- Eine US-Umfrage vom September 2026 zeigt: 64 Prozent der Erwachsenen trauen Banken oder Kreditgenossenschaften verlässliche Informationen über Kryptowährungen zu.
- 64 Prozent sagen zugleich, dass ihre Bank, Kreditgenossenschaft oder Finanzberatung Krypto ihnen gegenüber noch nie angesprochen hat.
- In Deutschland ermöglichen teilnehmende Sparkassen und einzelne Volks- und Raiffeisenbanken inzwischen den Kryptohandel über ihre Apps – ohne Anlageberatung.
- Eine deutsche YouGov-Befragung für BearingPoint zeigt: Rund 13 Prozent besitzen Kryptowährungen; weitere 11 Prozent können sich einen Kauf vorstellen.
Die eigene Bank gilt vielen Menschen als vertrauenswürdige Anlaufstelle für Fragen zu Bitcoin und Co. Doch über Kryptowährungen gesprochen wird dort offenbar selten: In einer US-Umfrage trauen 64 Prozent der Erwachsenen Banken und Kreditgenossenschaften verlässliche Krypto-Informationen zu. Genauso viele sagen, dass ihre Bank, Kreditgenossenschaft oder Finanzberatung das Thema ihnen gegenüber noch nie angesprochen hat.
Die am 19. Oktober veröffentlichte Erhebung der National Cryptocurrency Association (NCA) und von Harris Poll fällt in eine Phase, in der auch deutsche Geldhäuser ihre Krypto-Angebote ausbauen. Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken holen Bitcoin und andere Coins in ihre Banking-Apps. Doch ein Blick auf die Details zeigt: Der Kauf ist nur ein Teil der Geschichte.
Banken genießen bei Krypto-Fragen mehr Vertrauen als soziale Medien
Für die Studie befragte Harris Poll am 15. und 16. September 2026 insgesamt 2.017 Erwachsene in den USA. Eine Frage lautete, welchen Stellen die Befragten zutrauen, verlässliche Informationen über Kryptowährungen zu liefern. Finanzberater und Banken liegen vorn. Soziale Medien und Online-Communitys bilden das Schlusslicht.
Anteil der Befragten, die der jeweiligen Quelle sehr oder etwas vertrauen, verlässliche Informationen zu liefern
Zwischen Finanzberatern und sozialen Medien liegen damit 28 Prozentpunkte. Allerdings geht es um die Einschätzung der Befragten, wie zuverlässig eine Quelle informieren kann – eine tatsächliche Prüfung der Qualität der Beratung ist das nicht.
Auch beim Zugang zu Krypto könnten Banken für einen Teil der Kunden eine Rolle spielen: 42 Prozent wären eher bereit, bei einer Bank mit Krypto-Angebot ein Konto zu eröffnen oder dort mehr ihrer Finanzgeschäfte abzuwickeln. 59 Prozent würden sich damit wohlfühlen, wenn ihre eigene Bank Kryptowährungen für sie verwahrt.
Das bedeutet umgekehrt nicht, dass diese Menschen bereits kaufen wollen. Auf die Frage nach ihrem bevorzugten Kaufweg nannten 19 Prozent eine Kryptobörse oder -App, 15 Prozent eine Bezahl-App und 14 Prozent eine Bank oder Kreditgenossenschaft. Weitere 24 Prozent wollten Krypto über keinen der abgefragten Wege kaufen.
Sparkassen und Volksbanken bringen Krypto in die Banking-App
Während die Umfrage die USA betrachtet, ist der praktische Schritt in Deutschland bereits zu sehen: Bei teilnehmenden Sparkassen können Kunden über die App ein Krypto-Konto bei der DekaBank eröffnen und darüber digitale Vermögenswerte kaufen und verkaufen. Die DekaBank übernimmt die Verwahrung. Zu den angebotenen Kryptowährungen zählen unter anderem Bitcoin und Ethereum; die Deka nennt außerdem XRP, Solana und Polygon.
Das Angebot wird schrittweise eingeführt. Auf ihrer Übersicht der kooperierenden Sparkassen führt die Deka unter anderem die Frankfurter Sparkasse und die Stadtsparkasse München auf. Entscheidend für Kunden: Die Funktion steht nicht automatisch bei jeder Sparkasse zur Verfügung.
Auch die Genossenschaftsbanken setzen auf die vertraute App. Die DZ Bank hat mit „meinKrypto“ eine Lösung für die VR Banking App entwickelt. Zum Start sind Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Cardano vorgesehen; die Verwahrung übernimmt laut DZ Bank die Börse Stuttgart Digital. Jede Volks- und Raiffeisenbank entscheidet selbst über die Einführung. Die VR-Bank Erding bietet den Handel beispielsweise bereits an.
Der entscheidende Punkt: Sowohl das Deka-Angebot als auch meinKrypto richten sich an Selbstentscheider. Kunden können die Angebote nutzen, erhalten aber im Rahmen dieser Angebote keine Anlageberatung. Die US-Umfrage zeigt also eine mögliche Nachfrage nach Orientierung; ob und wie deutsche Banken diese erfüllen, ist eine eigene Frage.
In Deutschland haben Neobroker und Kryptobörsen einen Vorsprung
Wie groß das Potenzial hierzulande ist, zeigt eine weitere Untersuchung: In einer im August veröffentlichten YouGov-Befragung für BearingPoint gaben rund 13 Prozent der Erwachsenen in Deutschland an, Kryptowährungen zu besitzen. Weitere 11 Prozent konnten sich einen Kauf vorstellen. Befragt wurden zwischen Juni und Juli 2026 insgesamt 4.149 Personen.
Unter den bevorzugten Handelsplattformen standen in dieser Erhebung spezialisierte Anbieter und Neobroker vorn. Klassische Banken spielten damals kaum eine Rolle. Die beiden Umfragen stellen unterschiedliche Fragen und erfassen unterschiedliche Länder. Zusammengenommen zeigen sie dennoch eine interessante Ausgangslage: In Deutschland treffen neue Bankangebote auf einen Markt, in dem viele Krypto-Anleger ihren Anbieter bereits gefunden haben.
Für Kunden dürfte deshalb nicht allein die vertraute App entscheiden. Wichtig sind auch Gebühren und Spreads, die Auswahl der Coins sowie die Frage, ob und wohin sich Bestände übertragen lassen. Bei der Deka ist eine Übertragung nach deren Angaben nur an Adressen bestimmter Kryptowerte-Dienstleister möglich. Wer seine Coins selbst verwahren möchte, sollte diese Einschränkung vorab prüfen. Einen Überblick über Alternativen bietet unser Krypto-Börsen-Vergleich; die Unterschiede zwischen Verwahrarten erklären wir im Wallet-Ratgeber.
Der Vorstoß der Banken macht den Zugang für manche Anleger einfacher. Ein vertrauter Name ersetzt aber weder den Vergleich der Konditionen noch die eigene Risikoabwägung: Kryptowährungen können stark schwanken und bis zum Totalverlust fallen. Die gesetzliche Einlagensicherung schützt laut Deka keine Kryptowährungen. Ob die Hausbank künftig auch zur ersten Adresse für Krypto wird, dürfte sich deshalb daran entscheiden, wie überzeugend ihr Angebot neben den bereits etablierten Alternativen ist.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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