Es ist ein Dokument von 927 Seiten, und es verändert endgültig das Bild, das man von den Finanzen eines amtierenden US-Präsidenten hatte. Am 30. Juni 2026 veröffentlichte das US Office of Government Ethics (OGE) Donald Trumps jährliche Finanzoffenlegung für das Jahr 2025 – das erste vollständige Jahr seiner zweiten, nicht zusammenhängenden Amtszeit. Das zentrale Ergebnis lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Krypto ist inzwischen Trumps größte Einnahmequelle, und zwar mit deutlichem Abstand vor Immobilien, Golfresorts und Rechtsvergleichen.
Über 1,4 Milliarden US-Dollar entfielen laut Offenlegung auf krypto-bezogene Einnahmen. Zum Vergleich: Die Golf- und Resortsparte, jahrzehntelang das Rückgrat des Trump-Vermögens, brachte gut 500 Millionen Dollar. Die Aufschlüsselung der einzelnen Deals zeigt, wie stark sich die Einnahmestruktur des Präsidenten in nur einem Jahr verschoben hat.
Die folgende Infografik fasst die Größenordnungen zusammen:

Der TRUMP-Memecoin als größter Einzelposten
Der mit Abstand größte einzelne Krypto-Posten sind 635.068.835 Dollar an Lizenzgebühren aus einem Vertrag mit den sogenannten „Celebration Coins“. Dahinter steht die CIC Digital LLC, eine dem Trump-Umfeld zugeordnete Gesellschaft, die das Memecoin-Geschäft rund um den TRUMP-Token betreibt. Der Coin war wenige Tage vor Trumps Amtseinführung im Januar 2025 auf der Solana-Blockchain gestartet und hatte binnen Stunden eine milliardenschwere Bewertung erreicht.
Was in vielen Meldungen untergeht: Diese Einnahmen stehen in einem bemerkenswerten Kontrast zur Kursentwicklung des Tokens selbst. Der TRUMP-Coin ist von seinem Allzeithoch im Januar 2025 um über 90 Prozent gefallen. Während also auf der einen Seite hunderte Millionen an Lizenzgebühren realisiert wurden, sitzen auf der anderen Seite zahlreiche Anleger auf teils erheblichen Buchverlusten. Der Melania-Token entwickelte sich noch schlechter und verlor nahezu seinen gesamten Wert.
World Liberty Financial: fast 800 Millionen Dollar an Trump-Gesellschaften
Der zweite große Block dreht sich um World Liberty Financial (WLF), die DeFi- und Stablecoin-Plattform, die 2024 unter Beteiligung von Trumps Söhnen entstand. Insgesamt flossen laut den Auswertungen fast 800 Millionen Dollar an Trump-nahe Gesellschaften. Dieser Betrag teilt sich in mehrere Ströme auf.
Rund 236 Millionen Dollar stammen aus dem Verkauf von WLFI-Token, dem Governance-Token der Plattform. Der Vergleich zum Vorjahr macht die Dynamik greifbar: In der Offenlegung für 2024 waren aus WLF-Token-Verkäufen lediglich rund 57,35 Millionen Dollar ausgewiesen – der aktuelle Wert liegt also um ein Vielfaches höher. Betrachtet man die aggregierten WLF-Token-Erlöse, die einzelne Auswertungen bei über 500 Millionen Dollar verorten, ergibt sich sogar ein Sprung auf etwa das 25-Fache.
Weitere 65,6 Millionen Dollar entfielen auf den Verkauf von Firmenanteilen an der WLF-Holdingstruktur. Wichtig zur Einordnung: Das ist kein Token-Verkauf, sondern die Veräußerung von Beteiligungen (Equity) an der dahinterstehenden Gesellschaft – ein anderer Mechanismus als der Coin-Handel.
Fast 197 Millionen Dollar sind schließlich dem USD1-Stablecoin-Venture zuzuordnen. Dieser Posten läuft über eine „Stablecoin Holdco“-Struktur und ist mit einem Investment aus Abu Dhabi verbunden. Damit rückt das USD1-Geschäft in einen geopolitischen Kontext, der über die reine Zahlenbetrachtung hinausgeht.
Die kleineren Posten: Melania-NFTs und Ethereum-Staking
Neben den großen Blöcken tauchen in der Offenlegung auch kleinere krypto-nahe Einnahmen auf. Melania Trump verzeichnete rund sechs Millionen Dollar aus einem separaten Lizenzvertrag für den Verkauf von NFTs und Sammlerstücken. Hinzu kommen etwa 1,8 Millionen Dollar aus Ethereum-Staking-Rewards. Diese Positionen sind im Gesamtbild klein, runden aber ab, wie breit das Trump-Umfeld inzwischen im Krypto-Sektor aufgestellt ist – von Memecoins über Stablecoins bis zu Staking-Erträgen.
Rechnet man die bekannten Einzelposten zusammen, ergeben sich rund 1,14 Milliarden Dollar. Die Differenz zur Gesamtsumme von über 1,4 Milliarden erklärt sich durch weitere, kleinteiligere World-Liberty-Ströme, die unter anderem mit Wallets für LINK, AAVE, ENA, MOVE und ONDO verknüpft sind, sowie durch zusätzliche Staking-Erträge und Zinsen. Wer die Zahlen sauber liest, sollte diese beiden Ebenen – bekannte Einzeldeals und krypto-bezogene Gesamtsumme – nicht als geschlossene Rechnung vermischen.
