206 Millionen Dollar von Krypto-Unternehmen, mehr als 40 Millionen Dollar von drei prominenten Branchenvertretern und ein Super-PAC, das 139 Millionen Dollar an verbundene Komitees weitergeleitet hat: Vor den US-Zwischenwahlen am 3. November 2026 fließt Geld aus dem Krypto-Umfeld über mehrere Kanäle in die amerikanische Politik.
Eine neue Reuters-Auswertung zeigt, wie unterschiedlich die persönlichen politischen Beiträge ausfallen. Zugleich machen Daten der US-Wahlbehörde sichtbar, wie das wichtigste Krypto-Wahlkampfkomitee seine Mittel verteilt. Die Zahlen erfassen verschiedene Geldflüsse und Zeiträume – sie lassen sich deshalb nicht zu einer Gesamtsumme addieren.
Quelle: Reuters-Auswertung von FEC-Meldungen, 27. Oktober 2026. Auswahl, keine vollständige Rangliste. Die Balken für „knapp 13“ und „rund 1,0“ verwenden die gerundeten Näherungswerte als Orientierung. Die Beiträge betreffen auch Themen außerhalb von Krypto.
Ripple-Mitgründer Chris Larsen steht in der Auswahl mit mindestens 14,6 Millionen Dollar an der Spitze. Nach den von Reuters ausgewerteten Meldungen gingen seine Beiträge überwiegend an demokratisch orientierte und themenbezogene Gruppen. Darunter waren sechs Millionen Dollar für ein Komitee, das Kandidaten mit Bezug zu erneuerbaren Energien unterstützt, sowie 4,5 Millionen Dollar für eine auf KI-Sicherheit ausgerichtete Organisation.
Die Gemini-Gründer Cameron und Tyler Winklevoss spendeten dagegen jeweils knapp 13 Millionen Dollar, überwiegend an das Trump-nahe Super-PAC MAGA Inc. Ihr gemeinsamer Winklevoss Capital Fund steuerte zusätzlich 21,3 Millionen Dollar zum Digital Freedom Fund bei. Diese Zahlung ist ein eigener Unternehmensbeitrag und in der Grafik nicht den persönlichen Beträgen der Brüder zugerechnet.
Das Muster reicht über einzelne Parteien hinaus: Coinbase-Chef Brian Armstrong verteilte seine rund eine Million Dollar laut Reuters ungefähr gleichmäßig auf beide politischen Lager. Galaxy-Gründer Mike Novogratz unterstützte mit mindestens 1,9 Millionen Dollar überwiegend demokratisch orientierte und unabhängige Gruppen.
Die persönlichen Beiträge sind nicht gleichbedeutend mit Ausgaben für Krypto-Politik. Die Spender verfolgen daneben auch Anliegen wie Energie- und Technologiepolitik. Der Blick auf die Unternehmen zeigt eine andere Ebene der Finanzierung.
Quelle: Public Citizen, Auswertung von FEC- und OpenSecrets-Daten. Erfasst sind offengelegte Beiträge gewinnorientierter Unternehmen ab 5.000 Dollar. Die Auswahl zeigt drei Branchen, nicht sämtliche Unternehmensspender.
Bis Ende Juni hatten Krypto-Unternehmen nach der Auswertung der Interessenorganisation Public Citizen 206 Millionen Dollar an entsprechende Wahlkampfkomitees gegeben. Das entsprach rund 31,9 Prozent der insgesamt erfassten 646 Millionen Dollar an Unternehmensbeiträgen. Zum Vergleich: Online-Wettanbieter kamen auf 76 Millionen Dollar, Unternehmen aus Big Tech und dem KI-Umfeld auf 62 Millionen Dollar.
Der Vergleich zeigt zugleich, wie sich das Bild seit der früheren Auswertung verändert hat: In unserem Beitrag über Kryptogeld und Einfluss in Washington lag der für den laufenden Wahlzyklus erfasste Branchenwert noch bei 189 Millionen Dollar. Die später veröffentlichten Meldungen bis zum zweiten Quartal erhöhten ihn auf 206 Millionen Dollar – ein Plus von rund neun Prozent.
