Ein Milliarden-Hack, ein spöttisches Emoji und eine unerwartete Erinnerung an einen gemeinsamen Deal: Nach dem Angriff auf Binance hat sich Gründer Changpeng Zhao, besser bekannt als CZ, öffentlich an Elon Musk gewandt. Der Anlass war eine Reaktion des Tesla- und SpaceX-Chefs auf eine Diskussion über die finanzielle Lage der Kryptobörse. CZ bat Musk, mit dem Spott aufzuhören – und verwies auf SpaceX-Aktien von Binance im Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar.
- Nach dem Binance-Hack reagierte Elon Musk auf X mit einem Grimassen-Emoji auf einen Vergleich mit der gescheiterten Kryptobörse FTX.
- CZ bat Musk um Unterstützung und verwies auf SpaceX-Aktien, die laut seiner Aussage mehr als eine Milliarde US-Dollar wert sind.
- Der Ursprung der Beteiligung liegt laut CZ in den 500 Millionen Dollar, die Binance 2022 für Musks Twitter-Übernahme bereitstellte.
- Coinbase bot Binance Hilfe an. Die Stablecoin-Herausgeber Tether und Circle froren nach eigenen Angaben Vermögenswerte im Zusammenhang mit dem Angriff ein.
Elon Musk reagiert auf Binance-Hack – CZ bittet um Unterstützung
Ausgangspunkt des Wortwechsels ist der Angriff auf Binance vom 29. Oktober 2026. Nach Angaben der Kryptobörse waren Vermögenswerte im Wert von rund 6,3 Milliarden Dollar betroffen. Binance setzte Auszahlungen vorübergehend aus und erklärte, die Kundengelder seien sicher. Rund drei Milliarden Dollar der betroffenen Vermögenswerte wurden nach Angaben des Unternehmens auf der Blockchain eingefroren. In einer Mitteilung kündigte Binance an, alle Verluste aus dem Sicherheitsfonds SAFU und Unternehmensmitteln zu decken.
In einer Diskussion auf X erklärte Binance-Gründer CZ, die Börse werde die Verluste übernehmen. Daraufhin teilte ein Nutzer einen alten Beitrag von FTX-Gründer Sam Bankman-Fried, in dem dieser vor dem Zusammenbruch seiner Börse die Deckung der Kundenvermögen versichert hatte. Elon Musk reagierte auf diesen Vergleich mit einem Grimassen-Emoji.
CZ nahm die Reaktion zum Anlass für eine direkte Antwort. Er habe großen Respekt vor Musk, schrieb er, doch der Zeitpunkt für Spott sei schlecht. „Bitte hör auf“, fügte er hinzu. Anschließend erinnerte er Musk an das gemeinsame Geschäft: Binance halte aus der damaligen Twitter-Investition SpaceX-Aktien im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar. Er würde sich über etwas Unterstützung freuen, so CZ in seinem Beitrag auf X.
Bereits zuvor hatte Musk auf einen Bericht über den Angriff mit dem Satz „Everyday is Zeroday“ reagiert. Ein Zero-Day bezeichnet eine Sicherheitslücke, für die zum Zeitpunkt ihrer Ausnutzung noch keine verfügbare Behebung besteht. Dass der Binance-Hack tatsächlich auf einer solchen Lücke beruhte, ist damit allerdings nicht belegt.
Coinbase bietet Hilfe an – OKX fordert gemeinsame Sicherheitsstandards
Während Musk auf X spottete, kam von anderer Seite Unterstützung – ausgerechnet von einem großen Binance-Konkurrenten. Coinbase-Chef Brian Armstrong erklärte, sein Unternehmen habe Kontakt zu Binance aufgenommen und Hilfe angeboten. Zudem blockiere Coinbase Überweisungen an kompromittierte Wallets. Solche Momente verlangten eine Zusammenarbeit der Branche, schrieb Armstrong in einem Beitrag auf X.
Auch OKX-Gründer Star Xu sieht den Angriff als Problem, das über eine einzelne Börse hinausgeht. Laut The Crypto Times bezeichnete er die Vorfälle bei Bybit, Bitget und Binance als Weckruf für die Branche. Zu seinen Vorschlägen zählen gemeinsame Warnmechanismen und Sicherheitsverzögerungen bei größeren Auszahlungen an ungeprüfte Adressen.
Andere Unternehmen griffen bereits unmittelbar ein: Tether-Chef Paolo Ardoino erklärte, sein Unternehmen habe mehr als 1,567 Milliarden USDT im Zusammenhang mit dem Vorfall eingefroren. Circle-Chef Jeremy Allaire sprach von mehr als 800 Millionen eingefrorenen USDC. Die Maßnahmen erfolgten nach Angaben der Unternehmen im Zusammenhang mit dem Binance-Vorfall.
