Bitcoin.de nach BaFin-Schock: Handel weiter ausgesetzt – Neustart mit neuer Strategie geplant

Raphael Lulay

08.10.2026, 08:43 Uhr

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Die deutsche Krypto-Handelsplattform bitcoin.de steht vor einer grundlegenden Neuordnung. Nachdem die BaFin den Antrag auf eine MiCAR-Zulassung abgelehnt hat, soll ein alternatives Geschäftsmodell mit zwei regulierten Partnern den Neustart ermöglichen. Für die mehr als 1,1 Millionen registrierten Nutzer gibt es zumindest eine gute Nachricht: Auszahlungen bleiben möglich. Wann der Kryptohandel wieder startet, ist allerdings weiterhin offen.

Die Hängepartie bei bitcoin.de geht in die nächste Runde. Am 6. Oktober 2026 teilte die Muttergesellschaft Bitcoin Group SE mit, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) den Antrag der Tochtergesellschaft futurum bank AG auf Zulassung als Kryptowerte-Dienstleister nach der europäischen MiCAR-Verordnung verweigert hat.

Inzwischen hat bitcoin.de seine Kunden ausführlich über die Konsequenzen informiert. Aus dem am 7. Oktober veröffentlichten Statusbericht geht hervor, dass der Handel weiterhin ausgesetzt bleibt. Die technisch vollständig erneuerte Plattform ist zwar einsatzbereit, soll künftig jedoch auf einer anderen regulatorischen Grundlage betrieben werden.

Für die Kunden bedeutet das: Der erhoffte Neustart verzögert sich erneut. Gleichzeitig steht fest, dass bitcoin.de den Betrieb nicht aufgeben, sondern mit regulierten Partnerunternehmen fortsetzen will.

Bitcoin.de: BaFin verweigert MiCAR-Lizenz nach mehr als 15 Monaten

Der Zulassungsantrag der futurum bank AG wurde bereits am 27. Juni 2025 eingereicht. Mehr als 15 Monate später steht fest, dass die Betreiberin von bitcoin.de die beantragte Erlaubnis nicht erhält.

Nach Angaben der Bitcoin Group hält die BaFin den bisherigen Umsetzungsstand der regulatorischen Anforderungen und die kurzfristig erreichbaren Fortschritte für nicht ausreichend. Das Unternehmen bewertet die Situation anders.

Die Entscheidung hat unmittelbare Folgen. Die bisherige aufsichtsrechtliche Duldung der Kryptowerte-Dienstleistungen besteht nicht mehr. Damit kann bitcoin.de den Handel nicht einfach unter den bisherigen Voraussetzungen wieder aufnehmen.

Bereits seit dem 12. Juni 2026 ruht das operative Handelsgeschäft weitgehend.

Boersen-Parkett.de hatte die Verzögerungen beim Neustart bereits mehrfach thematisiert. Ursprünglich sollte die neue Trading-App Ende Juni starten. Im September bestätigte das Unternehmen schließlich, dass die Plattform technisch fertig sei, der Start jedoch an regulatorischen Vorgaben scheitere.

Aus der damaligen Unsicherheit ist nun eine endgültige Entscheidung über den bisherigen Zulassungsantrag geworden. Bitcoin.de muss seinen Neustart damit unabhängig von einer eigenen MiCAR-Zulassung der futurum bank organisieren.

Neuer Plan: Zwei regulierte Partner sollen bitcoin.de wiederbeleben

Das Unternehmen setzt jetzt auf eine neue Struktur. Nach eigenen Angaben befindet sich die futurum bank AG in Vorbereitungen für Kooperationen mit zwei in Deutschland ansässigen regulierten Instituten.

Die Aufgaben sollen künftig aufgeteilt werden:

  • Ein reguliertes Institut soll als Handelspartner der Kunden fungieren.
  • Bitcoin.de soll weiterhin als Handelsplattform mit neuer Website und Trading-App auftreten.

Welche Unternehmen diese Aufgaben übernehmen sollen, ist bislang nicht bekannt. Auch konkrete Vertragsabschlüsse wurden noch nicht gemeldet.

Interessant ist die strategische Konsequenz: Die futurum bank würde damit wesentliche Funktionen, die ursprünglich Teil des eigenen Geschäftsmodells sein sollten, an externe Partner auslagern.

