Die Bitcoin Group SE (ISIN DE000A1TNV91) hat am 29. September 2026 ihren Halbjahresbericht vorgelegt. Die Holding aus Herford setzte im ersten Halbjahr 1,59 Millionen Euro um, nach 3,78 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das ist ein Rückgang von rund 58 Prozent. Das EBITDA verschlechterte sich von -1,00 auf -3,25 Millionen Euro.
Wichtiger als die Zahlen bis Ende Juni ist, was danach passiert ist. Auf bitcoin.de, dem Handelsplatz der Tochter futurum bank AG, ist der Kryptohandel seit dem Sommer ausgesetzt. Nach Unternehmensangaben hat die Plattform mehr als 1,1 Millionen registrierte Nutzer. Einen Termin für den Neustart nennt der Bericht nicht.
Bitcoin Group Zahlen: Verlust je Aktie mehr als verdreifacht
Der Verlust je Aktie stieg von 0,33 Euro auf 1,02 Euro. Bei 5 Millionen ausstehenden Aktien ergibt das rechnerisch einen Periodenverlust von rund 5,1 Millionen Euro. Das Unternehmen erklärt das Ergebnis vor allem mit hohen Investitionen und zusätzlichem Personal für die Neuausrichtung. Den Umsatzrückgang führt es auf die Volatilität am Kryptomarkt, konjunkturelle und geopolitische Faktoren sowie Abflüsse aus Krypto-Spot-ETFs zurück.
Die liquiden Mittel sanken deutlich. Zum 30. Juni 2026 lagen sie bei 3,9 Millionen Euro, nach 12,6 Millionen Euro zum Jahresende 2025. Das ist ein Minus von rund 69 Prozent oder 8,7 Millionen Euro in sechs Monaten. Nach dem Stichtag zahlte die Gesellschaft im August zudem erneut 0,10 Euro Dividende je Aktie aus. Bei 5 Millionen Aktien sind das rund 0,5 Millionen Euro.
Krypto-Eigenbestand: 199 Millionen Euro, überwiegend ein Bewertungseffekt
Die Bilanz bleibt die Stärke der Gruppe. Der Netto-Krypto-Eigenbestand lag zum 30. Juni bei 199 Millionen Euro. Zum Jahresende 2025 waren es 293 Millionen Euro, ein Jahr zuvor rund 356 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote sank leicht von 72,5 auf 71,8 Prozent.
Seit Jahresbeginn fiel der Bestand um 32 Prozent. Im selben Zeitraum verlor Bitcoin laut Bericht ebenfalls rund 32 Prozent, von etwa 88.400 auf 60.100 US-Dollar. Die Übereinstimmung spricht dafür, dass der Rückgang hauptsächlich auf die Bewertung zurückgeht und nicht auf Verkäufe. Wie sich der Bestand zusammensetzt, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Der Stichtagswert ist inzwischen überholt. Ende September notierte Bitcoin bei rund 84.000 US-Dollar, etwa 40 Prozent über dem Niveau vom 30. Juni. Je Aktie entspricht der Netto-Krypto-Eigenbestand zum Stichtag rund 39,80 Euro.
Den 199 Millionen Euro in Kryptowerten stehen nur 3,9 Millionen Euro an liquiden Mitteln gegenüber. Die Mitteilung sagt nicht, wie die weiteren Kosten bis zum Neustart finanziert werden, ob aus der Kasse oder über den Verkauf von Kryptowerten.
bitcoin.de Handel ausgesetzt: Woran der Neustart hängt
Technisch ist die neue Plattform nach Unternehmensangaben fertig. Website und Trading-App haben interne und externe Funktions- und Sicherheitstests bestanden. Für die Wiederaufnahme des Handels fehlt der Abschluss des Lizenzierungsverfahrens nach den neuen europäischen Vorgaben. Das Verfahren dauere länger als ursprünglich erwartet. Die futurum bank stehe in engem Austausch mit den Aufsichtsbehörden.
Beim Zeitpunkt der Aussetzung gibt es eine Abweichung. Das Unternehmen spricht von „Ende Juni 2026″. Mehreren übereinstimmenden Berichten zufolge ruhen Handel und Einzahlungen jedoch bereits seit dem 12. Juni. Auszahlungen und Überträge auf externe Wallets sollen weiterhin möglich sein.
Der regulatorische Hintergrund: Kreditinstitute können Kryptodienstleistungen nach Art. 60 MiCAR mit einer Anzeige bei der Aufsicht aufnehmen. Die futurum bank ist trotz ihres Namens nach Unternehmensangaben als Wertpapierinstitut nach dem WpIG reguliert und befindet sich im MiCAR-Lizenzierungsverfahren.
Vorstandschef Moritz Eckert sagt, alle Voraussetzungen im eigenen Einflussbereich seien geschaffen. Sobald die regulatorische Grundlage vorliege, starte bitcoin.de mit einer technologisch grundlegend erneuerten Plattform.
bitcoin.de Neustart: Vom Marktplatz zum Broker
Mit dem Neustart ändert sich das Geschäftsmodell. Seit 2011 war bitcoin.de ein Peer-to-Peer-Marktplatz, künftig wird die Plattform ein Broker. Geplant sind mehr als 100 Kryptowährungen statt der bisher neun, dazu Sparpläne, Krypto-Swaps, Dynamic Staking und eine neue Settlement-Infrastruktur. Die künftigen Gebühren sind noch nicht veröffentlicht. Die Bestandskunden müssen auf die neue Plattform migriert werden. Diese Migration wurde nach Unternehmensangaben kurzfristig verschoben.
Bitcoin Group Prognose 2026: Weniger Umsatz, erneut negatives EBITDA
Für das Gesamtjahr erwartet der Vorstand einen niedrigeren Umsatz als im Vorjahr und erneut ein negatives EBITDA. Als Gründe nennt er den höheren Investitionsbedarf bei der futurum bank und den verzögerten Neustart. Als kaum planbar bezeichnet das Unternehmen den Zeitpunkt der MiCAR-Lizenz, die Zahl der migrierenden und neuen Kunden sowie die Nutzung von Sparplänen und Staking. Der englische Halbjahresbericht soll Mitte Oktober erscheinen.
Die Zahlen zeigen ein Unternehmen, dessen Wert derzeit vor allem in der Bilanz liegt und nicht im operativen Geschäft. Ohne Lizenz verursacht die neue Plattform Kosten, bringt aber keine Transaktionserlöse. Über den weiteren Verlauf entscheidet damit weniger die Technik als eine Entscheidung der Aufsicht, deren Zeitpunkt das Unternehmen selbst nicht beziffern kann.
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Raphael Lulay ist Herausgeber und Redakteur von boersen-parkett.de. Er verfügt über einen akademischen Hintergrund in Politik, Soziologie und Verwaltung (B.A.) und berichtet seit 2018 über Kryptowährungen, Bitcoin, Altcoins und digitale Kapitalmärkte. Neben seiner Tätigkeit auf boersen-parkett.de veröffentlicht er regelmäßig Beiträge auf Block-Builders.de und Bitcoin-2Go.de. Zuvor schrieb er auch für Finanzpublikationen wie Fonds Finanz und das B.MAG Bankenmagazin. Sein Fokus liegt auf der datenbasierten Einordnung von Marktbewegungen, Kapitalflüssen, Regulierung und Krypto-Trends für Anleger. E-Mail: [email protected]
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