Was die Offenlegung nicht sagt
Bei aller Detailtiefe gibt es methodische Grenzen, die für eine seriöse Einordnung entscheidend sind. Erstens nennt die OGE-Offenlegung Vermögenswerte häufig nur in Spannen, nicht in exakten Beträgen – das ist bei US-Ethikformularen üblich. Zweitens trennt das Dokument nicht immer sauber, was Trump persönlich zuzurechnen ist und was über Familienmitglieder oder Holdingstrukturen läuft. Und drittens vermischen sich realisierte Erlöse mit Buchwerten. Die Zahl von 1,4 Milliarden Dollar sollte deshalb nicht pauschal als liquides Bareinkommen des Präsidenten gelesen werden.
Ein Teil der Verwirrung in der Berichterstattung erklärt sich genau daraus: Einzelne Redaktionen lesen dieselben Zeilen im 927-Seiten-Dokument unterschiedlich, weshalb für die WLF-Token-Erlöse Werte zwischen etwa 515 und über 594 Millionen Dollar kursieren. Die Gesamtaussage bleibt davon unberührt – nur die exakte Zuordnung einzelner Beträge variiert je nach Auswertung.
Der Kontext: Milliardengewinne, Milliardenverluste
Getrennt von der offiziellen Offenlegung hatte die Nachrichtenagentur Reuters zuvor eine eigene Analyse vorgelegt, die einen weiteren Zeitraum und einen breiteren Kreis von Projekten betrachtet. Demnach soll die Trump-Familie seit der Rückkehr ins Weiße Haus mindestens 2,3 Milliarden Dollar aus krypto-bezogenen Projekten erzielt haben – bei nach dieser Darstellung sehr geringem eigenem Kapitaleinsatz. Auf der Gegenseite stünden Anlegerverluste in einer vergleichbaren Größenordnung, verteilt auf über eine Million Wallets.
Diese Reuters-Schätzung ist nicht identisch mit der OGE-Offenlegung und misst etwas anderes. Sie liefert jedoch den entscheidenden Kontext: Die Einnahmen des Präsidenten fielen in ein Marktumfeld, das für viele Privatanleger deutlich ungünstiger verlief. Parallel dazu befindet sich der breitere Kryptomarkt in einer Schwächephase – Bitcoin notiert rund 50 Prozent unter seinem Allzeithoch aus dem Vorjahr.
Warum die Zahlen politisch brisant sind
Die Veröffentlichung fällt in eine heikle Phase der US-Krypto-Regulierung. Im Zentrum steht der CLARITY Act, ein Gesetz zur Marktstruktur digitaler Assets, das die Zuständigkeiten zwischen den Aufsichtsbehörden SEC und CFTC klären soll. Über einen Punkt wird seit Monaten gerungen: eine mögliche Ethikregel, die es Amtsträgern und ihren Familien untersagen würde, mit Krypto-Geschäften Geld zu verdienen.
Genau hier verbindet sich die Offenlegung mit der Gesetzgebung. Ein Zusatzantrag, der hochrangigen Amtsträgern Krypto-Geschäftsinteressen untersagt hätte, war im zuständigen Senatsausschuss zuvor gescheitert. Ein ursprünglich angepeiltes Signing-Ziel für Anfang Juli geriet ins Wanken, weil sich der Ethikstreit als schwerer lösbar erwies als der Zeitplan erlaubte. Kritiker verweisen darauf, dass ein Präsident, dessen Regierung ausdrücklich krypto-freundliche Politik verfolgt, zugleich der am direktesten Betroffene dieser Regeln ist. Das Weiße Haus weist Vorwürfe eines Interessenkonflikts zurück und verweist auf den Umfang der Offenlegung als Beleg für Transparenz.
Einordnung für Anleger
Für Anlegerinnen und Anleger im DACH-Raum ist die Offenlegung vor allem aus zwei Gründen relevant. Zum einen zeigt sie, wie eng politische Personen und Kryptomärkte inzwischen verflochten sein können – und wie unterschiedlich sich dabei die Ergebnisse für Projektinitiatoren einerseits und Privatanleger andererseits gestalten. Zum anderen illustriert der Fall TRUMP-Memecoin ein grundsätzliches Muster: Ein Token kann für die dahinterstehenden Strukturen hohe Erlöse generieren und gleichzeitig für spätere Käufer massive Verluste bedeuten. Wer Krypto-Assets bewertet, sollte deshalb weniger auf Namen und Prominenz achten als auf Struktur, Anreize und die Frage, wer bei einem Verkauf tatsächlich profitiert. Diese Einordnung richtet sich an alle, die Krypto-Investments nicht nur nach Schlagzeilen, sondern nach den zugrunde liegenden Mechanismen beurteilen wollen.
Hier geht es zum Beitrag: Anleitung zum Kaufen von Kryptowährungen.

Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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