Ein zentraler Empfänger ist Fairshake. Das Super-PAC unterstützt Kandidaten, die sich für die Interessen der Branche einsetzen. Solche Komitees können unbegrenzt Geld einnehmen und unabhängig Wahlwerbung finanzieren; sie dürfen ihre Ausgaben aber nicht mit Kandidaten koordinieren.
Quelle: Federal Election Commission, Fairshake-Finanzübersicht. Gesamtzahlungen: rund 169,5 Millionen Dollar. Transfers sind Weiterleitungen an verbundene Komitees; sie sind nicht automatisch bereits ausgegebene Wahlwerbung. Gerundete Werte.
Der größte Teil der von Fairshake gemeldeten Auszahlungen entfiel auf Transfers an verbundene Komitees. 139 Millionen von insgesamt rund 169,5 Millionen Dollar wurden auf diesem Weg weitergereicht. Eigene unabhängige Wahlausgaben des Komitees machten rund 19,4 Millionen Dollar aus. Die Transfers erklären, warum sich die Ausgaben des Netzwerks nicht allein am Werbebudget von Fairshake selbst ablesen lassen.
Wie das Geld politisch eingesetzt werden soll, wurde Anfang Oktober deutlicher: Fairshake kündigte laut Associated Press Unterstützung für 32 Abgeordnete des Repräsentantenhauses an – 19 Republikaner und 13 Demokraten. Sechs von ihnen sollten jeweils mit einer Million Dollar unterstützt werden. Gleichzeitig plante das Komitee fast 30 Millionen Dollar gegen den demokratischen Senatskandidaten und Krypto-Kritiker Sherrod Brown in Ohio ein. Angekündigte Ausgaben sind dabei nicht mit bereits getätigten Zahlungen gleichzusetzen.
Der Einsatz trifft auf eine offene regulatorische Frage: Die Branche drängt auf ein Gesetz zur Marktstruktur digitaler Vermögenswerte. Im Senat geriet das Vorhaben auch wegen des Streits um die Krypto-Geschäfte von Präsident Donald Trump ins Stocken. Welche finanziellen Verbindungen dabei eine Rolle spielen, haben wir in unserer Auswertung von Trumps Finanzoffenlegung eingeordnet.
Die entscheidende Frage nach der Wahl lautet damit nicht nur, welche Kandidaten gewinnen. Sie lautet auch, ob die nächste Zusammensetzung des Kongresses eine Einigung über die Krypto-Regulierung ermöglicht – und welche Regeln für die Geschäftsinteressen von Amtsträgern dabei gelten sollen.
- Reuters: Politische Beiträge prominenter Krypto-Unternehmer, 27. Oktober 2026. Die Auswertung umfasst Kandidaten, Parteikomitees und PACs sowie bestimmte Beiträge über verbundene Unternehmen. Nicht offengelegte „Dark Money“-Zahlungen sind nicht enthalten.
- Public Citizen: Unternehmensbeiträge zu den Zwischenwahlen, veröffentlicht am 27. August 2026; Daten bis Ende Juni 2026.
- Federal Election Commission: Finanzübersicht Fairshake, Berichtszeitraum bis 14. Oktober 2026.
- Associated Press: Geplante Unterstützung für Kongresskandidaten, 5. Oktober 2026.
Die Prozentwerte zu den Unternehmensbeiträgen wurden von Börsen-Parkett aus den gerundeten Angaben von Public Citizen berechnet. Persönliche Beiträge, Unternehmensspenden und PAC-Auszahlungen beschreiben unterschiedliche Stufen des Geldflusses und werden nicht addiert.
Weitere spannende Beiträge findest Du etwa in unserem Themen-Hub und im Bereich Daten & Tools.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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