Krypto-Branche verdient weniger – doch Prognosemärkte und neue Anwendungen wachsen rasant

Alex Merten

30.10.2026, 06:00 Uhr

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Die Kryptobranche dürfte 2026 deutlich weniger einnehmen als im Vorjahr. Der Investmentanbieter 1kx schätzt die weltweiten Einnahmen des Blockchain-Sektors auf rund 100 Milliarden US-Dollar – nach etwa 140 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Gleichzeitig gewinnen Prognosemärkte, tokenisierte Vermögenswerte und Krypto-Zahlungen innerhalb der Branche an Bedeutung.

Das Wichtigste in Kürze:

  • 1kx erwartet für 2026 Blockchain-Einnahmen von rund 100 Milliarden US-Dollar. Das wären etwa 28 Prozent weniger als 2025.
  • Im dritten Quartal entfielen laut 1kx 22 Prozent der erfassten Einnahmen auf Anwendungen mit Bezug zur breiteren Wirtschaft, darunter Zahlungen, tokenisierte Vermögenswerte und Prognosemärkte.
  • Die Gebühren von Prognosemärkten schätzt 1kx für das dritte Quartal auf mehr als 1,5 Milliarden Dollar – nach 86 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum.
  • Robinhood meldete für das dritte Quartal 173 Millionen Dollar Umsatz mit Ereigniskontrakten und 120 Millionen Dollar mit Kryptowährungen.

Blockchain-Einnahmen sinken – neue Geschäftsfelder wachsen

Für seinen am 29. Oktober veröffentlichten Report hat 1kx nach eigenen Angaben Daten von 2.621 Protokollen und die Geschäftsberichte von 104 börsennotierten Unternehmen ausgewertet. Die Untersuchung reicht dabei über Gebühren auf Blockchains hinaus: Auch Einnahmen von Kryptobörsen, Erträge aus Stablecoin-Reserven sowie Mining- und Staking-Vergütungen fließen in die Betrachtung ein.

Börsen-Parkett · Marktreport Blockchain-Branche erwartet geringere Einnahmen Geschätzte jährliche Einnahmen des erfassten Sektors, in Milliarden US-Dollar
2025 ca. 140 Mrd. $
2026 · Schätzung ca. 100 Mrd. $
Quelle: 1kx Blockchain Revenue Report, Mitteilung vom 29. Oktober 2026. 2026 ist eine Gesamtjahresschätzung auf Basis von Daten bis Ende September. Die Branchenabgrenzung umfasst auch Einnahmen außerhalb von Blockchains.

Hinter dem Rückgang verändert sich die Zusammensetzung der Einnahmen. Auf Anwendungen mit Bezug zur breiteren Wirtschaft entfielen laut 1kx im dritten Quartal 22 Prozent des erfassten Gesamtvolumens. Dazu zählt der Report unter anderem Zahlungen, tokenisierte Vermögenswerte und Prognosemärkte. Blockchain-Infrastruktur kam auf 21 Prozent. 1kx zufolge überholte die erste Gruppe die Infrastruktur damit erstmals.

Dass der Anteil steigt, bedeutet allerdings nicht automatisch, dass jede dieser Anwendungen bereits ein eigenständiger Massenmarkt ist. Die Kategorien bündeln unterschiedliche Geschäftsmodelle – von Zahlungsdiensten bis zum Handel mit tokenisierten Vermögenswerten. Auch klassische Finanzunternehmen verdienen daran mit: Für börsennotierte Gesellschaften beziffert 1kx den Anteil an den erfassten Blockchain-Einnahmen 2026 auf 16 Prozent.

Prognosemärkte werden zum Milliardengeschäft

Besonders stark fällt das Wachstum bei Prognosemärkten aus. Auf solchen Plattformen handeln Nutzer Kontrakte, deren Wert vom Ausgang eines Ereignisses abhängt – etwa einer Wahl oder eines Sportereignisses. 1kx schätzt die dort angefallenen Gebühren im dritten Quartal 2026 auf mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar. Im gleichen Vorjahresquartal waren es demnach 86 Millionen Dollar.