Quellen: The Block / Paolo Ardoino und AP / Jeremy Allaire. Stand der gemeldeten Angaben: 29./30. Oktober 2026. Die Balken zeigen die genannten Untergrenzen; die tatsächlichen Beträge können höher liegen.
Die beiden Stablecoins sind jeweils an den US-Dollar gekoppelt. Ihre Herausgeber können Token unter bestimmten Voraussetzungen einfrieren und so verhindern, dass diese weiterbewegt werden. Das erleichtert die Schadensbegrenzung. Eine Sperre bedeutet allerdings noch nicht, dass die Vermögenswerte bereits an Binance zurückgeflossen sind.
Wie aus der Twitter-Investition eine SpaceX-Beteiligung wurde
Die Verbindung zwischen Binance und Musk ist älter als der aktuelle Streit. Schon 2022 unterstützte die Kryptobörse dessen Übernahme von Twitter mit 500 Millionen Dollar. CZ bestätigte damals öffentlich, dass Binance das Geld überwiesen hatte. Das Investment war also bereits bekannt. Cointelegraph berichtete seinerzeit darüber.
Seitdem hat Musk seine Unternehmen mehrfach neu geordnet. Aus Twitter wurde X. Im März 2025 übernahm Musks KI-Unternehmen xAI die Plattform. Im Februar 2026 folgte der nächste Schritt: SpaceX übernahm xAI. Beide Transaktionen erfolgten laut den Unterlagen von SpaceX bei der US-Börsenaufsicht SEC durch Aktientausch.
- 2022 Binance beteiligt sich mit 500 Millionen US-Dollar an Musks Twitter-Übernahme.
- 2025 xAI übernimmt X, die frühere Plattform Twitter.
- 2026 SpaceX übernimmt xAI im Februar. Im Juni geht SpaceX an die Börse.
- Okt. 2026 CZ beziffert den Wert der aus dem Investment entstandenen SpaceX-Aktien auf mehr als eine Milliarde US-Dollar.
Quellen: Cointelegraph, SpaceX / SEC und CZ auf X. Stand: 30. Oktober 2026. Die aktuelle Wertangabe stammt von CZ.
Die Verbindung zwischen Binance und Musks Unternehmen kam somit nicht aus dem Nichts. Bereits vor CZs aktuellem Beitrag wurde darüber berichtet, dass das frühere Twitter-Investment über die Umstrukturierungen mit SpaceX verbunden ist. Nun nennt CZ einen Wert und verweist inmitten der Diskussion über die Folgen des Hacks auf die Beteiligung.
Wie viele SpaceX-Aktien Binance genau hält und wie sich der von CZ genannte Wert zusammensetzt, geht aus seinem Beitrag nicht hervor. Aus den beiden Beträgen allein lässt sich deshalb auch keine gesicherte Rendite für die gesamte Laufzeit des Investments berechnen.
Muss Binance seine SpaceX-Aktien jetzt verkaufen?
CZ versuchte auf X auch, die finanzielle Dimension des Angriffs grob einzuordnen. Seiner Rechnung zufolge stehen einem Hack von mehr als sechs Milliarden Dollar rund drei Milliarden Dollar eingefrorene Vermögenswerte und mehr als eine Milliarde Dollar im Binance-Sicherheitsfonds SAFU gegenüber. Die verbleibende Lücke bezifferte er auf ungefähr zwei Milliarden Dollar und bezeichnete sie als schmerzhaft, aber beherrschbar. Es handelt sich um eine vorläufige Rechnung von CZ.
Ein Verkauf der SpaceX-Aktien wurde dabei nicht angekündigt. Binance-Mitgründerin Yi He erklärte laut Reuters, die Jahreseinnahmen des Unternehmens reichten aus, um die Verluste zu decken. CZ stellte anschließend klar, er habe mit dem Hinweis auf die Beteiligung keinen Verkauf vorgeschlagen.
Für Binance-Kunden ist der Wert der SpaceX-Position dennoch nur ein Teil der entscheidenden Frage: Die Zusage, Verluste zu übernehmen, muss sich an den tatsächlich verfügbaren Mitteln und der Wiederaufnahme des Betriebs messen lassen. Wie viel der eingefrorenen Gelder zurückfließt und wie hoch der endgültige Schaden ausfällt, war zum Zeitpunkt der Angaben noch offen.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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