Für bitcoin.de könnte dieser Ansatz den Weg zurück in den Markt verkürzen. Statt das gesamte Zulassungsverfahren erneut durchlaufen zu müssen, soll der Handelsbetrieb auf Grundlage bereits bestehender regulatorischer Erlaubnisse der Partner ermöglicht werden.

Ob und wie schnell dieses Modell tatsächlich umgesetzt werden kann, hängt allerdings von den Kooperationsvereinbarungen und der konkreten regulatorischen Ausgestaltung ab.

Wann startet bitcoin.de wieder? Unternehmen spricht von wenigen Wochen

Die wohl wichtigste Frage für die Kunden bleibt weiterhin unbeantwortet: Wann kann man bei bitcoin.de wieder Bitcoin und andere Kryptowährungen kaufen und verkaufen?

In der Unternehmensmitteilung vom 6. Oktober stellte Bitcoin-Group-Chef Moritz Eckert eine Wiederaufnahme des Handels innerhalb der nächsten Wochen in Aussicht.

Ein verbindlicher Starttermin existiert jedoch nicht. Im Kundenbericht vom 7. Oktober verzichtet bitcoin.de auf eine konkrete zeitliche Zusage.

Dass das Unternehmen einen Neustart innerhalb weniger Wochen anstrebt, ist zunächst ein positives Signal. Nach den mehrfach verschobenen Terminen der vergangenen Monate sollte die Ankündigung allerdings mit Vorsicht betrachtet werden.

Denn die technische Fertigstellung allein reicht nicht aus. Zunächst müssen die geplanten Kooperationen umgesetzt und die erforderlichen Abläufe für den neuen Handelsbetrieb geschaffen werden.

Bitcoin.de App fertig: Mehr als 100 Kryptowährungen, Sparpläne und Staking geplant

Bemerkenswert ist, dass die technischen Voraussetzungen für den Neustart nach Unternehmensangaben bereits vollständig geschaffen wurden.

Die neue bitcoin.de-Plattform umfasst eine überarbeitete Website sowie Apps für iOS und Android. Auch die zugrunde liegende Trading-Infrastruktur wurde laut Betreiber umfangreich getestet.

Mit dem Neustart soll sich das Angebot erheblich verändern. Vorgesehen sind mehr als 100 handelbare Kryptowährungen, Krypto-Sparpläne, Swaps und dynamisches Staking.

Damit würde sich bitcoin.de deutlich von seinem bisherigen Geschäftsmodell entfernen. Die Plattform war über viele Jahre insbesondere als deutscher Bitcoin-Marktplatz bekannt, auf dem Nutzer Kryptowährungen direkt miteinander handeln konnten.

Künftig soll ein wesentlich breiteres Handelsangebot entstehen, das stärker an moderne Krypto-Broker erinnert.

Ob das Unternehmen damit tatsächlich Kunden zurückgewinnen kann, dürfte allerdings nicht allein vom Funktionsumfang abhängen. Entscheidend werden auch Handelsgebühren, Spreads, die Zuverlässigkeit der neuen Plattform und die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber bereits etablierten Anbietern sein.

Konkrete Gebühren für das neue Angebot sind bislang nicht veröffentlicht.

Was passiert jetzt mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen bei Bitcoin.de?

Was passiert jetzt mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen bei bitcoin.de?

Für Bestandskunden ist insbesondere die Sicherheit ihrer vorhandenen Vermögenswerte relevant.

Laut bitcoin.de werden die Kryptowährungen bis zur geplanten Übertragung auf einen neuen regulierten Verwahrer weiterhin durch die futurum bank AG verwahrt. Sämtliche Ansprüche der Kunden sollen unverändert bestehen bleiben.

Der aktuelle Funktionsumfang ist allerdings eingeschränkt:

  • Kryptowährungen kaufen und verkaufen: Derzeit nicht möglich.
  • Bitcoin und andere Kryptowährungen auszahlen: Weiterhin möglich.
  • Euro einzahlen: Der Zeitpunkt der erneuten Verfügbarkeit ist noch offen.
  • Bitcoin.de Login: Die bisherigen Zugangsdaten bleiben gültig.
  • Wechsel zum neuen Verwahrer: Geplant, Einzelheiten stehen noch aus.

