitcoin-ETFs nach dem Binance-Hack wieder Zuflüsse verbuchen. Ebenso aufschlussreich ist, ob die seit Montag anhaltenden Abflüsse bei Ethereum enden – und ob sich beide Fondsmärkte anschließend wieder ähnlich entwickeln.

Quellen und Methodik: Farside Investors: Bitcoin-ETF-Flows; Farside Investors: Ethereum-ETF-Flows; TRM Labs: Binance-Hack; The Block: Einschätzung von Rick Maeda; Reuters: Einschätzung von Tim Sun.

Die Wochenwerte wurden aus den von Farside veröffentlichten täglichen Nettoflüssen addiert. Betrachtet werden US-Spot-ETFs vom 26. bis 30. Oktober 2026. Die Grafiken vergleichen absolute Dollarbeträge; die Fondsvolumina von Bitcoin und Ethereum können sich unterscheiden. Die Aussagen der Analysten geben deren jeweilige Einschätzung wieder. Datenstand: 2. November 2026.