Ein großer Teil der geschätzten Gebühren entfällt laut 1kx auf Kalshi und Polymarket. Die Berechnung beruht unter anderem auf Daten von Allium; ein Großteil der Gebühren lässt sich nach Angaben von 1kx bislang nicht direkt auf einer Blockchain nachvollziehen. Die Milliardenhöhe ist deshalb eine Schätzung.

Wie stark das Geschäft auch bei etablierten Handelsplattformen gewachsen ist, zeigt der Quartalsbericht von Robinhood. Der US-Broker erzielte von Juli bis September 173 Millionen Dollar Umsatz mit Ereigniskontrakten – mehr als das Sechsfache des Vorjahreswerts. Der Umsatz aus dem Kryptogeschäft sank im gleichen Zeitraum um 55 Prozent auf 120 Millionen Dollar.

Börsen-Parkett · Marktreport Robinhood: Ereigniskontrakte vor Kryptogeschäft Transaktionsbasierte Umsätze im dritten Quartal 2026, in Millionen US-Dollar
Ereigniskontrakte 173 Mio. $
Kryptowährungen 120 Mio. $
Quelle: Robinhood, Quartalsbericht vom 27. Oktober 2026. Die Zahlen beziehen sich auf Robinhood und sind keine branchenweiten Umsätze.

Robinhood ist ein Beispiel für diese Verschiebung, auch wenn sich die Entwicklung eines einzelnen Brokers nicht auf alle Kryptobörsen übertragen lässt. Bei Robinhood lag der Umsatz mit Ereigniskontrakten im dritten Quartal rund 44 Prozent über jenem mit Kryptowährungen. Die Zahl sagt allerdings nichts darüber aus, ob dieselben Kunden ihr Geld von einem Bereich in den anderen verlagert haben.

Von Krypto-Karten bis zu tokenisierten Aktien

Auch außerhalb von Prognosemärkten sieht 1kx neue Einnahmequellen. Mit digitalen Vermögenswerten verbundene Zahlungskarten kamen demnach im dritten Quartal 2026 auf ein Ausgabevolumen von 3,4 Milliarden Dollar – etwa dreimal so viel wie ein Jahr zuvor. Das Ausgabevolumen beschreibt den Wert der Kartenzahlungen; es ist nicht gleichzusetzen mit den Einnahmen der Kartenanbieter. Wie sich die Angebote für Nutzer unterscheiden, zeigt unser Krypto-Kreditkarten-Vergleich.

Hinzu kommt der Handel mit tokenisierten Aktien. Auf der Robinhood Chain überschritt dessen Volumen laut 1kx im dritten Quartal 13 Milliarden Dollar. Mehr als 70 Prozent davon seien außerhalb der regulären Öffnungszeiten US-amerikanischer Börsen gehandelt worden. Handelsvolumen und Einnahmen sind auch hier unterschiedliche Größen.

Für die Einordnung der Branche ist die Verschiebung aufschlussreich: Sinkende Gesamteinnahmen und wachsende Anwendungen können gleichzeitig auftreten. Prognosemärkte, Zahlungen und tokenisierte Wertpapiere erweitern das Geschäft rund um Blockchains. Wie dauerhaft dieser Wandel ist, hängt auch davon ab, ob die neuen Angebote über einzelne besonders starke Quartale hinaus regelmäßig genutzt werden.

Quellen und Methodik: 1kx: Mitteilung zum Blockchain Revenue Report 2026; Robinhood: Ergebnisse für das dritte Quartal 2026. Die 1kx-Gesamtjahreszahl für 2026 und die Gebühren der Prognosemärkte sind Schätzungen; die Robinhood-Zahlen stammen aus dem Unternehmensbericht. Der Vergleich der beiden Robinhood-Umsätze ist eine eigene Berechnung auf Basis gerundeter Angaben.