Kunden müssen nach Angaben des Unternehmens momentan nichts unternehmen. Im Zuge der Umstellung könnten allerdings weitere Schritte notwendig werden.

Die Zusicherung zur Sicherheit der Vermögenswerte ist wichtig. Sie ersetzt jedoch nicht die Möglichkeit, auf Marktbewegungen unmittelbar reagieren zu können. Wer Kryptowährungen bei bitcoin.de hält, kann diese derzeit zwar auszahlen, aber nicht direkt auf der Plattform verkaufen.

Gerade in einem volatilen Markt ist diese Einschränkung für aktive Anleger relevant.

Bitcoin Group Aktie: Operative Probleme treffen auf schwache Geschäftszahlen

Die verweigerte MiCAR-Zulassung kommt für die börsennotierte Muttergesellschaft zu einem wirtschaftlich schwierigen Zeitpunkt.

Erst am 29. September hatte die Bitcoin Group SE ihre Halbjahreszahlen veröffentlicht. Boersen-Parkett.de berichtete über einen Umsatzrückgang von rund 58 Prozent auf 1,59 Millionen Euro.

Das EBITDA verschlechterte sich auf minus 3,25 Millionen Euro. Gleichzeitig gingen die liquiden Mittel von 12,6 Millionen Euro zum Jahresende 2025 auf 3,9 Millionen Euro zum 30. Juni 2026 zurück.

Zwar verfügte die Gesellschaft zur Jahresmitte noch über einen Netto-Krypto-Eigenbestand im Wert von rund 199 Millionen Euro. Die Zahlen verdeutlichen jedoch, dass der operative Geschäftsbetrieb und die Vermögenssubstanz der Gruppe getrennt betrachtet werden müssen.

Die neue Handelsplattform hat erhebliche Investitionen erfordert. Solange der Handel ausgesetzt bleibt, kann sie jedoch keine regulären Transaktionserlöse erwirtschaften.

Hinzu kommt eine neue wirtschaftliche Unbekannte: Werden künftig externe Partner für Handel und Verwahrung eingesetzt, könnten sich auch die Kostenstruktur und die Verteilung der Erträge verändern.

Welche wirtschaftlichen Konditionen für die Kooperationen vorgesehen sind, hat das Unternehmen bislang nicht mitgeteilt.

Einschätzung: Bitcoin.de hat nicht nur ein Lizenzproblem

Die Entscheidung der BaFin ist zweifellos ein schwerer Rückschlag für bitcoin.de. Aus unserer Sicht liegt die eigentliche Herausforderung inzwischen jedoch über die regulatorische Zulassung hinaus.

Der Handelsplatz muss verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Kunden warteten zunächst auf einen angekündigten Neustart Ende Juni, erhielten über längere Zeit nur begrenzte Informationen und erfahren nun, dass die bisher angestrebte regulatorische Grundlage nicht zustande kommt.

Gleichzeitig ist der deutsche Kryptomarkt längst kein Nischenmarkt mehr. Bitcoin.de konkurriert mit Anbietern, die bereits über regulierte Handelsangebote, mobile Krypto Apps und umfangreiche Produktpaletten verfügen.

Die technisch erneuerte Plattform könnte durchaus konkurrenzfähig werden. Mehr als 100 Kryptowährungen, Sparpläne und Staking wären ein erheblicher Fortschritt gegenüber dem bisherigen Angebot.

Doch eine moderne App allein wird nicht ausreichen. Bitcoin.de muss zeigen, dass der neue Handelsbetrieb zuverlässig funktioniert, die Konditionen wettbewerbsfähig sind und die Kommunikation mit den Kunden künftig transparenter erfolgt.

Die geplante Zusammenarbeit mit regulierten Partnern erscheint als pragmatischer Ausweg aus der aktuellen Situation. Sie ist allerdings noch keine Garantie für einen erfolgreichen Neustart.

Für die mehr als 1,1 Millionen registrierten Nutzer dürfte deshalb vor allem eines zählen: dass aus den wiederholten Ankündigungen endlich ein funktionierender Handelsplatz wird.